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Juli 2019

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München (SID) Noch nie war er so früh so gut: Felix Neureuther hat zum Auftakt der WM-Saison gezeigt, dass er auf dem Weg zurück zu alter Stärke ist.

Das Geheimnis des besten Saisonstarts im Leben von Ski-Rennläufer Felix Neureuther liegt in einer Gegend, die nicht für verschneite Hänge oder gar Berge bekannt ist. Neureuther hätte die Stadt Wittenburg, rund 80 km südlich der Ostsee und eine gute Autostunde östlich von Hamburg gelegen, wohl nie gesehen, wenn es dort nicht eine Skihalle gäbe. Von Mai bis Oktober stehen dort 330 m Piste auf vier Slalomhängen zur Verfügung, inklusive zweier Geländeübergänge mit bis zu 40 Prozent Gefälle.

Doch wegen besagten Gefälles hatte sich der Bayer Neureuther im Sommer nicht in den hohen Norden aufgemacht – er wollte ins Flache. „Skihalle, ich habe mir gedacht, das braucht’s jetzt nicht unbedingt“, sagt er. Aber nur dort fand er einen Hang, der dem WM-Gelände in St. Moritz mit seinem äußerst flachen Zieleinlauf ähnelt.

In St. Moritz, erklärt Neureuther, seien ihm die Spezialisten fürs Flache beim Weltcup-Finale im vergangenen März „ziemlich um die Ohren gefahren“. Er reiste also für zwei Tage nach Wittenburg – 99 Euro/Tag im Doppelzimmer mit Vollpension und Liftpass – und erzielte „definitiv eine große Steigerung“.

Was das alles mit Neureuthers drittem Platz beim Weltcup-Auftakt am vorletzten Oktober-Sonntag in Sölden zu tun hat? Nun, auf dem dortigen Rettenbachgletscher fuhr der 32-Jährige nach durchwachsener Vorstellung im Steilhang auf flacher werdendem Gelände noch aufs „Stockerl“. Dritter – so gut war er beim Opening noch nie.

„Na“, sagte Neureuther schmunzelnd über sein starkes Finish, „ich habe einfach so viel Kraft.“ Auch da ist was dran, hat er doch zum ersten Mal seit Jahren eine Vorbereitung ohne größere Komplikationen hinter sich. Aber der Test in Wittenburg war schon auch ein Schlüssel.

„Das war ein perfekter Saisonstart“, sagte der Partenkirchner, „wirklich etwas Besonderes für mich.“ Auch, weil er sich in Sölden oft schwer getan hatte. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so weit nach vorne gehen kann“, obwohl er im Sommer „kaum Schmerzen“ im dauerlädierten Rücken gehabt habe. Aber es war eben Sölden, und nach allerlei Tüfteln und Rumprobieren mit dem Material sei „viel Unsicherheit drin“ gewesen.

Die aber ist nun wie weggeblasen. Der Franzose Alexis Pinturault und Dauersieger Marcel Hirscher (Österreich), die in Sölden schneller waren als er, seien derzeit zwar „in einer anderen Liga“ unterwegs, gab Neureuther zu. Aber, fügte er mit seinem lausbubenhaften Grinsen an, „der Abstand im letzten Jahr war größer, den habe ich schon mal verringern können“.

Und: Pinturault sowie Hirscher seien in Sölden schon am Limit gefahren. Er selbst will in den nächsten Wochen bis zum Slalom im finnischen Levi daran arbeiten, „an mein Limit zu kommen“. Der Hang dort ist übrigens nicht der steilste.