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September 2020

Landessportbünde

Studien belegen, dass Männer häufiger krank sind als Frauen und nach wie vor früher sterben. Doch warum fällt dann die Männerquote in den Gesundheitssport-Angeboten so gering aus? Wir sind der Sache beim Bewegten Zentrum in Duisburg auf den Grund gegangen …

Der Hallenboden knirscht leise, als die sechsköpfige Gruppe ihre Sitzposition auf den Hockern einnimmt. Die Füße haben festen Kontakt zum Boden, bei einer erstaunlich aufrechten  und  doch  entspannten  Haltung – das  zeugt von höchster Achtsamkeit am frühen Morgen. Noch ein letzter Blick durch den verspiegelten Kursraum, bevor alle Beteiligten langsam ihre Augen schließen und der ruhigen und sanften Stimme von Qigong-Lehrerin Andrea Hilgert (48) lauschen. „Hier kann ich zur Ruhe kommen und Kraft tanken, das tut mir gut“, erklärt Rolf Köppen (61), der seit drei Jahren das wöchentliche Angebot im Stadtteil Neudorf nutzt. Der Duisburger Freizeitkapitän bezeichnet sich und seinen Mitstreiter Klaus Rindermann (64) gerne als „Quotenmänner“ im Gesundheitssport. „Ich bin da so eine eigene Spezies. Ich folgte – im Gegensatz zu anderen Männern – einfach meinem inneren Impuls“, ergänzt Pressefotograf Köppen, der sich immer auf die gemischte Gruppe (33 bis 75 Jahre) freut.

„Es liegt am Männerbild in unserer Gesellschaft“

Diplomsportlehrerin Hilgert schätzt, dass gerade die ruhigeren Gesundheitssport-Angebote, wie Yoga oder auch Qigong, von mindestens 80 bis häufig weit über 90 Prozent Frauen besucht werden. „Ich denke, dass dieser Männermangel am allgemeinen Männerbild in unserer Gesellschaft  liegt. Leistung, körperliche Fitness sowie der Wettkampf sind bevorzugte Motive der Männer im Sport. Sie wollen sich präsentieren und stark fühlen – Gesundheitssport ist nicht anstrengend oder sportlich genug.“ Auch Bildjournalist Köppen sieht das Problem tief in unserer Gesellschaft verankert: „Das allgemeine Gesundheitsverständnis und -bewusstsein  der  Menschen  gehen  weit  auseinander. Außerdem herrscht dieser ständige Leistungscharakter und das nicht nur im Job, sondern auch beim Freizeitsport: Das  ist  doch  Quatsch!  Erstmal  braucht man die besten Funktionsklamotten, bevor es mit der Apple-Watch hektisch auf die Laufstrecke geht.“
Ingenieur Rindermann hat durch seine Frau zum Qigong gefunden: „Ich habe vorher schon einige Jahre Taijiquan beim Betriebssport gemacht. Beim Gesundheitssport ist für mich die spirituelle Komponente entscheidend, daher fühle ich mich in unserer Mittwochsgruppe bestens aufgehoben.“ Seit rund sechs Jahren ist der Familienvater schon mit dabei und macht auch im Freundes- und Bekanntenkreis kein Geheimnis aus seinem Hobby: „Schon als junger Student hatte ich einen Draht zu solchen Geschichten. Aber ich glaube, dass die Generation ‚Junge Väter‘ eine gute Zielgruppe ist“, so seine Einschätzung.

Den kompletten Artikel finden Sie im „Wir im Sport-Magazin 5/2016“ auf Seite 17.

Quelle: www.lsb-nrw.de