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September 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Glasgow (SID) Die Lagenstaffel sorgte für einen bronzenen Abschluss, der neue Hoffnungsträger Florian Wellbrock schwebte „auf Wolke sieben“, im Team gab es einen spürbaren Stimmungsumschwung: Die deutschen Schwimmer haben nach Jahren voller Tiefschläge bei den European Championships in Glasgow wieder Oberwasser bekommen. Die gestiegene Aufmerksamkeit durch das neue Format haben Wellbrock & Co. fast optimal für sich genutzt.

„Das hat ganz gut geklappt“, sagte Bundestrainer Henning Lambertz, der am Finaltag in Glasgow noch mal über den dritten Platz seines Männer-Quartetts über 4×100 m Lagen jubeln durfte. „Das war ein supergeiler Abschluss“, freute sich Staffelschwimmer Christian Diener.

Mit der Ausbeute von acht Medaillen (zweimal Gold, zweimal Silber, viermal Bronze) und 33 Finaleinzügen wurde die Bilanz der erfolgreichen Heim-EM 2014 mit Paul Biedermann und Marco Koch überboten. Allein viermal Edelmetall ging auf das Konto des Paares Wellbrock und Sarah Köhler.

Vor der Medaille durch die Staffel, hatten Johannes Hintze (400 m Lagen), Lisa Graf (200 m Rücken) und Aliena Schmidtke (50 m Schmetterling) jeweils auf Platz vier knapp das Podium verpasst. Köhler wurde nach Silber über 1500 m und Bronze in der Staffel über 400 m Freistil Fünfte.

Von seinem beim Dienstantritt 2013 formulierten Ziel, Schwimm-Deutschland wieder zur Nummer eins in Europa machen zu wollen, ist Lambertz aber nach wie vor weit entfernt. Russland, Großbritannien und Italien lagen im Medaillenspiegel deutlich vorne. Damit es bei der WM im kommenden Sommer in Südkorea und bei Olympia 2020 in Tokio kein böses Erwachen gibt, warnte Lambertz vor zu großer Euphorie.

„Wir müssen realistisch sein, dass viele Zeiten, die hier für ein Finale gereicht haben, auf Weltniveau gegen Amerika, Australien, Japan und China nicht reichen“, sagte Lambertz: „So blind sind wir trotz der ganzen Euphorie nicht.“ Eine ähnliche Bilanz bei der WM und Olympia zu erwarten, wäre „fatal“.

Von Wellbrock darf man sich in Zukunft aber zweifelsohne große Dinge erhoffen. Der 20 Jahre alte Magdeburger verdiente sich mit Gold über 1500 m Freistil, Bronze über 800 m und zwei deutschen Rekorden das Prädikat „weltklasse“„Der Junge ist im Moment auf Wolke sieben, auf einem anderen Stern“, schwärmte Lambertz.

Wellbrock holte zudem am vorletzten Wettkampftag noch im Loch Lomond mit seiner Freundin Köhler in der Freiwasser-Staffel über 4×1,25 km Silber. Experten sagen ihm im offenen Gewässer sogar noch größere Olympiachancen voraus. Bei der kommenden WM darf er den „doppelten Wellbrock“ machen und sogar über die 10 km starten.

Lambertz‘ „Staffel-Attacke“ ging bei der EM derweil voll auf. Der Bundestrainer hatte die Normzeiten für die Quartette abgeschwächt, um die gesteigerte Fernsehpräsenz mit Finalteilnahmen zu nutzen. Alle neun Staffeln schafften den Sprung in die Endläufe, das gemischte Team sorgte mit Gold über 4×200 m Freistil sogar für ein Highlight. Dazu gab es Bronze für die 4×200-m-Kraulstaffel der Frauen und am Ende der Lagenstaffel.

Die Staffelerfolge trugen auch dazu bei, dass die Stimmung im Team „eine komplett andere war als im letzten Jahr“, sagte Lambertz. Bei der WM in Budapest hatten er und Philip Heintz sich öffentlich verkracht. In Glasgow sei aber „jeder mit Freude an die Sache gegangen“, sagte der Bundestrainer, „das ist fantastisch.“