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Dezember 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Frankfurt/Main (SID) Der Countdown läuft: Am 30. Januar waren es noch genau 500 Tage bis zum Anpfiff der WM 2018 in Russland. Die Organisatoren versprechen viel – doch die Probleme sind offensichtlich.

Den Dopingskandal, die Korruptionsvorwürfe, das Hooligan-Dilemma – die hat es für Witali Mutko offenbar nie gegeben. „Ich glaube, das ist die erste Weltmeisterschaft, die für die FIFA ohne Probleme vorbereitet wird“, sagte der russische Vize-Ministerpräsident der Nachrichtenagentur Tass. Doch bis zum Anpfiff der Fußball-WM 2018 (14. Juni bis 15. Juli 2018) muss Gastgeber Russland jede Menge Probleme lösen. Und Mutko scheint eines davon zu sein.

„Das ist lächerlich“, sagte der Funktionär zu den Gerüchten, selbst FIFA-Präsident Gianni Infantino habe ihn im vergangenen Jahr gebeten, sich nicht mehr zum Präsidenten des russischen Fußballverbandes RFU wählen zu lassen: „Hätte er das getan, wäre ich nicht angetreten. Wir haben sehr gute Beziehungen zur FIFA.“

Beim Weltverband sitzt Mutko seit 2009 im Exekutivkomitee, das inzwischen Council heißt. Am 5. April, beim Kongress der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in Helsinki, will sich der 58-Jährige zur Wiederwahl stellen – für weitere vier Jahre im wichtigsten FIFA-Gremium. Dass Mutkos Name prominent im McLaren-Report auftaucht, in dem vom staatlich gelenkten Doping in Russlands Sport berichtet wird, scheint weder bei der FIFA noch bei der UEFA ein großes Problem zu sein.

Derzeit läuft die sogenannte Wählbarkeitsprüfung der FIFA. Dass nicht einmal eineinhalb Jahre vor dem wichtigsten FIFA-Turnier der ranghöchste Funktionär des Gastgeberlandes nicht zugelassen wird, ist unwahrscheinlich. Der unabhängigen FIFA-Ethikkommission sind die Hände gebunden, bis Mutko tatsächlich ein Fehlverhalten im direkten Zusammenhang mit dem Fußball nachgewiesen werden kann.

Organisatorisch laufen in Russland die Vorbereitungen. Ende Januar statteten die WM-Macher der Stadion-Baustelle in Nischni Nowgorod einen Besuch ab. Das Fazit: alles im Zeitplan. Der Confed Cup in diesem Jahr (17. Juni bis 2. Juli) in den Vorzeigestädten Moskau, Sankt Petersburg, Kasan und Sotschi, an dem auch Weltmeister Deutschland teilnimmt, soll ein erster Vorgeschmack auf die russische Gastfreundschaft geben.

„Der Deutsche Fußball-Bund und die Mannschaft müssen zeigen, für welche Werte sie stehen – im Rahmen unserer Möglichkeiten“, sagte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff zuletzt der Fußball Bild: „Wir stehen für Offenheit, Vielfalt, Fair Play, Toleranz. Wir haben eine Stimme, die wir auch erheben werden. Wir werden nicht mit Scheuklappen nach Russland fahren.“

Es werde „politisch keine leichte Situation in Russland“, betonte Bierhoff, „DFB-Präsident Reinhard Grindel hat es ja auch schon angesprochen, dass wir eine klare Position beziehen werden.“ Allerdings sollte die Öffentlichkeit „vom Sport auch nicht erwarten und verlangen, dass er die Probleme lösen kann, die auch die Politik nicht überwindet“.

Sorgen bereitet das, was – wie schon vor und während der Olympischen Spiele 2014 – hinter der glänzenden Kulisse passiert. Vor Augen haben die Kritiker weiterhin den Hooligan-Skandal durch russische „Fans“ im vergangenen Sommer bei der EM in Frankreich. Auch in den Stadien der heimischen Liga kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Dunkelhäutige Spieler werden verunglimpft, auf dem Land soll es zu geplanten Prügel-Orgien zwischen gewaltbereiten Fans kommen.