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Dezember 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Hamburg (SID) Der Transfer-Rekord der Fußball-Bundesliga steht jetzt bei rund 547 Millionen Euro. Nach Abschluss der letzten Wechsel im Sommer-Transferfenster am Mittwoch wurde diese Bestmarke erreicht. Im Vergleich zu englischen Premier League (1,41 Milliarden Euro/transfermarkt.de) ist die Bundesliga allerdings nur ein kleiner Fisch.

Zu den Spielern, die am Mittwoch kurz vor Ende der Wechselfrist um 18.00 Uhr noch einen Vertrag bei einem Bundesligisten unterschrieben, gehört Olympia-Held Serge Gnabry (Werder Bremen). In die Bundesliga zurückgekehrt ist Philipp Wollscheid (VfL Wolfsburg) von Stoke City. Der Hamburger SV ließ sich den brasilianischen Olympiasieger Douglas Santos  zehn Millionen Euro Ablöse kosten.

Hinter dem englischen Oberhaus rangiert die italienische Serie A mit knapp 700 Millionen Euro Investitionen auf Platz zwei vor der Bundesliga. Erst dahinter folgt die spanische Primera Division (472 Millionen Euro) vor der französischen Ligue 1 (192). Vor Frankreichs Eliteklasse ist sogar noch die zweite englische Liga (247 Mio.) platziert.

Weit mehr als eine halbe Milliarde Euro haben die Bundesliga-Klubs in der Sommer-Transferzeit in neue Spieler investiert. Das ist Rekord!

Einigen Fußballlehrern dreht sich das Wechselkarussell mittlerweile zu schnell – und vor allem zu lang. „Für eine verkürzte Transferzeit bis spätestens 31. Juli wäre ich sehr zu haben. Wenn wichtige Spieler rausgerissen werden, mit denen man eigentlich geplant hat, dann ist es wahnsinnig schwer“, sagte Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking.

Auch sein Leverkusener Kollege Roger Schmidt sehnt den September herbei: „Wenn fünf Tage vor dem ersten Pflichtspiel noch Anfragen kommen, beschäftigt das die Spieler. Das ist doch klar.“

Die Summen, die im Sommer 2016 in Europa für Transfers umgesetzt wurden, sind schwindelerregend. Sie lösen bei Teammanager Jürgen Klopp vom FC Liverpool mittlerweile Unbehagen aus. „Wir handeln wie mit Spielgeld. Wenn der Scheich keinen Bock mehr hat, wäre alles vorbei“ sagte der Coach mit Blick auf die englischen Liga-Konkurrenten, die von Geldgebern aus dem arabischen Raum massiv unterstützt werden.

Thomas Tuchel, Klopps Nachfolger beim deutschen Vizemeister Borussia Dortmund, sieht ebenfalls die Relationen nicht mehr gewahrt: „Die Summen stehen in keinem Verhältnis mehr zu den Leuten, die ins Stadion kommen, um sich ein Spiel anzusehen. Wenn es nur noch um Geld und Transaktion geht, verlieren wir die Beziehung zu den Menschen.“