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August 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

München (SID) Erst Pokalsieger, jetzt erstmals nach zwölf Jahren auch wieder deutscher Meister: Alba Berlin ist wieder die Nummer eins im deutschen Basketball.

Die dunkelblauen Titel-T-Shirts waren schnell verteilt. Und weil Alba Berlin seit dem 28. Juni wieder die klare Nummer eins im deutschen Basketball ist, stand vorne drauf nicht einfach nur „Meister“, sondern ganz groß: „Double“. Trainer Aito Garcia Reneses hängte danach streng nach Hygienevorschrift und mit einem Lächeln seinen Spielern, die den Pokal schon im Februar gewonnen hatten, die Siegermedaillen um. Die Meistertrophäe nahm sich Sekunden später Mannschaftskapitän Niels Giffey von einem Podest, von der Decke regnete es blaues und silbernes Konfetti.

In Zeiten von Corona gingen in München lange Jahre für die Albatrosse zu Ende: Meister waren sie zuletzt 2008 geworden, das Double feierten sie zuletzt 2003. Albas Manager Marco Baldi hätte im leeren Audi Dome die ganze Welt umarmen können, aber das ging nun mal nicht: „Es ist ein bisschen gedämpft, weil man die ganz große Euphorie in dieser Sekunde nicht ausleben kann. Ich würde jetzt gerne ein paar in die Arme nehmen“, sagte er, betonte dann aber: „Das Herz ist voll. Für das Herz aller, die Alba mögen und unterstützen, ist ein Titel sehr, sehr wichtig und das Salz in der Suppe.“

Der einstige Seriensieger gewann beim Endturnier der Bundesliga (BBL) in München dank einer über weite Strecken souveränen Vorstellung mit 75:74 (42:35) auch das zweite Finalspiel gegen die wackeren, aber erkennbar ausgelaugten MHP Riesen Ludwigsburg. Am Ende sicherte sich Alba mit einem Gesamtvorsprung von 24 Punkten aus den beiden Finalspielen und zehn Siegen in zehn Spielen seine neunte deutsche Meisterschaft. Den Pokal hatten die Berliner zum zehnten Mal gegen die EWE Baskets Oldenburg gewonnen.

„Ich brauche noch ein paar Momente, um das zu realisieren“, sagte Berlins Nationalspieler Johannes Thiemann bei MagentaSport: „Es ist eine verdammt komische Situation, aber wir sind glücklich, dass wir es geschafft haben. Unglaublich, dass wir das Double geholt haben.“ Der Ludwigsburger Jonas Wohlfarth-Bottermann war trotz des Scheiterns „sehr stolz. Keiner hatte auf dem Zettel, dass wir nochmal so zurückkommen. Alba war das Maß der Dinge.“

Ludwigsburg hatte im Viertelfinale Titelverteidiger Bayern München besiegt und im Halbfinale das bis dahin ungeschlagene ratiopharm Ulm. Doch in den Endspielen konnten die Riesen nicht mehr zulegen. Zudem fehlte beide Male Topscorer und Antreiber Marcos Knight wegen einer Verletzung am rechten Knöchel. Der 30 Jahre alte US-Amerikaner wurde von den Kapitänen der zehn teilnehmenden Teams immerhin zum wertvollsten Spieler (MVP) des Turniers gewählt.

In den beiden vergangenen Jahren hatte Alba, Dauermeister in der BBL von 1997 bis 2003, jeweils die Finalserie um die Meisterschaft gegen die Bayern München verloren. Mit dem Double zahlt sich nun auch die Beharrlichkeit von Baldi aus. Mit Leidenschaft und Hingabe hatte er in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, die dominierenden Bamberger (Meister 2010 bis 2013 und 2014 bis 2017) und Münchner (Meister 2014, 2018, 2019) wieder zu überflügeln.

Für den Erfolg steht auch Trainer Aito. Ob der Spanier nach bislang drei Jahren und sieben von acht möglichen Finalteilnahmen seine Arbeit in Berlin fortsetzen wird, bleibt zunächst ungeklärt: „Wer ihn kennt, weiß, wie verantwortungsbewusst er ist. Er braucht jetzt ein bisschen Ruhe. Er kann solange bei uns bleiben wie er will.“