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November 2019

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln – Mehr als 2.500 Zuschauer verfolgten Ende Oktober die ID-Judo-EM (ID = Intellect Disability) in Köln und waren hellauf begeistert von dem, was sie sahen. Neben einer ausgeleuchteten Kampffläche und einer großen Video-Wand, auf der die Wettkämpfe in der ASV-Sporthalle übertragen wurden, boten die 115 geistig-behinderten Judokas aus 15 Ländern den Zuschauern und Fans über zwei Wettkampftage lang harte, aber äußerst faire Judo-Action.

Die Durchführung der Europameisterschaften war vom Deutschen Judo-Bund (DJB) an die VG-Projekt in Köln, einem Mitgliedsverein des Behindertensportverbandes NRW, übertragen worden. Das Team um Chef-Organisator Klaus Gdowczok meisterte die Herausforderung mit Bravour und blickt auf tolle Tage zurück: „Wir haben großartige Wettkämpfe auf hohem sportlichen Niveau erlebt. Dazu haben diese Titelkämpfe einen besonderen kulturellen Austausch ermöglicht“, so der Kölner, der sich außerdem darüber freute, dass „alle Wettkämpfe verletzungsfrei abliefen“. Zur Freude trug sicherlich auch bei, dass Gdowczoks Sohn Victor in der Gewichtsklasse bis 81 kg die Bronzemedaille gewann.

Deutsche Judoka gewinnen Medaillenspiegel – Kölner Victor Gdowczok holt Bronze

In acht Gewichtsklassen wurden bei Damen und Herren insgesamt 27 Medaillensätze vergeben. Erstmals wurde in drei Start- & Disability-Classes gekämpft. In Start- & Disability-Class 1 starteten die motorisch starken ID-Judokas, in Start- & Disability-Class 2 die motorisch schwächeren Judokas und in Start- & Disability-Class 3 ausschließlich Judokas mit dem Down-Syndrom. Die stärkste Nation im Medaillenspiegel stellte Gastgeber Deutschland (8 Gold – 17 Silber – 29 Bronze) vor Großbritannien und Österreich. Zwölf der insgesamt 15 teilnehmenden Nationen nahmen mindestens eine Medaille mit nach Hause.

Übertragen wurden die Wettkämpfe live auf sportdeutschland.tv, am Mikrofon kommentierte mit „Judo-Graf“ Alexander von der Groeben ein ausgewiesener Fachmann. Im Vorfeld hatte Judo-Olympiasieger Frank Wieneke die deutschen Teilnehmer in einem Lehrgang auf die EM vorbereitet.

Mit Peter Frese und Friedhelm Julius Beucher waren auch die Präsidenten des Deutschen Judo-Bundes (DJB) und des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) vor Ort. Frese zeigte sich mit Organisation und Verlauf der EM sehr glücklich: „Dass wir in Köln zwei Jahre nach den ersten Weltmeisterschaften im ID-Judo und schon ein Jahr nach den ersten ID-Europameisterschaften in London die zweite ID-EM erleben dürfen, stimmt uns sehr froh.“ Beucher, Präsident des DSB und des Nationalen Paralympischen Komitees, wird bei der nächsten Sitzung des IPC in Paris einen ersten Antrag stellen. „Nach einer so überwältigenden EM wie in Köln, muss ID-Judo einfach 2028 in Los Angeles dabei sein.“

Großes Lob gab es auch von den zahlreich erschienenen Zuschauern, darunter zahlreiche Fans aus den Niederlanden, Belgien sowie Österreich und England, die für viel Stimmung sorgten. Auch die internationalen Trainer und Funktionäre mit der Generalsekretärin der IFoN, Mady Holtackers, an der Spitze, sparten nicht mit Lob. Die EM in Köln, so hieß es unisono, habe einen neuen Standard im ID-Judo gesetzt, der für zukünftige Spitzenveranstaltungen wohl nur schwer zu erreichen sein wird. Besonders gelobt wurde die perfekte inklusive und barrierefreie Umsetzung in der Sportstätte sowie in den Bereichen Verpflegung und Logistik

In Köln nahm die IFoN außerdem erste Bewerbungen für die nächste WM im ID Judo entgegen. Russland mit St. Petersburg, Innsbruck (Österreich) oder Brüssel (Belgien) könnten im Oktober 2021 die zweite ID-Judo-WM ausrichten. Diese Titelkämpfe stellen dann einen weiteren großen Schritt für die geistig-behinderten Judoka dar. Ihr Ziel ist es, spätestens 2028 bei den Spielen in Los Angeles zum Programm der Paralympics zu gehören.