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März 2020

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Pyeongchang (SID) Der DOSB ist mit der sportlichen Bilanz bei den Winterspielen erwartungsgemäß hochzufrieden. Doch nach der Heimreise stehen schwierige Verhandlungen an.

Die Krönung blieb aus, doch der Stolz über zwei traumhafte Wochen in Pyeongchang verdrängte die erste Enttäuschung schnell. „Es wird sicherlich noch eine heiße Nacht im deutschen Haus“ , sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann, obwohl das Gold-Wunder im Eishockey-Finale gegen Russland am Final-Sonntag ausgeblieben war.

Das „Team D“ und der ganze Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) traten als große Gewinner mit breiter Brust die Heimreise von den Winterspielen an. Dass auch der Sieg im Medaillenspiegel mit der letzten Entscheidung doch noch an Norwegen ging – geschenkt.

Das Team D hat aus diesen Olympischen Spielen ein Spektakel gemacht“, sagte Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig: „Wir gehören wieder zu den führenden Wintersportnationen und haben die Nationalhymne so häufig gehört wie nie zuvor.

14 Goldmedaillen, zehnmal Silber und siebenmal Bronze brachte das „Team D“ mit nach Hause. Das bittere 3:4 der Eishockey-Helden nach Verlängerung gegen den hohen Favoriten Russland verhinderte den ersten deutschen Sieg in der Länderwertung seit Turin 2006. Dank Langlauf-Königin Marit Björgen zog Norwegen (14/14/11) in der letzten Entscheidung von Pyeongchang im Medaillenspiegel noch vorbei.

Für Hörmann gehörte die Silbermedaille des Eishockey-Teams zu den drei „wirklich einzigartigen Erfolgen“ der Spiele – zusammen mit dem Staffel-Gold der Nordischen Kombinierer und dem Triumph des Eiskunstlaufpaares Aljona Savchenko und Bruno Massot.

Diese Erfolge könnten für den DOSB in den kommenden Monaten wichtig werden. Mit der Politik und Wirtschaft werden die Einzelheiten der Leistungssportreform verhandelt. Der Spitzensport will und braucht mehr Geld als die derzeit 160 Millionen pro Jahr. „Das muss gelingen„, sagte Hörmann. „Wir beim DOSB und die Fachverbände haben die Hausaufgaben grundsätzlich zu machen. Wer sich zurücklehnt, wird zurückfallen. Der Weltsport schläft nicht. Daher heißt es, weiter kraftvoll zu arbeiten“ , fügte er im ZDF hinzu.

Heimspiel weiterhin auf der Agenda

Hörmann bekräftigte zudem seinen Wunsch nach „Heimspielen“ . „Die Vision der Olympischen Spiele in Deutschland bleibt auf unserer Agenda, gerne mit drei Ausrufezeichen“ , sagte Hörmann. Einen zeitlichen Rahmen nannte er nicht. Die Sommerspiele sind bis 2028 an Paris (2024) und Los Angeles (2028) vergeben, der Gastgeber der Spiele 2032 wird im Jahr 2025 gewählt. Die Winterspiele in vier Jahren finden in Peking statt. Für einen Vorstoß für die Spiele 2026, die im kommenden Jahr vergeben werden, wäre die Zeit zu knapp.

Diese Diskussion läuft seit geraumer Zeit und wurde in den letzten Tagen in Deutschland wieder forciert. Wir werden einen Plan entwickeln – zu 100 Prozent abgestimmt mit dem Innenministerium“ , sagte Hörmann. Er verwies auf einen Passus in der Koalitionsvereinbarung einer möglichen Großen Koalition von CDU und SPD, in dem verankert ist, dass eine Strategie bezüglich künftiger Sportgroßereignisse entwickelt werden soll.

Zuletzt war der DOSB mit den Kampagnen für Hamburg 2024 (Sommer) und München 2022 (Winter) am Votum der Bürger gescheitert. Wintermärchen wie von Savchenko/Massot und der Eishockeymannschaft könnten zwar wieder zu mehr Zustimmung in der Bevölkerung führen. Zu großen Teilen ist die Ablehnung allerdings auf den schlechten Ruf und die Skandale in den Weltsportverbänden zurückzuführen.

Auch deshalb hatte sich zuletzt Innenminister Thomas de Maiziere zurückhaltender geäußert: „Ich halte den Zeitpunkt für zu früh.“ Wie sein Nachfolger – vermutlich Horst Seehofer – über dieses Thema denkt, ist für den Sport allerdings maßgeblicher.