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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Markus Rehm hat bei der Wahl der Behindertensportler des Jahres nicht alles abgeräumt – denn neben ihm hat der DBS nun einen weiteren Star.

Der doppelte Triumph wie bei den Paralympics blieb Markus Rehm verwehrt, doch nach zwei intensiven und anstrengenden Jahren war der Weitsprung-Weltrekordler mit sich und der Welt im Reinen. „Die Auszeichnung mit der Mannschaft ist für mich persönlich wertvoller“, sagte der 28-Jährige, nachdem er mit der 4×100-m-Staffel, aber nicht in der Einzelwertung zum Behindertensportler des Jahres gewählt worden war: „Den in der Einzelkonkurrenz hatte ich schon. Und es ist schön, solch einen Erfolg mit Teamkollegen zu feiern.“

Vor allem aber sei Kugelstoß-Paralympicssieger Niko Kappel, der ihn im Online-Voting schlug, ein würdiger Sieger. „Niko war mein Wunsch-Sieger“, sagte Rehm dem SID: „Er hat es absolut verdient. Ein Super-Typ, der sportlich ein großartiges Jahr hatte.“

Die Botschaft war klar: Rehm ist trotz der Wahl-Niederlage froh, dass er die Last des Öffentlichkeitsarbeiters ein Stück weit abgeben kann. Zwei Jahre lang wurde der 28-Jährige herumgereicht, alle zogen an ihm, und er erfüllte die Mission als Kämpfer für die Gleichberechtigung des Behindertensports gewissenhaft. Der Start bei Olympia 2016 blieb ihm zwar verwehrt, an einem Doppel-Start bei der Para-WM und der der Nichtbehinderten im Juli 2017 in London arbeitet er derzeit.

In diese Dimensionen kann der kleinwüchsige Kappel, Spitzname „Bonsai“, natürlich nicht vorstoßen. Mit seiner Rio-Siegweite von 13,57 lag er rund neun Meter unter der von Olympiasieger Ryan Crouser (22,52). Doch der 1,40 m kleine Schwabe eroberte 2016 nicht nur das Paralympics-Gold gegen seinen als unschlagbar gelten polnischen Rivalen Bartosz Tyszkowski, sondern auch viele Herzen und Bühnen. Der 21-Jährige, der für die CDU im Stadtrat von Welzheim sitzt, war Gast bei „Markus Lanz“ und vielen weiteren TV-Formaten sowie gesellschaftlichen Anlässen.

„Niko bewegt sich geradezu mit einer Beispielhaftigkeit auf dem öffentlichen Parkett“, sagte Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS): „Er ist sympathisch, charmant, hat große menschliche Qualitäten und ist ein wunderbarer Botschafter.“ Und Kappel hat große Freude an seinem neuen Leben gefunden. „Es nervt überhaupt nicht“, versicherte er: „Im Gegenteil: Es macht großen Spaß, und ich hoffe, dass es so bleibt.“ Am 17. Dezember moderiert er mit seinem ebenfalls kleinwüchsigen Freund Mathias Mester – der Speerwerfer ist rund um die Paralympics zu einer Art Kultfigur in den sozialen Netzwerken aufgestiegen – den Jahresrückblick des SWR.

„Die Liste unserer Aushängeschilder wächst stetig“, sagte Beucher und dachte dabei auch an Vanessa Low, die Behindertensportlerin des Jahres, oder Heinrich Popow (beide Weitsprung/Sprint). Der beliebte Popow, als mutiger Kritiker auch ein Charakterkopf, gehörte aufgrund der Leistungsdichte trotz seines Paralympics-Sieges ebenso wie der in gleich zwei Einzelrennen mit Gold dekorierte Radsportler Hans-Peter Durst nicht einmal zur Top 3 bei der Sportlerwahl.

Die Behindertensportler des Jahres 2016:

  • Vanessa Low (geb. 17.07.1990/Schwerin) verbesserte im Weitsprung-Finale bei den Paralympics 2016 in Rio zwei Mal ihren eigenen Weltrekord auf 4,93 m und gewann Gold. Darüber hinaus sicherte sie sich Silber über 100 m.
  • Niko Kappel (geb. 01.03.1995/Schwäbisch-Gmünd) sorgte in Rio für das erste Paralympics-Gold für Deutschland: bei seiner ersten Teilnahme gewann er mit 13,57 m und nur einem Zentimeter Vorsprung Gold im Kugelstoßen.
  • Die 4×100-m-Staffel aus Leverkusen mit David Behre, Johannes Floors, Markus Rehm und Felix Streng holte bei den Paralympics 2016 Gold auf Umwegen – das Quartett hatte schon Silber gefeiert und wurde nach der Disqualifikation der USA doch noch Paralympics-Sieger.