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Oktober 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

München/Liverpool (SID) Endlich Meister – und jetzt? Jürgen Klopp gilt als idealer Bundestrainer nach Joachim Löw. Noch aber hat er mit Liverpool viel vor.

Bundestrainer? Jürgen Klopp schien geschmeichelt, doch wirklich locken ließ er sich nicht. „Das würde heißen, ich würde direkt nach Ende meines Vertrages übernehmen, ohne Vorbereitung – nee!“, sagte der Meistermacher des FC Liverpool bei Bild live.

Soll heißen: Die Aussicht, 2024 mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Heim-EM um den Europameister-Titel zu spielen, reizt Klopp aktuell nicht. Der 53-Jährige machte zwar aus seiner Heimatliebe kein Hehl: „Ich bin in Deutschland aufgewachsen, bin Deutscher und bin das super gerne.“ Aber: „Ich bin jetzt hier bei Liverpool und habe darüber hinaus keine weiterführenden Pläne.“

Dabei gilt Klopp, der sich im neuen „Campiones“-Shirt und gut erholt von den langen Partynächten zeigte, vielen Experten und Fans als Wunsch-Kandidat für die Nachfolge von Joachim Löw.

Der Vertrag des Weltmeister-Trainers von 2014 endet mit der WM 2022 in Katar, schon nach der auf 2021 verlegten EM soll es eine beiderseitige Ausstiegsklausel geben. Noch scheint Löw (60), für den ein Rücktritt auch nach dem historischen WM-Desaster 2018 kein Thema war, nicht amtsmüde. Allerdings wird auch er mehr denn je am Erfolg gemessen.

Klopp aber, das glaubt auch dessen Freund und früherer Boss, Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, macht sich über das Amt des Bundestrainers aktuell „keine Gedanken“. An Klopps Eignung zweifelt Watzke jedoch nicht. „Jürgen kann jeden Job im Fußball, und notfalls kann er auch in die Showbranche wechseln.“

Auch eine Rückkehr zum BVB sei irgendwann vorstellbar, „in welcher Position auch immer. Aber die nächsten Jahre wird er in Liverpool sein, davon bin ich sehr, sehr überzeugt“, so der BVB-Boss.

Denn dort hat „King“ Klopp nach dem Triumph in der Champions League 2019 und der ersten Meisterschaft für die Reds seit 30 Jahren noch viel vor. „Kann ich versprechen, dass wir den Fußball dominieren? Natürlich nicht“, sagte er, aber: In seiner Mannschaft „stecken auf jeden Fall noch drei, vier Top-Jahre drin“.

Einen Umbruch, betonte Klopp voller Zuversicht, brauche sie nicht: „Diese Mannschaft ist heiß, die ist hungrig – und das wird sie bleiben.“ Auch Vorstandschef Tom Werner glaubt an eine „Ära anhaltenden Erfolgs“.

Klopp ließ bei der Videoschalte in sein mit roten Meisterballons geschmücktes Haus seltene private Einblicke zu. Ohne seine Frau Ulla, sagte er, „wäre ich gar nichts, ich liebe sie unendlich“.

Er sprach über seine Familie („ein super Team“) und verriet, wo er seinen Meistertanz gelernt hat: „Ich hab‘ zwei ältere Schwestern, das heißt: Ich musste früh herhalten, um Tanzkurse zu absolvieren.“

Mit dem „Titel“ des weltbesten Trainers könne er dagegen „nichts anfangen“, sagte Klopp: „Für mich ist Pep Guardiola der beste Trainer der Welt.“ Umso mehr dürfte ihn freuen, dass der Teammanager von Manchester City dem Rivalen ein Meister-Spalier („Guard of Honour“) beim direkten Duell versprach: „Sie verdienen es, sie waren außergewöhnlich. Ich gratuliere – und lerne von ihnen.“