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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Singapur (SID) Angelique Kerber wird es nach der ersten verständlichen Enttäuschung verkraften, mit einer Niederlage in den wohlverdienten Strand-Urlaub zu gehen. Ihre Traum-Saison kann auch der verpasste Titel im WTA-Finale nicht wirklich schmälern. Der Coup von Singapur wäre das Sahnehäubchen gewesen – nicht mehr und nicht weniger.

In ihrem 81. und letzten Match des Jahres hat Kerber vielleicht Tribut zollen müssen für ihre Triumphe, die Strapazen auf und abseits des Courts. Vor allen Dingen der Medienrummel hat sich nach ihrem zweiten Grand-Slam-Coup in New York und dem Sprung an die Spitze der Weltrangliste noch einmal vervielfacht.

Die Kielerin ist jetzt das Gesicht der ganzen Branche. Kerber wird auch aus diesen neuen Umständen lernen – und ihre Schlüsse ziehen. So, wie sie es schon oft mit Erfolg gemacht hat.

Die 28-Jährige weiß, dass Stillstand Rückschritt bedeutet. Auch mit Blick auf ihr Spiel. Deshalb hat Kerber schon angekündigt, die Anzahl ihrer Turniere 2017 zu reduzieren. Und sie will in Zukunft ökonomischer agieren, schneller die Punkte machen, um Kraft zu sparen. Eine weise Entscheidung. Ihre Physis wird aber auch weiterhin die Basis bleiben.

Sollte Kerber auch künftig von hartnäckigen Verletzungen verschont bleiben, spricht vieles für einen mittel- oder sogar langfristigen Verbleib auf dem Tennis-Thron. Was auch daran liegt, dass die Konkurrentinnen derzeit von der Konstanz einer Angelique K. nur träumen können.

Bliebe Serena Williams als ärgste Rivalin. Doch wie es aussieht, sind der mittlerweile 35-Jährigen ganz andere Sachen wichtig, als die Nummer eins zurückzuerobern. Williams möchte mit einem weiteren Grand-Slam-Titel – es wäre der 23. – Steffi Graf überflügeln. Gute Aussichten also für Kerber, auch 2017 die dominante Spielerin zu bleiben.

 

Sechs goldene Momente einer Traum-Saison

19. Januar 2016

Tatort MELBOURNE, der ZITTERSTART: Angelique Kerber wehrt in der 1. Runde der Australian Open gegen Misaki Doi (WTA-Nr. 64) im Tiebreak des zweiten Satzes einen Matchball ab. Der Return der Japanerin bleibt an der Netzkante hängen. Kerber zittert sich zum 6:7 (4:7), 7:6 (8:6), 6:3-Erfolg – und sagt: „Ich war mit mehr als einem Bein schon wieder im Flugzeug nach Hause. Als ich den Matchball gegen mich hatte, habe ich den Reiz gespürt, jetzt alles zu drehen.“

30.Januar 2016

Tatort MELBOURNE, die ERLÖSUNG: Kerber gewinnt durch ein 6:4, 3:6, 6:4 im Finale gegen Branchenführein Serena Williams (USA) die Australian Open. Damit holt die Kielerin als erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf 1999 in Paris wieder einen Major-Titel. Mit einem Glas Champagner in der Hand sagt sie in der Pressekonferenz: „Ich bin ein Grand-Slam-Champion, das klingt so verrückt. In diesen zwei Wochen hat sich alles geändert.“

09. Juli 2016

Tatort WIMBLEDON, die BESTÄTIGUNG: Kerber verliert das Endspiel gegen Serena Williams (USA) mit 5:7, 3:6. Die Amerikanerin gewinnt ihren 22. Grand-Slam-Titel und schließt damit zu Steffi Graf auf. „Ich habe dieses Finale nicht verloren, Serena hat es gewonnen. Ich habe gezeigt, dass Melbourne kein Zufall war“, sagt Kerber, die sich endgültig in die Herzen der Zuschauer gespielt hat

13. August 2016

Tatort RIO DE JANEIRO, der TROSTPREIS: Kerber verliert das olympische Finale gegen Monica Puig mit 4:6, 6:4, 1:6. Die Weltranglisten-34. spielt das Match ihres Lebens und gewinnt die erste olympische Goldmedaille für Puerto Rico überhaupt. „Es ist nicht die Medaille, die ich wollte, aber es ist Silber“, sagt Kerber danach.

10. September 2016

Tatort NEW YORK, der DOPPELPACK: Kerber gewinnt durch ein 6:3, 4:6, 6:4 im Finale gegen die Tschechin Karolina Pliskova die US Open. Bereits zwei Tage zuvor hatte sie durch die Halbfinal-Pleite von Serena Williams (USA) den Sprung an die Spitze der Weltrangliste sicher. Kerber ist damit die zweite Deutsche nach Steffi Graf, die den Platz an der Sonne erobern konnte.

30. Oktober 2016

Tatort SINGAPUR, der ABSCHLUSS: Kerber verliert das Endspiel des WTA-Finals mit 3:6, 4:6 gegen Dominika Cibulkova (Slowakei). Die Krönung ist verpasst, aber das Jahr bleibt golden. Mit 63:18 Siegen schließt „Angie“ das Jahr ab. „2016 – das war alles der Wahnsinn!“, sagt Kerber.