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Juli 2019

Sport-Informations-Dienst (SID)

Cloppenburg (SID) Oberliga-Trainerin Imke Wübbenhorst (30) sieht die Zeit reif dafür, dass sich der leistungsbezogene Männerfußball für weibliche Spitzenkräfte öffnet. „Wenn man mit der Gesellschaft Schritt halten möchte, wäre es an der Zeit“, sagte die Trainerin vom Fünftligisten BV Cloppenburg im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID): „Aber gerade, weil es in diesem Bereich um so viel Geld geht – es geht um Kommerz, Sponsoren und Fans – schrecken viele davor zurück.

Wübbenhorst ist die erste Frau, die eine Männermannschaft aus den ersten fünf deutschen Ligen als Cheftrainerin betreut. Am 24. Februar feierte sie ihre Pflichtspiel-Premiere. „Es wäre schön, wenn durch mein Wirken rumkommt, dass auch Frauen Männer trainieren können. Ich möchte, dass andere Vereine die Angst verlieren, solch einen Schritt zu gehen„, sagte die A-Lizenz-Inhaberin. Sie sieht die Aufgabe „als Chance, weil ich schon immer in den Männerfußball wollte. Ich möchte zeigen, dass Autorität nicht vom Geschlecht abhängig ist, sondern eine Frage der Trainerqualität und Persönlichkeit ist„.

Die Chancen auf sportlichen Erfolg beim Tabellenletzten der Oberliga Niedersachsen sei „angesichts meiner jungen Mannschaft mal dahingestellt„, sagte Wübbenhorst, frühere Junioren-Europameisterin mit den DFB-Frauen und langjährige Bundesligaspielerin: „Das wird sicherlich schwierig. Wenn die Leute aber erkennen, dass sich ein guter Trainer nicht nur durch das Geschlecht definiert, sondern durch Qualität und damit, dass die Spieler einem den Respekt gegenüber bringen, weil es auf dem Platz funktioniert, die Trainingseinheiten Sinn machen und gute Hilfen gegeben werden, dann würde ich das schon als Pionierarbeit definieren.

Wübbenhorst findet es „erstaunlich, dass man es einer Frau nicht zutraut, eine Männermannschaft zu trainieren„. Es sei „komisch, dass in der kompletten Gesellschaft ein Umdenken stattfindet und viele Menschen mittlerweile kein Problem mehr mit beispielsweise Homosexualität oder andersfarbigen Menschen haben, aber dass es gerade in der Männerdomäne Fußball noch ein Riesenproblem ist, sich für Frauen zu öffnen.“

Noch immer würden der Sportart Fußball viele männliche Attribute zugeschrieben. „Du musst hart sein, du musst stark sein, du musst dich durchsetzen. Viele, die in den Führungspositionen sind, waren mal Spieler und sind jetzt im Vorstand, sind Manager, Trainer und Co- Trainer„, sagte Wübbenhorst: „Es ist ein bestimmtes Klientel an Menschen, das in diesem Bereich arbeitet. Und ich glaube, dass viele noch nicht so bereit dafür sind, weil sie auf bestimmte Weise sozialisiert worden sind und sie die Arbeit dem in Anführungsstrichen schwachen Geschlecht noch nicht wirklich zutrauen. Das ist in der freien Marktwirtschaft schon ganz anders.