arag sid

August 2019

Landessportbünde

Normalerweise wollen die Medien vom Landessportbund NRW wertvolle Informationen erhalten. Jetzt hat die Redaktion der „Wir im Sport“ den Spieß umgedreht und zwei erfahrene Journalisten der Rheinischen Post Düsseldorf befragt. Im Interview: Gianni Costa, gemeinsam mit Robert Peters in der Ressortleitung Sport, und Bernd Jolitz, zuständig für den Lokalsport. Die beiden Vollblut-Redakteure haben viele Tipps für die Vereine…

Journalisten sind vielbeschäftigte Menschen, finden Sie trotzdem Zeit für ein Engagement im Sportverein?

Gianni Costa: Ich bin durch meinen Sohn Mitglied in einem Sportverein…

Bernd Jolitz: Bei mir war es genauso, als meiner noch jünger war, bin ich auch als Vater in einen Fußballverein eingetreten.

Costa: Wir hatten Probleme, überhaupt einen Verein zu finden. Man ruft an und die Antwort ist: Wir haben einfach nicht genügend Jugendtrainer und deshalb einen Aufnahmestopp. Das Ambiente bei den Vereinen hat oft noch den Charme der 70er Jahre. Also von Aufbruch oder „Wir sind Sportland Nr.1“ habe ich nicht viel gesehen.

Jolitz: Das Hauptproblem ist aus auch aus meiner Sicht der Mangel an Trainern.Wir hatten damals zwar eine tolle äußere Ausstattung und deshalb enormen Zulauf. Aber wie sollte man für sechs F-Jugendmannschaften genügend Coaches finden? Da halfen oft Eltern aus und wenn ich beim Training zugeschaut habe, dachte ich: „Mein Gott, das hätte ich selbst besser gemacht.“Und so war ich auch immer wieder mal „Interimstrainer“.

Costa: Man hilft ja, wo man kann im Verein. Und wenn es nur darum geht, die Kinder zum Beispiel zum Spiel zu fahren. Wir haben eine WhatsApp-Gruppe und da werden Aufgaben verteilt…

Gutes Stichwort: „Ehrenamtliches Engagement“. Der LSB NRW hat das zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit gemacht – auch in der Öffentlichkeit – sichtbar durch eine große Initiative. Ihre Meinung aus Sicht des Journalisten

Costa: Ehrenamt ist eines der zentralen Themen unserer Gesellschaft. Ehrenamt ist der Kitt, der alles zusammenhält. Der Sport hat sich vielleicht manchmal unter Wert verkauft. Es ist sicher sinnvoll, dass es einen Verband wie den LSB gibt, der Lobbyarbeit für den Sport leistet. Aber ich bin skeptisch im Hinblick auf Kampagnen. Denn Plakate lösen keine Probleme. Sie machen nur darauf aufmerksam. An der Basis wollen die Leute keine Plakate sehen, sondern ihre Probleme gelöst wissen. Die Initiative wird natürlich durch „Hintergrundarbeit“ unterfüttert. Der LSB bildet im Moment zum Beispiel Ehrenamtsberater aus oder bietet 365 Vereinen im Jahr jeweils 500 Euro für besondere Aktionen rund ums Ehrenamt…

Jolitz: Wenn es dazu beiträgt, mehr Trainer, Übungsleiter oder Menschen in Funktionen zu bringen, dann ist es der richtige Weg. Ich glaube, beim Thema „Ehrenamt“ muss man schon sehr früh anfangen, am besten in der Schule.

Der Sportverein leistet jenseits des Sportbetriebs eine Menge, bietet Bildungschancen und trägt zur Persönlichkeitsentwicklung bei. So jedenfalls die Meinung des LSB. Wie ist Ihr Eindruck?

Jolitz: Mir fällt sofort der Begriff „Integration“ ein. Wir hatten eine Menge türkischer Jungs im Verein. Es wurden Kontakte geknüpft zum Beispiel über gemeinsame Mannschaftabende oder auch nur über gemeinsames Quatschen nach dem Training. Von Vorurteilen keine Spur. Einmal war es extrem kalt bei einem Spiel. Da kamen die türkischen Eltern Kannenweise mit Tee.

Costa: Mein Sohn ist durch den Verein viel selbstbewusster und robuster geworden. Beim Sport misst er sich mit anderen, aber immer kameradschaftlich. Und dadurch lernt er sehr viel. Er soll nicht in einem „Bildungsghetto“ groß werden. Der Sportverein bietet da einen Querschnitt der Gesellschaft. In unserem Verein gibt es Eltern mit ganz unterschiedlichen sozialen Hintergründen.

Immer wieder wird von Seiten des Olympischen Sports moniert, dass der Fußball in den Medien alles dominiert, die anderen Sportarten erdrückt. Wie würden Sie das für Ihre Zeitung sehen?

Costa: Den Vorwurf bekommen wir auch immer mal wieder. Wenn sich der Spieler xy den Zeh einreißt, dann sei es ein großes Thema, aber ein Riesentalent im Schach beispielsweise nicht. Klar erreicht der Fußball eine große Leserschaft, aber deshalb fallen bei uns noch lange nicht die anderen Sportarten hinten rüber. Wir haben uns ein Stück weit vom Fußball emanzipiert. Redaktionell haben wir uns entschieden, zu sagen: Über allem steht die Geschichte. Und die liefert oft der Fußball. Aber nicht immer. Da sind wir wertfrei: Die beste Geschichte wird bei uns prominent verkauft.

Das komplette Interview ist in der Mai-Ausgabe der „Wir im Sport“ nachzulesen.

Quelle: www.lsb.nrw