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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Pyeongchang (SID) Am 25. Februar endeten die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Grundsolide, aber selten faszinierend – so lautet das Fazit für die 23. Austragung.

Thomas Bach geriet bei seinem Olympia-Fazit regelrecht ins Schwärmen. „Wir sind alle sehr, sehr glücklich, wie es in Pyeongchang gelaufen ist“, sagte der IOC-Präsident kurz vor der Schlussfeier der ersten Winterspiele in Südkorea, um dann wenig später im Stadion ganz Korea zuzurufen: „Dies waren die Spiele der neuen Horizonte. Ich danke den Veranstaltern aus tiefstem Herzen.

Doch bei allem erwartbaren und zum Teil berechtigten Lob vom obersten Olympier: Die Spiele von Pyeongchang werden eher als grundsolide Veranstaltung in Erinnerung bleiben.

Gute Organisation, klirrende Kälte, wenig Flair – so lassen sich die zwei Wochen zusammenfassen. Die Annäherung der beiden koreanischen Länder darf als großes Vermächtnis der 23. Winterspiele gelten, die fehlende Stimmung rund um die Wettkämpfe war das große Ärgernis. Die nicht mal halbvolle Arena beim Eishockey-Endspiel zwischen Deutschland und Russland erbrachte am Sonntag nur einen weiteren, enttäuschenden Beweis.

Von einem Wintermärchen war bei den ersten Winterspielen auf der Halbinsel nichts zu spüren. Die koreanische Bevölkerung trug wenig zur Party bei, mied unter anderem wegen der Dauerkälte bei bis zu minus zehn Grad und wegen des eisigen Windes die olympischen Anlagen im Outdoor-Bereich.

Hier sind keine Zuschauer an der Strecke, alle 500 Meter steht mal ein Trainer“ , sagte Kombinierer und Doppel-Olympiasieger Johannes Rydzek. Dem Goldrausch des „Team D“ tat dies keinen Abbruch – 14 Olympiasiege bedeuteten für den DOSB ein Rekordergebnis.

Lediglich in einigen Eissporthallen in Gangneung kamen die Gastgeber aus sich heraus. Die Lautstärke stieg, sobald ein koreanischer Läufer aufs Eis ging. Im Curlingcenter spielte sich die südkoreanische Mannschaft in die Herzen ihrer Landsleute – auch wenn es am Sonntag bei den Damen nur für Silber reichte.

Keinerlei Probleme gab es bei der Organisation. Ob beim Transport, der Unterkunft oder der Verpflegung – Beschwerden gab es kaum. „Wenn bei uns das Zimmer gereinigt wird, kommen gleich zehn Leute rein“ , berichtete Eisschnellläufer Nico Ihle.

Wegen der nahezu perfekten Organisation zog auch DOSB-Präsident Alfons Hörmann ein sehr positives Fazit. „Diese Spiele waren aus Sicht der Athleten und Trainer die besten der jüngeren Vergangenheit“ , sagte Hörmann. Die Südkoreaner würden sich „eine sehr gute Benotung“ verdienen.

Auf die Frage, was von den Spielen bleiben wird, blicken nicht nur die Gastgeber. „Ich bin gespannt, wie der Nachhaltigkeitsgedanke gelebt wird. Gleiches gilt für das Thema der politischen Annäherung. Wir werden das verfolgen, ob es ein einmaliger Höhepunkt oder ein erster Schritt in Richtung weiterer Gespräche sein wird„, sagte Hörmann: „Wenn das so kommt, dann ist das ein großer und besonderer Moment.“ Bach betonte: „Nun ist die Politik am Zug.

Die Olympia-Macher von Pyeongchang hoffen nicht nur auf eine weitere Annäherung zum Norden, sondern auch auf einen ausgeglichen Etat. Auf 1,9 Milliarden Euro beliefen sich die Kosten für die Organisation der Spiele. Zusätzlich wurden 10,1 Milliarden Euro in den Hotel- und Straßenbau sowie in die Errichtung einer neuen Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke für die 170 km von Seoul nach Pyeongchang gesteckt.

Einen Schlussstrich unter die leidige russische Staatsdopingaffäre konnte das IOC in Pyeongchang nicht wie erhofft ziehen. Weil während der Spiele zwei „Olympische Athleten aus Russland“ positiv getestet worden waren, ließ das IOC keine russische Fahne bei der Schlussfeier zu.

Doch lange wird die Verbannung des Russischen Olympischen Komitees nicht mehr dauern. Wenn keine weiteren Dopingfälle aus Pyeongchang mehr auftauchen, wird die Staatsdoping-Nation von 2014 in wenigen Tagen wieder vollwertiges Mitglied der olympischen Familie sein.