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August 2019

Landessportbünde

Vor ziemlich genau zwei Jahren ist die Leistungssportreform aus der Taufe gehoben worden. Ein Aufschrei ging damals durch das ganze Land – war doch damals noch nicht abzusehen, wie sich die Reform auf die verschiedenen Sportarten landauf landab auswirken wird. Zeit für den DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann, eine Zwischenbilanz zum Thema Leistungssport zu ziehen. Und das tat er am 22. Juli in Karlsruhe im Haus des Sports im Rahmen des Karlsruher Sportgesprächs (Foto v.l. LSV-Präsidentin Elvira Menzer-Haasis, DOSB-Präsident Alfons Hörmann, Moderator Dr. Andreas Ramin und BSB-Präsident Martin Lenz).

50 Jahre Jugend trainiert für Olympia

Zuvor war er bereits Gast bei den Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag des Otto-Hahn-Gymnasiums, Eliteschule des Sports. Passend dazu feiert auch das Programm „Jugend trainiert für Olympia“ in dessen Rahmen sein 50. Bestehen. Da war es Ehrensache für den DOSB-Präsident, an diesem Tag nach Karlsruhe zu kommen. Das wusste auch BSB-Präsident Martin Lenz zu würdigen: „Wir freuen uns sehr, dass Karlsruhe heute Sporthauptstadt ist.“

Wie alles begann

Vor rund 60 Gästen – darunter die neu gewählte LSV-Präsidentin Elvira Menzer-Haasis – eröffnete Hörmann das Sportgespräch mit einem Impulsvortrag. Ein Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der Leistungssportreform – beginnend mit einem Gespräch mit dem damaligen Innenminister Thomas de Maizière – zeigte eindrucksvoll, welchen sportpolitischen Weg die Leistungssportreform im Jahr 2014 gegangen war. Klar war damals schon: zuerst muss eine wegweisende Reform auf den Weg gebracht werden, dann erst wird der Mittelzuwachs bewilligt. Das war auch dem DOSB-Präsidenten damals schon klar: “Wir brauchten sehr gute Argumente, warum wir Mehrmittel benötigen. Da hilft es nicht, flächendeckend zu jammern.“

2.000 „Mann- und Frautage“

Und so wurde die Leistungssportreform aus der Taufe gehoben: in 2.000 „Mann- und Frautagen“ wurden zunächst Konzepte und mit Potenzialanalysen (POTAS) einzelner Sportarten erstellt. „Einen Fehler haben wir damals allerdings gemacht“, gab Hörmann zu: „Bei Licht betrachtet, ist zwar eine sehr gut gute Aufstellung erfolgt, allerdings haben wir die Bundesländer nicht sofort mit einbezogen.“ Wäre er noch einmal in der Situation, würde er das heute anders angehen.

Von Anfang an mit dabei waren jedoch laut Hörmann die Athleten: “Wir haben von Anfang an die Athleten involviert. Denn für wen machen wir denn das Ganze?“

Zwangspause für die Reform

Und dennoch musste das „Projekt Leistungssportreform“ für kurze Zeit auf Eis gelegt werden: nämlich nach der Bundestagswahl 2017. Schlicht und einfach deshalb, weil Deutschland keinen Innenminister und damit der DOSB keinen Ansprechpartner hatte. Dies änderte sich, als Horst Seehofer neuer Innenminister wurde. Und schnell war für Hörmann klar: “Er hat aus unserer Sicht die richtigen Weichenstellungen vorgenommen. Wir sind hochzufrieden, dass wir mit ihm einen Partner haben, mit dem wir die Leistungssportreform wie geplant umsetzen können. Denn nun ist klar: die Zusagen, die wir von der Regierung erhalten, werden eingehalten – wenn wir unsere Hausaufgaben machen.“

POTAS

Und die wurden in der Zwischenzeit vielfach erledigt: „Die Winterfachverbände haben POTAS bereits erfolgreich abgeliefert, nun sind die Sommerfachverbände an der Reihe. Und ja, wir wissen, dass diese Potenzialanalysen einen sehr hohen Verwaltungsaufwand bedeuten. Aber es gab bisher noch keinen Spitzenverband, der in seinem Analyseprozess kein Veränderungspotenzial erkennen konnte.“

Doch wie sieht es mit kleineren Spitzenverbänden aus, die nicht unbedingt leistungssportorientiert sind? Hier gab der DOSB-Präsident Entwarnung: Der deutsche Sport zeichnet sich genau dadurch aus, dass wir in einer enormen Breite aufgestellt sind. Für einige Medaillen mehr würde ich nie Sportarten opfern, die keine Medaillenchance haben. Erfolg ist im Rahmen der Leistungssportreform zwar eine Komponente, aber bei weitem nicht die alleinige!“

Tokio 2020

Nach seinem Impulsvortrag stellte sich Hörmann den Fragen aus dem Plenum. So kam z.B. die Frage auf, ob denn die Erfolge der Leistungssportreform bereits bei den Olympischen Spielen in Tokio zu sehen wären? Das musste der DOSB-Präsident zum jetzigen Zeitpunkt verneinen: „Die wesentlichen Auswirkungen werden in Tokio noch nicht zu sehen sein, bis auf vielleicht ein paar Ausnahmen. Unser Ziel war es nicht schnelle Erfolge, sondern eine nachhaltige und systematische Verbesserung zu erzielen. Wir haben deshalb eher die nächsten 10-20 Jahre im Blick.“

Wo bleibt die Basis?

Und noch eine Frage beschäftigte die Vereinsvertreter: Die Leistungssportreform lebt von Mittelzuwächsen für die Spitzenverbände. Wo aber stehen die Vereine, die aufgrund dieser Reform nun weitaus höhere Hürden zu überwinden haben, um die Voraussetzungen für Kaderathleten zu schaffen? Darauf antwortete Hörmann selbstkritisch: „Das ist in der Tat eine Schwäche der Leistungssportreform: sie bezieht sich vor allem auf Verbände, weniger auf Vereine. Die Anzahl an Vereinen, die sich Leistungssport leisten können oder wollen, ist rückläufig. Verbunden mit der demographischen Lage müssen wir uns die Frage stellen, wo die ca. 4.000 Kaderathletinnen und Athleten herkommen sollen, die Deutschland zukünftig an der internationalen Spitze vertreten sollen. Denn nach wie vor sind unsere Vereine das Herz und die Ehrenamtlichen die Seele von Sportdeutschland.“

Fazit

Das Fazit von Alfons Hörmann zum Thema Leistungssportreform war trotzdem positiv: „Ich sehe uns nicht am Ende, sondern bestenfalls in der Halbzeit angekommen! Oder wie heißt es so schön: die Wahrheit liegt auf dem Platz!“

Quelle: www.badischer-sportbund.de