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September 2019

Sport-Informations-Dienst (SID)

New York (SID) Dominik Koepfer hat bei den US Open zwar das Viertelfinale verpasst, dennoch wird sich das Leben des 25 Jahre alten Qualifikanten nach einem überragenden Turnier massiv verändern.

Als der geschlagene Dominik Koepfer mit geschulterter Tasche unter frenetischem Beifall vom Platz schritt, erhielt er von Boris Becker den Ritterschlag. Deutschlands Tennis-Ikone war schwer beeindruckt von der sensationellen Erfolgsstory des deutschen Qualifikanten, die erst im Achtelfinale der US Open ihr Ende fand. „Für mich“, schwärmte der sechsmalige Grand-Slam-Sieger bei Eurosport, „ist er ganz klar in der Weltklasse angekommen. Ich glaube, er weiß noch gar nicht, wie gut er ist.“

Das Viertelfinale mag der wackere Schwarzwälder in New York zwar verpasst haben, das Turnier im Big Apple war für den 25-Jährigen trotzdem ein durchschlagender Erfolg. Erst mit 16 hatte er sich auf Tennis konzentriert, weil ihm beim Fußball und Skifahren das Verletzungsrisiko zu hoch und Golf zu langweilig war. Nun nahm die wundersame Reise des Dominik Koepfer gewaltig an Fahrt auf.

Lob gab es nach den furiosen Auftritten in New York von allen Seiten. Auch sein Bezwinger, der Weltranglistenfünfte Daniil Medwedew aus Russland, schenkte nach dem 3:6, 6:3, 6:2, 7:6 (7:2) im Achtelfinale warme Worte. „Er sagte, dass ich sehr gut gespielt habe und ein großartiger Spieler werde, wenn ich weiter arbeite“, berichtete Koepfer von einer kurzen Unterhaltung beim Handshake am Netz.

Das Publikum hatte der Mann, der nach dem Abitur zum Tennisspielen an die Tulane University in New Orleans ging und mittlerweile in Tampa in Florida lebt, da eh schon längst für sich gewonnen. „Let’s go Koepfer“ schallte es immer wieder durch das Louis-Armstrong-Stadium, vor der Arena bildeten sich vor dem Spiel hunderte Meter lange Schlangen. Alle wollten den „Pitbull“, wie der Furtwangener wegen seiner bulligen Statur und der emotionalen Art auf dem Platz genannt wird, sehen.

Koepfer wird sich nun auf ein neues Leben einstellen müssen. War es zuvor manchmal „nicht einfach, den Coach jede Woche zu bezahlen“, verdoppelte er mit den 280.000 Dollar (rund 250.000 Euro) Preisgeld seine bisherigen Karriereeinnahmen beinahe. Dazu wird er erstmals in die Top 100 der Weltrangliste klettern – statt Challenger-Turniere vor „teilweise fünf Zuschauern“, wie Koepfer erzählte, wird er nun die ATP-Turniere in China in Angriff nehmen – auch wenn er „erstmal versuchen“ müsse, „mein Visum dafür zu bekommen“.

Ein Visum für Madrid braucht er glücklicherweise nicht, denn dort könnte Koepfer im November aufschlagen. „Für mich ist er ganz klar im Davis-Cup-Team“, sagte Becker, Head of Men’s Tennis im DTB. In der spanischen Hauptstadt findet erstmals das neue Finalturnier im Mannschaftswettbewerb statt.

„Auf jeden Fall würde ich mich freuen, für Deutschland zu spielen“, sagte Koepfer, auch wenn mit ihm darüber noch nicht gesprochen worden sei. Erst einmal wollte er aber sowieso „ein, zwei Tage genießen“, um den Trubel von Flushing Meadows zu verarbeiten. Bei einem ist sich Koepfer aber jetzt schon sicher: „Der Lauf war definitiv lebensverändernd.“