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August 2019

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln/Madrid (SID) Der Junge mit dem roten T-Shirt wirkt etwas verloren in den weitläufigen Hallen des weltberühmten Prado. Er schlendert vorbei an den Werken alter Meister wie Tizians „Adam und Eva“, bestaunt Boschs Triptychon „Der Garten der Lüste“. Vor Goyas „Tanz von Manzanares“ blickt er in die Kamera und grinst. Dann wird der Bildschirm schwarz. „Willkommen Joao Felix – pures Talent“, steht da jetzt in weißen Großbuchstaben.

„Es kommt ein Künstler“, titelte Marca passend zum laut der Sportzeitung 127,2 Millionen Euro schweren Deal mit der „portugiesische Perle“ – ein Preis, der einem weltberühmten Gemälde würdig wäre. Seit 200 Jahren beherberge das Museo del Prado „Proben von enormem Talent“, schreibt Atletico zum Felix-Video im Kunstmuseum – diesen Nachweis soll das Sturmjuwel jetzt auf dem Platz erbringen.

Die Fußstapfen, die der 19-Jährige ausfüllen soll, sind riesig: Felix übernimmt die Nummer „7“ von Weltmeister Antoine Griezmann, den es nach fünf Jahren mit 133 Toren zum FC Barcelona zieht. Für ebenfalls stolze 120 Millionen Euro. „Er ist ein junger Spieler“, sagte Trainer Diego Simeone bei Fox Sports, „und Atletico ist historisch gesehen der Klub, der immer schon junge Spieler gekauft und sie entwickelt hat – wie Griezmann, der, als er kam, auch nicht der war, der er heute ist.“

Aber wer ist dieser Joao Felix? In seiner Heimat wird der Teenager mit der Zahnspange als „neuer Cristiano Ronaldo“ gehandelt. Die portugiesischen Mädchen sind verrückt nach ihm. Sein Fußballer-Ruhm habe ihm „bei den Mädchen sehr geholfen“, meinte er einmal verschmitzt, „sie schicken mir oft Fotos, auch nackt.“ Vermutlich bald auch die spanischen.

Felix, nach dem gleichnamigen Monstersturm aus dem Jahr 2007 auch „Hurrikan“ genannt, hat eine Frisur und elegante Ballbehandlung wie einst der Brasilianer Kaka, er jubelt wie Kylian Mbappe, wird aber meist mit Ronaldo verglichen. Der Sohn eines Lehrer-Paares hat in der vergangenen Saison für Benfica Lissabon in 43 Pflichtspielen 20 Tore erzielt, darunter drei in der Europa League gegen Frankfurt. Eintracht-Coach Adi Hütter nannte ihn damals ein „Jahrhunderttalent“.

Am liebsten wirbelt Felix hinter einem Mittelstürmer, er gilt trotz der zitierten Mädchengeschichten als schüchtern und bescheiden. Vielleicht hat ihn Benfica-Trainer Rui Vitoria auch deshalb übersehen. Als es in der Gruppenphase der Champions League gegen Bayern München ging, war Felix noch nicht im Kader. Erst als Bruno Lage im Januar übernahm, wurde die Nummer 79 plötzlich Stammspieler – und trumpfte auf. Beim Finalturnier der Nations League debütierte er an Ronaldos Seite für Portugal.

Jetzt soll er sieben Millionen Euro im Jahr verdienen – netto, versteht sich. „Ich habe keine Ahnung von Märkten oder Marktwerten, das sind Dinge für Agenten und Präsidenten“, sagte Felix: „Ich konzentriere mich aufs Fußballspielen.“ Oder: Auf die Kunst.