arag sid

Dezember 2019

Sport-Informations-Dienst (SID)

Madrid (SID) Spanien hat zum sechsten Mal den Davis Cup gewonnen. Im Finale von Madrid besiegten die Gastgeber Kanada.

Spaniens Nationalheld Rafael Nadal ließ sich auf den Court plumpsen und wurde von seinen jubelnden Teamkollegen begraben, auf der Tribüne klatschte König Felipe freudig Beifall: Die Mannschaft der Gastgeber ist ihrer Favoritenrolle gerecht geworden und hat bei der Premiere des reformierten Davis Cups in Madrid triumphiert. Der 19-malige Grand-Slam-Champion Nadal und Roberto Bautista Agut sicherten Spanien im Endspiel gegen Kanada den sechsten Titel in dem traditionsreichen Mannschaftswettbewerb.

„Es war eine unglaubliche Woche, wir mussten viel durchmachen“, sagte Nadal: „Ich könnte nicht glücklicher sein. Wir haben hier unvergessliche Momente erlebt.“ Spaniens Teamchef Sergi Bruguera fügte hinzu: „Es ist schwierig, das mit Worten zu beschreiben. Die Fans waren unglaublich. Und Rafa ist nicht von dieser Welt.“

Nur drei Tage nach dem Tod seines Vaters brachte Bautista Agut die Spanier durch ein 7:6 (7:3), 6:3 gegen Felix Auger-Aliassime in Führung. Nadal machte den Heimtriumph beim erstmals ausgetragenen Finalturnier durch ein 6:3, 7:6 (9:7) gegen Denis Shapovalov perfekt. Zuletzt hatte Spanien 2011 den Titel gewonnen.

Aufgrund des familiären Schicksalsschlages war Bautista Agut am Donnerstag vom Team abgereist, schon am Samstagabend beim Halbfinalsieg über Großbritannien saß er aber wieder unterstützend in der Box. „Er ist eine große Inspiration für uns, egal ob er spielt oder nicht“, sagte Nadal im Anschluss.

Vor den Augen von Spaniens König Felipe war Bautista Agut vor allem im zweiten Satz eine Klasse besser als der zu fehleranfällige Auger-Aliassime. Der 19 Jahre alte Kanadier hatte wegen einer Knöchelverletzung seit Anfang Oktober kein Match mehr bestritten und kam am Sonntag erstmals im Turnier zum Einsatz.

Spätestens nach Bautista Aguts verwandeltem Matchball nach 1:49 Stunden glich das mit über 12.000 Zuschauern ausverkaufte Hauptstadion einem Tollhaus. „Es war ein sehr spezielles Gefühl auf dem Court“, sagte der Weltranglisten-Neunte anschließend.

Vor allem bis zu den Viertelfinals hatten mangelnde Stimmung und spärlich besetze Tribünen das Bild in Madrid bestimmt. Fußballstar Gerard Pique, der den Davis Cup im Vorjahr mit seiner Investmentfirma Kosmos für angeblich drei Milliarden Dollar übernommen hatte, zog dennoch ein positives Fazit. „Es war ein einzigartiges Event“, sagte er: „Wir sind sehr glücklich darüber, wie es lief.“ Zumindest der Finaltag lieferte ein dem Davis Cup würdige Atmosphäre.

Nadals Gegner Shapovalov stand schon mit dem Rücken zur Wand, und die Aufgabe hätte schwerer nicht sein können: Nur sein allererstes Davis-Cup-Einzel hatte Nadal 2004 verloren, danach folgten 28 Siege in Serie. Und auch der 20 Jahre alte Kanadier konnte diese stolze Serie nicht brechen und Nummer 29 verhindern.

2015 hatte Shapovalov noch an der Seite von Auger-Aliassime in Madrid den Junior Davis Cup gewonnen. Nach 25 Minuten musste er den großen Favoriten Nadal mit einem Break zum 2:4 ziehen lassen, der US-Open-Sieger spielte den Satz souverän herunter. Im zweiten Durchgang wehrte sich der Kanadier nochmals erbittert, erst im Tiebreak brach Nadal dessen Widerstand und setzte nach 1:54 Stunden den umjubelten Schlusspunkt mit seinem dritten Matchball.

Auch im kommenden Jahr wird das Finalturnier in Madrid stattfinden (23. bis 29. November). Neben den diesjährigen Halbfinalisten Spanien, Kanada, Großbritannien und Russland sind dort bereits Frankreich und Serbien als Wildcard-Starter gesetzt. Deutschland spielt am 6. und 7. März gegen Weißrussland um einen der restlichen zwölf Plätze.