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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Hamburg (SID) Fabian Hambüchen hat sich nach seiner Verletzungspause rechtzeitig vor Olympia zurückgemeldet. Sein 40. Titel bei den deutschen Meisterschaften könnte aber zugleich sein letzter gewesen sein.

Muskelkater – ein Zustand, den Turner-Ass Fabian Hambüchen eigentlich nicht kennt. Doch nach den kraftraubenden deutschen Meisterschaften Ende Juni in Hamburg blieb auch das Kraftpaket nicht davon verschont. „Ich bin ziemlich platt. Ich habe ja nur drei Geräte geturnt, trotzdem war es eine riesige Erschöpfung“, sagte der 28-Jährige nach seinem erfolgreichen Comeback in Hamburg nach dreimonatiger Verletzungspause.

Dennoch war der Wetzlarer am Montag darauf schon wieder fleißig und rührte in München die Werbetrommel für die Lotterie GlücksSpirale „Die Sieger-Chance“, die zur erweiterten Förderung des deutschen Spitzensports dienen soll. Danach ging es gleich weiter nach Köln – Physiotherapie. Wichtiger denn je für den geschundenen Körper des deutschen Rekordmeisters. „Ich muss immer auf den Körper hören und Tag für Tag neu entscheiden“, sagte Hambüchen.

Und sein Körper, vor allem die rechte Schulter, signalisiert ihm immer deutlicher: Langsam reicht es. Seinen großen Traum von den vierten Olympischen Spielen will sich der Ex-Weltmeister aber noch erfüllen: „Ich denke momentan nur an meine Schulter und meine Gesundheit und überlege schon, wie die nächsten Wochen auszusehen haben. Da muss ich das Training so clever wie möglich gestalten und darf keinen Fehler machen.“

Klar ist definitiv: An mehr als drei Geräten wird der Hesse auch in Rio nicht turnen. Was die Sache für Bundestrainer Andreas Hirsch nicht einfacher macht. Bei der zweiten und letzten Olympia-Qualifikation am 9. Juli in Frankfurt/Main muss der Berliner nun nach einem Komplementärturner suchen. Nach einem Athleten, der an den drei Geräten punkten kann, die Hambüchen bei Olympia auslassen wird: Pauschenpferd, Ringe und Barren.

Zuerst muss sich Hambüchen aber überhaupt für die Sommerspiele qualifizieren, schwer genug nach nur wenigen Wochen Intensiv-Trainings. Mit seinen DM-Titeln Nummer 39 und 40 hat er den ersten Schritt getan. „Ich habe gezeigt, dass ich noch lebe, dass ich noch turnen kann. Jetzt muss ich Vollgas geben, dass ich in Frankfurt die Schwierigkeit noch weiter erhöhe“, sagte Hambüchen, der bei seinen Titeln am Boden und am Reck auch von den Fehlern der nationalen Konkurrenz profitierte.

Seit nunmehr 13 Jahren dominiert er die deutschen Meisterschaften, sahnte jedes Jahr mindestens einen Titel ab. „Klar freue ich mich, dass es jetzt eine runde Zahl ist und es damit wahrscheinlich auch meine letzten deutschen Meisterschaften waren“, sagte Hambüchen. Was nach Rio kommt, darüber möchte er noch nicht sprechen, denn: „Für mich ist das mein Leben. Ich turne, seitdem ich denken kann.“

Wehmut verspüre er deswegen (noch) nicht. „Ich glaube, dass kommt alles erst in den nächsten Jahren, wenn man irgendwann ein wenig Abstand zu allem hat“, sagte er. Noch ist Hambüchen aber mittendrin und noch nicht bereit, in Turner-Rente zu gehen.