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Dezember 2020

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Frankfurt/Main (SID) Die Saison ist beendet und die DFL atmet durch. Die Ausarbeitung des Hygienekonzepts hat sich ausgezahlt und auch international viel Anerkennung erhalten. DFL-Boss Christian Seifert wagte bereits einen Ausblick auf die kommende Spielzeit.

Als die komplizierteste Saison der Bundesliga-Geschichte endlich in trockenen Tüchern war, prasselte noch einmal jede Menge Lob auf Christian Seifert und die Deutsche Fußball Liga (DFL) ein. Im In- und Ausland wurde die unermüdliche Anstrengung des umtriebigen DFL-Chefs und seiner Mitstreiter gewürdigt, einen Großteil der Branche hatten sie schließlich vor dem Corona-Kollaps bewahrt. „Das war herausragend“, sagte Münchens Meistertrainer Hansi Flick.

Zwar wirkte Seifert bei seiner abschließenden Ansprache noch immer ein wenig angespannt – aber wer mochte es ihm auch verdenken? Wochenlang hatte der 50-Jährige an einem Weg aus der Krise getüftelt, die durch die Beendigung der Spielzeit längst noch nicht überwunden, nun jedoch einen Tick erträglicher ist. „Das hätte vor drei Monaten niemand mehr gedacht“, sagte Freiburgs Trainer Christian Streich: „Die Arbeit der DFL war vorbildlich.“

Und das waren Worte, die nicht einfach so dahergesagt waren. Tatsächlich diente das Hygienekonzept der DFL als Muster für viele andere Ligen, sogar sportartenübergreifend entwickelten die Funktionäre ihre Pläne auf der Grundlage der Bundesliga-Strategie. „Die Bundesliga war beispielgebend“, schwärmte auch Liverpools Meistermacher Jürgen Klopp bei Bild Live.

Der Teammanager der Reds, der wegen der Corona-Pandemie schon um den wohlverdienten ersten Titel seit 30 Jahren hatte zittern müssen, bedankte sich sogar persönlich bei Seifert. „Ohne dich wäre das nicht möglich gewesen“, stand in der SMS von Klopp, der den Bundesliga-Restart als „richtige Befreiung“ bezeichnete.

Angewiesen war die DFL für einen erfolgreichen Ausgang aber auf alle Beteiligten. Auf Spieler, Trainer und vor allem die Fans. Dass am letzten Spieltag vor dem Bremer Weserstadion eine spontane „Relegations-Party“ mit rund 500 Anhängern stieg, dürfte Seifert und Co. ebensowenig gefallen haben wie die Ansammlung vor dem Stadion von Union Berlin. Beides waren Warnsignale für die anstehenden Relegationsspiele.

„Auch wenn die Emotionen noch größer werden: Bitte bleibt alle zu Hause“, forderte Bremens Trainer Florian Kohfeldt in Richtung der Werder-Fans: „Wir sind noch immer inmitten einer Pandemie.“ Deshalb sollten die Zuschauer trotz der Lockerungen in vielen Teilen der Republik gar nicht erst auf den Gedanken kommen, dass die kommende Spielzeit für sie losgeht, als sei nichts gewesen.

Zwar äußerte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl im Aktuellen Sportstudio des ZDF bereits die Hoffnung, „dass wir in der neuen Saison irgendwann auch wieder Zuschauer in den Stadien haben werden“. Seifert stellte aber schon einmal klar, dass – wann auch immer der Ball im September wieder rollen wird – „mindestens zu Beginn der neuen Spielzeit die Bundesliga noch anders sein wird als wir sie kennen“. Sprich: Ohne volle Stadien.

Dass die DFL bereits an einem weiterführenden Konzept arbeitet, das zumindest einen teilweisen Eintritt von Zuschauern erlaubt, hatte Seifert unlängst schon verraten. Die Ausarbeitung erfolge in engem Austausch mit der Politik – aus deren Lager aber auch Kritik am Verhalten der DFL verlautet war.

Als „seelenlosen Machtapparat“ bezeichnete Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte vor dem Wochenende im Weserkurier die DFL. Der Verband sei im Ringen um einen Restart nach Ansicht des SPD-Politikers keineswegs demütig aufgetreten, sondern „knallhart“ – für viele war das aber offenbar genau die richtige Taktik.