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März 2019

Sport-Informations-Dienst (SID)

Baden-Baden (SID) Der Auftritt von Kristina Vogel war der emotionale Höhepunkt bei der Kür der Sportler des Jahres. Wie die 28-Jährige mit ihrem neuen Leben umgeht, rührte viele im Kurhaus von Baden-Baden zu Tränen.

Angelique Kerbers Stimme wurde brüchig, die 30-Jährige hatte nach ihrer Kür zur Sportlerin des Jahres etwas auf dem Herzen, das ihr enorm wichtig zu sein schien. „Du bist ein Vorbild für so viele Menschen“, sagte Kerber auf der Bühne des Kurhauses in Richtung der sichtlich gerührten Kristina Vogel: „Du hast so viel Willensstärke gezeigt, so viel Mut und Kraft. Ich ziehe alle meine Hüte. Du bist eine Inspiration für uns alle.“

Es folgte eine lange Umarmung der beiden Ausnahmeathletinnen, die für den emotionalen Höhepunkt der ZDF-Gala in Baden-Baden sorgte. Bahnrad-Olympiasiegerin Vogel, die im Juni einen schweren Trainingsunfall erlitten hatte und seitdem im Rollstuhl sitzt, belegte bei der Wahl der über 1000 Sportjournalisten knapp hinter Kerber den zweiten Platz. Zudem wurde sie mit dem Sonderpreis für „Vorbilder des Sports“ ausgezeichnet.

„Ich bin einfach stolz und froh, körperlich so fit zu sein, um den Abend hier verbringen zu können“, sagte Vogel, die im Frühjahr vor ihrer schweren Verletzung ihre WM-Titel Nummer zehn und elf gewonnen hatte. Noch im Dezember wurde die 28-Jährige aus dem Krankenhaus entlassen, dann „habe ich nach 18 Jahren Leistungssport erstmals die Chance, durchzuatmen und mir keinen Druck zu machen“, sagte sie: „Das probiere ich, so lange es geht beizubehalten.“

Mit dem 26. Juni 2018, dem Tag, der ihr Leben für immer veränderte, hat die Doppel-Olympiasiegerin längst abgeschlossen. „Wenn mir der Unfall eins gezeigt hat, dann, dass man jeden Tag einfach genießen soll“, sagte Vogel: „Man weiß nie, wann sich etwas ändert. Wir als Leistungssportler können das machen, was wir am meisten lieben. Ich glaube, dass man das ab und an nicht so wertschätzt, wie man es sollte.“

Für die Zukunft hat sich die 28-Jährige, die sich im Kurhaus von ihrem früheren Teamkollegen Maximilian Levy, Ringer-Weltmeister Frank Stäbler und Olympiasieger Eric Frenzel (Nordische Kombination) auf die Bühne tragen ließ, eine sogenannte „Bucket List“ gemacht. „Das sind Sachen, die ich in meinem Lebens als Leistungssportlerin verpasst habe. Es gibt noch so viel zu tun, was ich gerne machen möchte.“

Dazu zählt zwar offenbar auch ein Fallschirmsprung, denn schließlich „war ich vorher verrückt und bin es immer noch“. In den kommenden Jahren will Vogel aber auch die Familienplanung angehen. „Ich hätte ja jetzt Zeit“, scherzte sie: „Wenn es passiert, passiert es. Es ist schön, dass das weiterhin möglich ist. Das war früher mein Plan und ist es immer noch.“ Konkrete Vorstellungen hat sie auch. „Michael (ihr Freund, d.Red.) muss mir ein Mädchen machen, ich habe Sachen zum Anziehen“, hatte Vogel am Samstagabend im ZDF-Sportstudio verraten.