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Oktober 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Lotte (SID) Imke Wübbenhorst hat lange auf ihren Traum als Trainerin im bezahlten Männerfußball hingearbeitet. Jetzt kann sie endlich loslegen und beim Regionalligisten Sportfreunde Lotte zeigen, was sie drauf hat.

Klare Ansagen peitschten durch das Hambrink-Stadion, Imke Wübbenhorst war sofort in ihrem Element. „Genauigkeit vor Schnelligkeit“, rief die 31-Jährige beim Start ihres Regionalliga-Abenteuers als Trainerin der Sportfreunde Lotte: „Weiter geht’s, Jungs!“

Wübbenhorst ist endgültig im bezahlten Männerfußball angekommen, Mitte Juli leitete sie im schwarzen Dress die erste Einheit bei ihrem neuen Klub. „Es hat uns unter den Nägeln gebrannt, wir wollten unbedingt raus auf den Platz“, sagte Wübbenhorst dem SID nach dem Auftakttraining: „Wenn man zweieinhalb Monate an seinem Kader bastelt, dann erwartet man nichts sehnlicher.“

Im April hatte sie einen Vertrag bis Sommer 2022 in Lotte unterschrieben und steckte nach dem nächsten Schritt auf der Karriereleiter voller Tatendrang. Doch dann machte ihr die Coronakrise erst einmal einen Strich durch die Rechnung. Jetzt kann Wübbenhorst, nach Ex-Nationalspielerin Inka Grings zweite Trainerin in der vierthöchsten Männer-Spielklasse, endlich loslegen. Die neue Saison soll nach jetziger Planung am 5. September beginnen.

Die Sportfreunde, Siebter der abgebrochenen vergangenen Saison, haben durchaus hohe Erwartungen an Wübbenhorst. Sie solle als „Entwicklerin“ agieren, sagte Leiter Lizenzspieler Daniel Körber. Es gelte, die neue Mischung im Kader nach dem noch laufenden Umbruch so zu fördern, dass die Sportfreunde wieder eine „dominante Rolle“ in der Regionalliga West spielen können.

Ihre Spieler trauen Wübbenhorst diese Rolle zu. „Der Mannschaft ist es egal, ob sie Imke oder Thomas heißt“, sagte der 29 Jahre alte Verteidiger Alexander Langlitz. „Die Spieler, die ich heute auf dem Platz hatte, haben sich bewusst für mich entschieden“, sagte Wübbenhorst: „Ich wurde denen ja nicht vorgesetzt.“ Sie habe die Akteure im Gespräch überzeugt, ihnen Videos von ihren Vorstellungen gezeigt.

Wübbenhorst weiß genau, was sie will. Daran ließ sie schon bei ihrer aufsehenerregenden ersten Station beim Oberligisten BV Cloppenburg keinen Zweifel. Nach der Trennung 2019 ließ sie sich von ihrem Beruf als verbeamtete Gymnasiallehrerin beurlauben, kündigte die Wohnung und nistete sich bei Freunden ein, um die DFB-Fußballlehrer-Ausbildung zu finanzieren. Die Prüfungen hat sie im Juni absolviert. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor, aber Wübbenhorst hat ein gutes Gefühl.

Langfristig hat Wübbenhorst, die immer wieder als „Pionierin“ bezeichnet wird, große Ziele. Sie will Grenzen sprengen. Ihr Traum sei es, verheiratet zu sein, zwei Kinder zu haben und mit Babybauch an der Seitenlinie als Trainerin mit Lotte um den Aufstieg in die 2. Liga zu kämpfen, sagte sie jüngst.

Zunächst einmal will sie aber mit Lotte in der kommenden Saison nach Möglichkeit gerne ein bisschen die großen Teams ärgern. Am Arbeitseifer von Wübbenhorst wird es sicher nicht scheitern.