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Januar 2019

Landessportbünde

So etwas gab es in Deutschland zuvor noch nicht: Ein nationaler Kletterwettbewerb für Menschen mit Behinderung. 75 Menschen mit Handicap – von Anfängern bis hin zu Athleten aus dem Nationalkader – trafen sich im Juni 2018 auf Einladung der Sektion Karlsruhe des Deutschen Alpenvereins (DAV) in Karlsruhe zum ersten nationalen Paraclimbing Cup. Die Ausrichtung dieses Wettbewerbs war der bisherige Höhepunkt einer seit Jahren praktizierten, bewussten Einbindung von Menschen mit Behinderung in den Klettersport, unter anderem gibt es eine inklusive Klettergruppe. Dafür ist die DAV im Dezember in Stuttgart von den baden-württembergischen Volksbanken und Raiffeisenbanken mit dem „Großen Stern des Sports“ in Silber ausgezeichnet worden. Der Verein vertritt Baden-Württemberg damit im bundesweiten Wettbewerb um die „Sterne des Sports“ in Gold, die am 22. Januar von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin verliehen werden.

Kletterwettbewerb für Menschen mit Behinderung beeindruckte Jury

„In unseren Sportvereinen wird Integration gelebt. Das Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Behinderung wird beim Sport wie selbstverständlich praktiziert. Diese wertvolle Arbeit wäre ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer nicht denkbar“, hob Kultusstaatssekretär Volker Schebesta MdL bei der Preisverleihung im Stuttgarter GENO-Haus hervor. Auch für Dr. Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands, steht fest: „Beim Sport geht es um Werte wie Fairness, Toleranz, Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung, Verantwortung und Zielstrebigkeit. Sportvereine stehen für diese Werte, die nicht nur Grundlage für den Sport sind, sondern für das gesamte gesellschaftliche Zusammenleben. Mit den ‚Sternen des Sports‘ würdigen wir herausragende Projekte und wollen uns außerdem bei allen Ehrenamtlichen herzlich für ihre Arbeit bedanken.“

Seit 2004 werden die „Sterne des Sports“ von den Volksbanken und Raiffeisenbanken gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und den Landessportbünden verliehen. „Die Auszeichnung stellt eine ungemein hohe Wertschätzung für die Vereine aber auch für alle in Sportvereinen aktive Ehrenamtlichen dar“, betonte Andreas Felchle, Vizepräsident des Landessportverbands Baden-Württemberg. Er machte deutlich, dass der Wettbewerb zu den bedeutendsten Auszeichnungen für ehrenamtliches Engagement im deutschen Sport zählt. Felchle: „Die ‚Sterne des Sports‘ sind gewissermaßen die Oscars des Breitensports.“

DAV Karlsruhe wird Landessieger und fährt nach Berlin

Der Karlsruher Alpenverein (Foto) ist für einen ganz außergewöhnlichen Wettbewerb ausgezeichnet worden. „Vom Rollstuhl an die Senkrechte – 1. Paraclimbing-Wettbewerb in Karlsruhe“, so der Titel des Projekts, für das der DAV mit dem „Großen Stern des Sports“ in Silber, der mit 2.500 Euro dotiert ist, belohnt wurde.

Kleine Silberne Sterne, jeweils mit einem Preisgeld von 1.250 Euro verbunden, erhielten der SV Waldkirch und der TV Nellingen. Der SV Waldkirch wurde für sein außergewöhnliches Entwicklungskonzept, das zum 70-jährigen Bestehen unter dem Motto „Feier die Vergangenheit – Gestalte die Zukunft“ gestartet wurde, ausgezeichnet, der TV Nellingen für die Ausrichtung seines zweiten inklusiven Schwimmfests, zu dem Menschen mit und ohne Behinderung eingeladen waren, sich im Wasser zu messen. Angetreten sind schließlich 14 Mannschaften mit 153 Aktiven aus dem ganzen Bundesgebiet.

Vom Rollstuhl an die Senkrechte

Klettern stellt für Menschen mit einem Handicap eine ganz neue Erfahrung und Sichtweise dar. Zitat einer Rollstuhlfahrerin: „Einmal über den Dingen sein.“ Beim DAV Karlsruhe ist es seit geraumer Zeit ganz normal, dass Menschen mit einem Handicap Klettersport betreiben. Seit dem Jahr 2011 gibt es eine inklusive Klettergruppe. Mittlerweile treffen sich 40 Menschen mit Behinderung (darunter zehn Jugendliche) jede Woche in der Kletterhalle, um ihren Sport zu betreiben. Mit ihrem Mix aus inklusivem Breitensport und Wettkampfsport ist die Gruppe laut Paraclimbing-Koordinatorin des DAV zum Aushängeschild des Paraclimbing in Deutschland geworden.

Die Grundvoraussetzung, den Inklusionsgedanken im Klettersport umzusetzen, wurde beim Karlsruher DAV früh geschaffen: Schon beim Bau wurde darauf geachtet, dass die gesamte Halle sowie alle Sozial- und Gruppenräume barrierefrei gestaltet werden, und es gibt eine in der Neigung verstellbare Kletterwand, die ideal von Menschen mit Behinderungen genutzt werden kann.

Aus der inklusiven Klettergruppe heraus ist im Jahr 2017 die Idee entstanden, einen nationalen Kletterwettbewerb ausschließlich für Menschen mit Behinderung auszurichten. Die Premiere am 9. Juni 2018 war ein großer Erfolg: Mehr als 70 Sportlerinnen und Sportler mit unterschiedlichster Behinderung im Alter zwischen 14 und 74 Jahren nahmen daran teil. Rollstuhlfahrer, Bein- oder Armamputierte, Sehbeeinträchtigte sowie neurologisch oder geistig Behinderte traten in getrennten Kategorien an. Die Kletterrouten hatten zumeist einen relativ einfachen Einstieg, sodass von allen Teilnehmern – auch von den Anfängern – einige Meter geklettert werden konnten. Auf diese Weise hatte jeder Teilnehmer ein persönliches Erfolgserlebnis – und jeder wurde geehrt. Großes Lob für die Veranstaltung gab es u.a. vom stellvertretenden Sportdirektor des Behindertenverbandes: „So ein Wettbewerb ist eine wichtige Stufe, weil er eine gewisse Professionalisierung zeigt.“

Quelle: www.badischer-sportbund.de