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Dezember 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

New York (SID) Die deutschen Stars Angelique Kerber und Alexander Zverev sind bei den US Open in die zweite Runde eingezogen. Zu große Erwartungen wehrt vor allem Kerber ab.

Mitfavoritin? Sie? Angelique Kerber drohte kurz die Fassung zu verlieren. „Ne, ne, ne, ne“, sagte die 32 Jahre alte dreimalige Majorsiegerin nach ihrem Auftakterfolg bei den US Open. Zum Kreis der ersten Anwärterinnen auf den Turniersieg zähle sie nun wirklich nicht: „Auf gar keinen Fall!“

Kerber hatte ihre Aufgabe gegen Alja Tomljanovic aus Australien gerade erst erfolgreich mit 6:4, 6:4 gemeistert, da trat sie in der per Video abgehaltenen Pressekonferenz entschlossen auf die Euphoriebremse. „Ich versuche von Runde zu Runde besser zu werden und ins Turnier zu finden“, sagte die Kielerin, „aber das ist noch ein so, so langer Weg. Schaun wir mal, was noch so alles kommt.“

Kerber konnte zufrieden sein. Bis auf einige Wackler, die nach sieben Monaten ohne Matchpraxis alles andere als überraschend auftraten, gelang ihr ein einigermaßen souveräner Auftritt. Weiter geht es nun in der zweiten Runde mit einem deutschen Duell gegen Anna-Lena Friedsam (Neuwied), die mit einem glatten 6:2, 6:2 gegen die US-Amerikanerin Caroline Dolehide in die zweite Runde einzog.

Während Tamara Korpatsch, Tatjana Maria, Dominik Koepfer und Peter Gojowczyk ihre Sachen packen müssen, erreichten auch Alexander Zverev und Jan-Lennard Struff die nächste Etappe. Zverev, 23 Jahre alte deutsche Nummer eins, musste deutlich mehr kämpfen als Kerber, präsentierte sich nach dem 7:6 (7:2), 5:7, 6:3, 7:5 gegen Kevin Anderson (Südafrika) aber gewohnt selbstbewusst. „Ich bin fit, ich bin fitter, als ich jemals war“, sagte Zverev bei Eurosport: „Aber es ist trotzdem anders, auf dem Platz zu stehen.“ Ziemlich einsam nämlich.

Zverev fehlen nicht nur die Zuschauer, wie auch allen anderen Profis. Er vermisst auch vertraute Gesichter in seiner Box. „Die Familie, um ehrlich zu sein. Ich spiele normalerweise keinen Grand Slam ohne sie“, sagte der Halbfinalist der Australian Open: „Mein Vater ist normalerweise mit mir auf dem Platz, meine Mutter und die Hunde sind auch immer da.“ Mitsamt seines Bruders Mischa werden sie nun erneut vor dem Fernseher sitzen und die Daumen drücken, wenn Zverev die Pflichtaufgabe gegen den US-Amerikaner Brandon Nakashima (ATP-223.) angeht.

Als Sorgenkind hatte Boris Becker Zverev vor dem Turnierstart bezeichnet. Doch der gebürtige Hamburger sah nach seinem Match gegen den früheren US-Open- und Wimbledon-Finalisten Anderson „viele positive Sachen“. Zverev wird sich aber steigern müssen, wenn er weit kommen will. Und das will er. Die Nummer sieben der Welt wittert in Abwesenheit von Stars wie Titelverteidiger Rafael Nadal die Chance, weit zu kommen, er will noch eine ganze Weile in New York bleiben.

Obwohl das Leben für die Tennisprofis in der eigentlich so aufregenden Metropole gerade relativ langweilig ist. So beschrieb es zumindest Jan-Lennard Struff nach seinem 6:0, 7:5, 6:4 gegen den Spanier Pedro Martinez Portero. Er sei dennoch sehr happy, weiter bei dem Grand-Slam-Event aufschlagen zu können. Wie auch Kerber, Friedsam und Zverev.