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Juli 2019

Landessportbünde

In der oftmals ungeduldigen Presselandschaft ist es rund um das einstige Aufreger-Thema Leistungssportreform spürbar ruhig geworden. Immerhin seit über zwei Jahren arbeitet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) intensiv daran,  die Rahmenbedingungen für die besten Aktiven des Landes sowie deren Trainer/-innen auf diversen Ebenen zu verbessern – strukturell wie natürlich auch finanziell. Ein guter Zeitpunkt für das bewährte LSB-Format „Klartext Spitzensport“, um eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen.

Ohne Schnickschnack

Addiert man alle denkbaren Fördertöpfe zusammen, ist dem Staat der deutsche Spitzensport derzeit rund 400 Millionen Euro jährlich wert: „Dafür, dass gerade wir mit unseren Top-Leistungen und Medaillengewinnen echte Vorbilder für die gesamte Gesellschaft sein sollen, ist diese Summe aus meiner Sicht zu gering“, betonte Richard Schmidt, Mitglied im legendären Ruder-Achter aus Dortmund.

Für Dirk Schimmelpfennig, in seiner Funktion als Vorstand Leistungssport beim DOSB kreuz und quer durch die Republik unterwegs, eine nachvollziehbare Haltung, doch sein Ansatz geht deutlich weiter: „Es wäre immer hilfreich, mehr Geld zur Verfügung zu haben. Aber anstatt nur weitere Forderungen zu stellen, geht es jetzt darum, bei der konkreten Umsetzung die nächste Fortschritte zu erreichen – so wie es zum Beispiel bei der Reduzierung von Stützpunkten oder der zusätzlichen Einstellung von Personal schon gelungen ist.“

Komplexe Reform

Insgesamt muss der Spitzenfunktionär allerdings vielen Kritikern zustimmen: „Diese Reform ist total komplex. Ich habe großes Verständnis, wenn manche Sportlerinnen und Sportler in erster Linie darauf achten, dass sie selbst klarkommen, bevor sie sich mit den konkreten Auswirkungen der Veränderungsprozesse beschäftigen.“

Auch der Dormagener Säbelfechter Richard Hübers, der die Interessensgemeinschaft „Athleten Deutschland“ vertrat, brachte es auf den Punkt: „Mit Blick auf den großen Aufwand, den wir im täglichen Pendelverkehr zwischen Sportanlage, Arbeitsplatz, Studienort oder Schulbesuch betreiben, brauchen wir Planungssicherheit. Im Idealfall müssen wir unsere Karriereplanung so gestalten können, dass wir im Vergleich zur internationalen Konkurrenz keine Nachteile haben.“ Para-Tischtennisspieler Valentin Baus blickte ebenfalls über den eigenen Tellerrand hinaus: „Ich persönlich bin mit meiner Förderung und meinen Abläufen zufrieden. Aber die Reform sollte sich auch positiv auf den Nachwuchs auswirken, der in einigen Disziplinen leider kaum noch aufrückt.“ Die junge Karate-Kämpferin Shara Hubrich sprach dem Podium in Duisburg stellvertretend aus der Seele: „Mein größter Wunsch ist es, meinen gewählten Sport vernünftig und möglichst erfolgreich ausüben zu können – ohne irgendwelchen Schnickschnack, der mich von diesem Ziel ablenkt.“

Quelle: www.lsb-nrw.de