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Februar 2019

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Eppan (SID) In Brasilien war der gute Teamgeist die Grundlage für den Titel. Vier Jahre später fordert Joachim Löw seine Stars erneut auf, den Mannschaftsgedanken in den Vordergrund zu stellen. In Russland warten aber noch ganz andere Herausforderungen.

Über den Teamgeist zur Titelverteidigung: Für Joachim Löw ist der Zusammenhalt seiner Stars wie vor vier Jahren in Brasilien nun auch bei der WM in Russland „der Schlüssel zum Erfolg“. Entsprechend forderte der Bundestrainer seine Spieler schon im Trainingslager in Eppan/Südtirol eindringlich auf, „dass sie ihr eigenes Ego manchmal ein bisschen zurücknehmen und das große Ganze im Blick haben müssen“.

Jeder müsse wissen, betonte Löw, „dass er nur ein Puzzleteil ist. Alleine kann niemand Weltmeister werden, er braucht alle anderen.“ Wenn das jeder im Kader beachte und „jeder mit jedem mit Respekt umgeht, dann ist schon vieles am Laufen. Dann ist auch das Gefühl vorhanden: Wir sind eine Mannschaft.“

Noch sei man allerdings „am Anfang. Der Teamgeist muss sich noch bilden“, sagte Löw zum Start der Vorbereitung. Aber, ergänzte Julian Draxler, einer von neun Weltmeistern im 23-köpfigen WM-Kader, „wenn wir eine Chance haben wollen, müssen wir es ähnlich hinbekommen“.

Die wichtigste Aufgabe vor dem Turnier in Russland (14. Juni bis 15. Juli) sei nun, „dass alle im Flow sind und dass sich alle Spieler dazugehörig fühlen und eine gewisse Wertschätzung erfahren“, unterstrich auch Teammanager Oliver Bierhoff. Vor allem die, die nicht wie gewünscht zum Einsatz kommen.

Bierhoff führte zwei Beispiele aus Brasilien an. Da hätten Mario Götze und Andre Schürrle im Turnierverlauf auch „nicht ganz den Durchbruch geschafft, dann haben sie aber das Finale entschieden“. So eine WM entwickle eben „eine eigene Dynamik“.

Um den Zusammenhalt zu stärken, hatte Bierhoff bei vorherigen Turnieren im Vorfeld schon einmal Vorträge organisiert oder Motivationstrainer eingeladen. Diesmal verzichtet man darauf. Er habe, so der DFB-Direktor, „nicht das Gefühl, dass die Mannschaft einen Kick braucht“.

Vielleicht braucht sie den aber in Russland, nachdem sich die Nationalmannschafts-Spitze diesmal gegen Sotschi wie beim Confed-Cup-Sieg 2017 und damit auch gegen Palmen und Strand wie 2014 im berühmten Campo Bahia entschieden hat. Die Wahl fiel auf den einsam gelegenen und von Wald umgebenen „Watutinki Hotel Spa Complex“ in der Nähe von Moskau.

Pragmatismus statt Wohlfühl-Atmosphäre? Man habe „die Vernunft eingeschaltet“, sagte Löw. „Die Entscheidung ist uns dieses Mal nicht leicht gefallen, da wir eine sehr gute Zeit in Sotschi während des Confed Cups hatten“, fügte er an.

Doch für den Erfolg müsse man, so Löw weiter, „optimale Voraussetzungen schaffen. In Moskau können wir bei besten Trainingsbedingungen konzentriert arbeiten und finden in dem ruhig gelegenen Quartier auch gute Möglichkeiten zu regenerieren.“ Löw und Bierhoff stehen allerdings auch vor der Herausforderung, in der Einöde einen Lagerkoller zu vermeiden.

Doch soweit soll es nicht kommen. Alle hätten „richtig Bock“, betonte Bierhoff, „etwas Großes zu erreichen“. Auch Löw ist sich sicher, „dass sich ein sehr guter Geist entwickelt“. Der „Geist von Watutinki“.