arag sid

September 2020

Landessportbünde

Der Sport spielt bei der Integration von Flüchtlingen eine wichtige Rolle. Das war der Tenor beim fünften „Volltreffer“, dem Sportdialog des Landessportbundes Hessen (lsb h) in Frankfurt. Unter dem Motto „Sport und Flüchtlinge – was Hessens Sport zur Integration von Geflüchteten beiträgt“ hatte die Dachorganisation des organisierten Sports in Hessen Ende Oktober zu einer Podiumsdiskussion in die Räume der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ eingeladen.

Mehr als zwei Jahre nach Beginn der Flüchtlingswelle im Sommer 2015, die, so Hessens Minister des Innern- und für Sport, Peter Beuth, 150.000 Menschen nach Hessen gebracht hat, zogen Vertreter aus Politik und Sport ein Resümee der bislang geleisteten Arbeit und beleuchteten die Herausforderungen der Zukunft. „Der Sport übernimmt zunehmend mehr Aufgaben im gesellschaftlichen und pädagogischen Bereich“, sagte lsb h-Präsident Rolf Müller. So hätten zahlreiche Ehrenamtliche ihren Anteil dazugeleistet, die Neuankömmlinge willkommen zu heißen und ihnen beim Einleben zu helfen. Aber, so warnte Müller, man dürfe dieses freiwillige Engagement nicht überstrapazieren.

Beuth stimmte zu, dass die in Hessen vorbildliche Integrationsarbeit „ohne Ehrenamtliche nicht zu leisten“ gewesen wäre. Dabei verwies der Sportminister auch auf das von seinem Ministerium unterstützte Programm „Sport und Flüchtlinge“, in dem in Kooperation mit der Sportjugend Hessen und dem lsb h mittlerweile 325 sogenannte Sport-Coaches in 240 hessischen Gemeinden installiert wurden. Die Sport-Coaches versuchen, mithilfe von Sport- und Bewegungsangeboten, Flüchtlinge in das für sie noch fremde Umfeld zu integrieren.

Dabei spielen Sprachprobleme erst einmal eine untergeordnete Rolle. „Der Ball war unsere Sprache“, erklärte etwa der Iraker Ahmed Saleh Ahmed, der vor drei Jahren nach Deutschland geflüchtet war und mittlerweile in Maintal nicht nur anderen Ankömmlingen hilft, sondern sich unter anderem als Fußballschiedsrichter am Vereins- und Verbandsleben beteiligt. Ahmed wies allerdings auch darauf hin, dass sich nicht jeder Geflüchtete von den Möglichkeiten locken lasse, die Vereine und Sport-Coaches anbieten.

In einem nächsten Schritt, so Müller, müsse es nun darum gehen, „unsere demokratischen Werte zu implementieren“. Behzad Borhani, der als Vorstandsmitglied der Sportjugend Hessen das Flüchtlingsprogramm mitbetreut, meinte, dass Schritte dazu auch „im Kleinen“ passieren sollten. Dass jeder Verein erst einmal seine eigenen Regeln klarmachen müsse. So gelte, wie der Maintaler Sport-Coach Ervin Susnik berichtete, Pünktlichkeit nicht überall als selbstverständlich und müsse erst einmal eingefordert werden.

Generell, so Minister Beuth, ist die Flüchtlingswelle stark abgeebbt. Die Herausforderungen, darin war man sich auf dem Podium und unter den Gästen einig, sind dadurch nicht unbedingt weniger, aber andere geworden. Während an manchen Orten für die Sport-Coaches nicht mehr so viel Arbeit anfällt, entsteht – beispielsweise durch Umzüge der Flüchtlinge – in anderen Regionen mehr Bedarf an Angeboten. Zudem, so Beuth, müsse es jetzt auch in den Vereinen um die nachhaltige Integration gehen.

„Es ist unglaublich, was wir in Hessen geschafft haben“, brachte es Borhani auf den Punkt. Beendet ist die Arbeit aber noch lange nicht.

Quelle: www.landessportbund-hessen.de