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April 2019

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Rauschende Erfolge, bittere Pleiten und unappetitliche Blutpanschereien: Ende März endete eine turbulente Wintersport-Saison. Der Sport-Informations-Dienst blickt zurück.

ABSCHIED DER SAISON: FELIX NEUREUTHER

Am Ende war es der Anblick seiner Tochter Matilda (1), der Felix Neureuther klar machte: So, jetzt ist gut. Lange hatte er mit sich gerungen, genau genommen seit seinem Kreuzbandriss im November 2017. Er wollte es noch einmal wissen, verlängerte den Vertrag mit seiner Skifirma sogar bis 2022. Doch dann war doch Schluss mit dem Ende einer Saison, in der Neureuther noch einmal kämpfte wie ein Löwe, den Anschluss aber nicht mehr ganz schaffte. Sei’s drum: „Ich habe meinen Kindheitstraum in vollen Zügen leben dürfen, und dafür bin ich so unendlich dankbar“, sagte der erfolgreichste deutsche Alpine im Weltcup.

SKANDAL DER SAISON: DER DOPINGSUMPF VON SEEFELD

An diesem unsäglichen WM-Mittwoch in Seefeld war nicht mehr klar, ob das nur noch zum Weinen oder schon zum Lachen war. Alles rund um die Tiroler Dopingrazzien schien irrsinnig: Ein österreichischer Langläufer, der mit Nadel im Arm verhaftet wurde. Täter, die so skrupellos oder dumm waren, ungeniert auf der großen Sportbühne ihrem schändlichen Treiben nachzugehen, wo doch klar war, dass nach dem Fall Johannes Dürr der große Knall bevorstand. Noch ist das ganze Ausmaß des Skandals nicht absehbar, ein Erfurter Arzt sitzt als mutmaßlicher Drahtzieher in Haft. Dass nicht nur der Wintersport betroffen sein soll, ist keineswegs tröstlich, sondern erschreckend.

ACHTERBAHNFAHRT DER SAISON: LAURA DAHLMEIER

Zu Saisonbeginn schwächelte ihr Immunsystem, zwischen den Jahren streckte sie ein Infekt nieder, vor der WM pausierte Laura Dahlmeier dann noch freiwillig. Aber die Biathlon-Königin gab nicht auf, feierte ihren 20. Weltcup-Sieg in Antholz und krönte eine verrückte Saison mit zwei Bronzemedaillen bei den Titelkämpfen in Östersund.

ÜBERFLIEGER DER SAISON: MARKUS EISENBICHLER

Kurz vor Toresschluss kam er dann doch noch, dieser so ersehnte erste Weltcupsieg des Markus Eisenbichler. Doch selbst ohne den Erfolg von Planica wäre es der Skisprung-Winter seines Lebens gewesen. Der dreifache Skisprung-Weltmeister von Seefeld war sportlich über jeden Zweifel erhaben und blieb auch in den Momenten des größten Erfolges der authentische Sympathieträger mit den klaren Werten. Einfach Eisei eben.

MEISTERMACHER DER SAISON: WERNER SCHUSTER

Das Beste zum Schluss: Elf Jahre lang war Werner Schuster Bundestrainer der deutschen Skispringer, erfolgreicher als in seiner letzten Saison ist der Österreicher nie gewesen. Drei WM-Titel gab es in Seefeld, nur der Vierschanzentourneesieg blieb ihm verwehrt. Schuster, der aus einem Trümmerhaufen wieder ein Weltklasse-Team gemacht hat, hinterlässt eine Lücke, auch wenn er dem Schanzenzirkus – in welcher Funktion auch immer – erhalten bleiben wird: „Ich habe nichts anderes gelernt als Skispringen – was soll ich denn sonst machen?“

STEHAUFMÄNNCHEN DER SAISON: ERIC FRENZEL

Ohne Saisonsieg reiste Eric Frenzel zur WM nach Seefeld, monatelang haderte der Olympiasieger mit seiner Sprungform. Doch dann flog und lief der „König der Kombinierer“ in Tirol wie zu besten Zeiten, holte Gold im Einzel und Teamsprint. Und das in seinem „Wohnzimmer“, wo er 13 Weltcupsiege feierte. Auf der Tribüne weinte Ehefrau Laura mit Töchterchen Emma auf dem Arm Tränen der Freude. Kein Zweifel: Auch mit 30 Jahren, drei Olympiasiegen und sieben WM-Titeln hat der Sachse noch lange nicht genug.

