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September 2020

ARAG

Das beste Hilfsmittel gegen Krankheitsbilder wie Hörsturz oder Tinnitus ist eine ausgeglichene Lebensweise. Leicht gesagt, aber oft schwer umzusetzen. Vielen Menschen hilft es zunächst einmal, etwas zu Ursachen, Symptomen, Behandlung und Prävention der Ohrerkrankung zu erfahren.

Hörsturz

Tinnitus

 

Habe ich einen Hörsturz? Anzeichen und Symptome

Wer über Ohrenschmerzen klagt, muss sich keine großen Sorgen machen, einen Hörsturz zu erleiden, denn schmerzhafte Symptome deuten eher auf eine Entzündung hin.

Der Hörsturz ist eine oftmals einseitig und plötzlich auftretende Hörbeeinträchtigung auf einer Ohrseite, die zum vollständigen Hörverlust führen kann. Einen bestimmten Auslöser gibt es nicht.

Es gibt auch immer wieder Fälle, bei denen der Hörsturz gemeinsam mit einem Tinnitus auftritt.

Klassische Anzeichen eines Hörsturzes sind Schwindelattacken, ein „watteartiges Geräusch“ im Ohr oder ein plötzlich auftretender Ohrendruck. Auch der sogenannte Verfremdungseffekt – vertraute Stimmen klingen anders, Töne aus der Umgebung werden verzerrt wahrgenommen – gehört dazu. Betroffene berichten von einem „haarigen“ oder „pelzigen“ Gefühl in der Ohrmuschel.

Wie kommt es zum Hörsturz?

Bislang haben Mediziner noch keine eindeutigen Ursachen für einen Hörsturz gefunden. Jedoch vermuten Fachärzte etwaige Durchblutungsstörungen im Innenohr bzw. der Hörschnecke. Diese können auch durch eine Virusinfektion auftreten. Die kleinen Haarzellen, die sich im Gehörgang befinden und das Innenohr mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen, erleiden aufgrund der Mangeldurchblutung eine Schädigung und werden in ihrer Funktion beeinträchtigt. Auch kleine Blutgerinnsel können eine Ursache für einen Hörsturz darstellen. Der Ablauf erinnert dabei an einen Schlaganfall oder Herzinfarkt – Ärzte verwenden deshalb auch gerne den Begriff Ohrinfarkt.

Wie wird ein akuter Hörsturz behandelt?

Bei Verdacht auf einen Hörsturz sollten auch etwaige Ursachen, die einen Hörsturz begünstigen können, behandelt werden. So wird übergewichtigen Personen geraten, ihr Gewicht zu reduzieren. Auch Personen, die unter Bluthochdruck leiden, oder Diabetes-Patienten werden vorwiegend im Rahmen ihrer Grunderkrankung behandelt oder medikamentös neu eingestellt. So können weitere Hörstürze vermieden oder zumindest das Risiko reduziert werden.

Medikamente

Mit Hilfe von Medikamenten soll die Durchblutung verbessert werden. Zusätzlich kann Kortison helfen, dass etwaige Schwellungen zurückgehen. Liegt eine Blockade der Nerven vor, werden Lokalanästhetika eingesetzt, die die Nerven wieder freilegen sollen, sodass der Hörsturz bald wieder verschwindet.

Sauerstoffdruckkammer

Die „hyperbare Sauerstofftherapie“ ermöglicht eine Linderung der Beeinträchtigung des Hörvermögens. Jedoch gibt es bislang keine eindeutigen Hinweise, dass diese Therapie in einer Sauerstoffdruckkammer eine tatsächliche Verbesserung mit sich bringt.

Hörgerät

Bleibt der Hörsturz dauerhaft bestehen, weil eine permanente Schädigung der Haar- und Sinneszellen erfolgt und eine dauerhafte Schwerhörigkeit eingetreten ist, kann ein Hörgerät mittels „Noiser“ helfen, die Beeinträchtigung des Hörvermögens zu verbessern.

Blutwäsche

Bei äußerst ausgeprägten Hörstürzen wird mitunter die Apherese, die Blutwäsche, empfohlen. Das Blut wird im Rahmen der Behandlung von etwaigen Substanzen gereinigt, so dass die Blutgerinnung gefördert wird. Auf Grund der Blutwäsche bzw. Infusionstherapie wird die Fließeigenschaft des Blutes verbessert.

Hörsturz: Bin ich gefährdet?

Wenn Sie unter Bluthochdruck, Übergewicht oder auch Diabetes und Fettstoffwechselstörungen leiden, sind Sie akut gefährdet, einen Hörsturz zu erleiden. Zu den Risikopatienten zählen auch Personen, die ständig unter Stress stehen.

Wie entsteht ein Tinnitus?

Psychische Überbelastung und dauerhafter negativer Stress zählen zu den häufigsten Ursachen, wenn Ihr Arzt einen Tinnitus (Ohrgeräusche) diagnostiziert. Positiver Stress wird vom Körper als angenehm wahrgenommen und begünstigt definitiv keine Ohrgeräusche.

Der Tinnitus wird auch als „innerer Lärm“ bezeichnet. Betroffene, die einer enormen Belastung ausgesetzt sind, klagen über Ohrgeräusche. Studien belegen, dass auch tragische Erlebnisse wie Todesfälle in der Familie, finanzielle Sorgen oder berufliche Probleme zu Ohrgeräuschen führen können.

Wie wirkt sich ein Tinnitus aus?

Charakteristisch für den Tinnitus ist das permanente Ohrgeräusch. Es variiert in Tonlage und Lautstärke. Sie hören ein Rauschen, Summen, Sausen oder auch Zischen. Bei der Diagnose unterscheidet Ihr Arzt zwischen dem subjektiven oder objektiven Tinnitus. Während nur Sie den subjektiven Tinnitus wahrnehmen, produziert – beim sehr seltenen objektiven Tinnitus – der Körper selbst messbare Geräusche. Ein akuter Tinnitus verschwindet innerhalb von drei Monaten, während der chronische Tinnitus länger anhält. Auch wenn der Tinnitus keine direkte Gefahr darstellt, will er Ihnen mitteilen, dass Störungen Ihrer Körperfunktionen vorliegen.

Welche Therapien gibt es bei Tinnitus?

Zunächst muss Ihr HNO-Arzt feststellen, ob es sich um eine akute oder chronische, bzw. subjektive oder objektive Form der Erkrankung handelt. Beim akut auftretenden objektiven Tinnitus werden die Schallquellen im Ohr beruhigt oder entfernt. Danach ist es wichtig, dass ein Bewältigungstraining erfolgt und Medikamente wie Kortison verabreicht werden, die die Gefäße erweitern.

Es können auch physiotherapeutische Maßnahmen verordnet werden. Biofeedback, Hydrotherapie oder Tai Chi können dabei helfen, chronischen Tinnitus zu mindern. Auch verhaltenstherapeutische Maßnahmen sind möglich. Weitere Therapiemöglichkeiten sind Gehirnstimulationsverfahren oder Hörgeräteakustik. Der behandelnde Arzt muss gemeinsam mit dem Patienten entscheiden, welche dieser Möglichkeiten Erfolg verspricht.