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Dezember 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Hamburg/Köln (SID) Vom kleinen Pressebüro in Düsseldorf zur global vernetzten größten Sportnachrichten-Agentur Europas in Köln: In Zeiten besonderer Herausforderungen wird der Sport-Informations-Dienst am 1. Oktober 75 Jahre alt.

Die legendäre Lizenznummer 007 für Topagent James Bond war es nicht. Aber mit der Nummer 004 erhielt Alfons Gerz von der britischen Zonenverwaltung in Düsseldorf am 15. September 1945 die Lizenz für den Betrieb einer Agentur für Sportnachrichten. Es war die Geburtsstunde des Sport-Informations-Dienstes (SID), der 1. Oktober 1945 gilt als offizielles Gründungsdatum mit dem Senden der ersten Meldung.

Der damals erst 32 Jahre alte Gerz glaubte – gerade einmal viereinhalb Monate nach Kriegsende – inmitten von Häuserruinen und Trümmerhaufen an ein Comeback des Sports und der Berichterstattung darüber. Zunächst dreimal in der Woche versandte das Pressebüro Roebel seinerzeit SID-Nachrichten. 75 Jahre später ist aus dem SID ein Multimedia-Unternehmen geworden.

Mit dem Sport ist auch der SID über die Jahrzehnte gewachsen und hat an Einfluss gewonnen. Der 2008 im Alter von 87 Jahren gestorbene Hörfunk- und Fernsehjournalist Rudi Michel brachte es so auf den Punkt: „Der SID hat den Sport von der Rätselecke in der Zeitung auf die Seite eins gehievt.“

Dafür musste sich die noch junge Agentur schon bald auch geographisch ausdehnen. Mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland expandierte der SID nach Hamburg (1949), Frankfurt am Main (1951), München (1969) und Berlin (1983). Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung war der SID von 1990 bis 2009 auch in Leipzig vertreten.

Die Zentrale aber blieb im Rheinland. In der Düsseldorfer Graf-Adolf-Straße, anschließend auf der anderen Rheinseite in Neuss in der Moselstraße sowie am Hammfelddamm. Dass „seine“ Agentur 2010 ausgerechnet an den Kölner Ursulaplatz umzog, erlebte der Ur-Düsseldorfer Gerz nicht mehr mit, er starb 1995 mit 81 Jahren.

In dieser Zeit setzten tiefgreifende Umwälzungen ein. Über ihre deutsche Tochter übernahm die französische Nachrichtenagentur AFP die SID-Mehrheit (1997), neue Geschäftsfelder wie multimediale News, das Videogeschäft (seit 2010) und SID-Marketing kamen hinzu. Als neue und wichtige Satelliten im SID-Orbit. Das Traditionsunternehmen ist seit vielen Jahren crossmedial aufgestellt, deckt alle Bereiche der modernen Agenturberichterstattung ab.

Es ist vor allem die Zuverlässigkeit, die auch Kunden abseits des Text-Kerngeschäfts zu schätzen wissen. „Schnell wie SID“, illustriert mit einem dynamischen Hürdensprinter, war nicht nur auf den hauseigenen Briefumschlägen ein Markenzeichen mit hohem Wiedererkennungswert.

Darauf spielte auch Johannes Rau an, als er in seiner damaligen Funktion als Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens den SID 1985 zum 40-jährigen Jubiläum mit einem Besuch beehrte: „Es stand im SID – so könnte jeder Satz einer Rückschau auf 40 Jahre Sport und Politik eingeleitet werden.“

Die SID-Geschichte war und ist aber auch eine Historie technischer Entwicklungen. Hellschreiber, die ratternden Stanzstreifen der Telexgeräte, klappernde Schreibmaschinen prägten die ersten vier Jahrzehnte. Es folgten Desktops, Faxmaschinen, Akustikkoppler, Modems und die ersten Handys. Und in den 1990ern das Internet.

Doch abseits aller Technik: Nicht nur für Firmengründer Gerz war die Sportbegeisterung seines Personals extrem wichtig, die Leidenschaft für den Beruf ging ihm über alles. Als gelernter Journalist hatte er auch das passende Bild dazu: „Beim SID muss man Blut in den Adern haben. Und keinen Kamillentee.“ Gilt immer noch, auch im digitalen Zeitalter.