DOMINATOR DER SAISON: FRANCESCO FRIEDRICH

Es gab mal Zeiten, da galt Francesco Friedrich nur als Spezialist für den Zweierbob. Sehr athletisch eben, aber an den Lenkseilen fehlte noch das Gespür für den großen Schlitten. Spätestens im Jahr 2019 ist der Sachse aber am Gipfel angekommen. Doppeltes Olympia-Gold hatte er schon in Pyeongchang gewonnen, in diesem Winter holte er auch die WM-Titel und die Kristallkugeln für den Gesamtweltcup in beiden Schlitten. Friedrich ist nicht nur ohne Zweifel der beste Bob-Pilot der Gegenwart – er ist vielleicht der beste, den sein Sport jemals hervorgebracht hat. Und das im Alter von gerade erst 28 Jahren.

PUNKTLANDUNG DER SAISON: FELIX LOCH

Der Abgesang war eigentlich schon geschrieben. Im Februar 2018 hatte Felix Loch auf dramatische Weise den Olympiasieg in Pyeongchang verschenkt, und von dieser Niederlage schien sich Deutschlands Vorzeige-Rodler einfach nicht mehr zu erholen. Im Weltcup-Winter schlingerte er von einer Enttäuschung in die nächste, zur Heim-WM in Winterberg reiste der einstige Dominator dann ohne einen einzigen Saisonsieg. Mit einer solchen Bilanz war Loch seit zehn Jahren in kein Großereignis mehr gestartet. Doch die Titelkämpfe Ende Januar brachten die Erlösung, Loch wurde zum sechsten Mal Weltmeister, ist nun Rekordchampion – und der Abgesang darf noch eine Weile in der Schublade liegen.

NULLRUNDEN DER SAISON: DIE DEUTSCHEN EISSCHNELLLÄUFER

Edelmetall ist selten geworden für die deutschen Eisschnellläufer. Im Weltcup gänzlich leer auszugehen, ist dennoch besonders: In 78 (!) Rennen gab es 0 (!) Podestplätze. Ein paar Mal waren die deutschen Athleten dicht dran, nicht nur im Weltcup. Patrick Beckert fehlten nach 10.000 m bei der Einzelstrecken-WM in Inzell zwei Tausendstelsekunden zu Bronze. Nach der Nullrunde bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang waren die Ergebnisse dennoch zu dürftig.

EISHOFFNUNG DER SAISON: ANNA SEIDEL  

Anna Seidel ist erst 20 Jahre alt und doch schon seit Jahren die deutsche Hoffnungsträgerin im Shorttrack. Dieser Rolle wurde sie im nacholympischen Winter mehr als gerecht. Beim Weltcup in Salt Lake City gewann sie Silber über 1000 m, in Sofia erzielte auf dieser Strecke als Siebte ihr bisher bestes WM-Ergebnis – die Arbeit mit dem neuen Bundestrainer Stuart Horsepool zahlte sich aus. In der Breite fehlt den deutschen Shorttrackern aber weiter die internationale Qualität. Seidel bleibt eine Ausnahmeerscheinung.

VERMISSTE DER SAISON: ALJONA SAVCHENKO

Keine Aljona, keine Medaillen: So läuft das im deutschen Eiskunstlauf seit 13 Jahren. Die schöpferische Pause der Paarlauf-Olympiasiegerin und ihres Goldpartners Bruno Massot hat die Deutsche Eislauf-Union aus dem Medaillenspiegel bei Europa- und Weltmeisterschaften verschwinden lassen. Und anders als 2015, als Aljona Savchenko mit ihrem neuen Partner international noch nicht startberechtigt war, sieht es jetzt ganz nach einer längeren Durststrecke aus. Denn kaum jemand glaubt, dass die Ex-Weltmeister aus Oberstdorf noch einmal in den Wettkampfsport zurückkehren werden.