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November 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

Krefeld/Berlin (SID) Der Deutschland Cup steht unter keinem guten Stern. Nach der Absage des an Corona erkrankten Bundestrainers stellt sich mehr denn je die Frage, welchen Wert das Traditionsturnier hat.

Neun Monate hatte Toni Söderholm sehnsüchtig auf diesen Moment gewartet – und dann das! Ein positiver Coronatest, Quarantäne statt Deutschland Cup. „Das ist ganz klar die größte persönliche Enttäuschung, die ich selbst als Spieler oder Trainer erlebt habe“, sagte der Eishockey-Bundestrainer völlig frustriert.

Söderholms coronabedingte Absage passt ins Bild, die Austragung des Deutschland Cups (5. bis 8. November) in Krefeld steht unter keinem guten Stern. Inmitten der zweiten Corona-Welle ereilte die Organisatoren eine schlechte Nachricht nach der anderen: Zuerst sagten die Teams aus Russland, der Slowakei und Schweiz ab, dann zog auch noch Ersatzkandidat Norwegen wegen eines positiven Tests seines Kapitäns Jonas Holös zurück. Und schließlich verordneten die Behörden ein Zuschauerverbot.

Nun muss das Turnier ohne Fans und im geänderten Modus mit nur drei Mannschaften stattfinden, wobei neben der deutschen A-Nationalmannschaft auch ein „Top Team Peking“ des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) teilnimmt. Lettland macht als drittes Team das Event überhaupt möglich. Dennoch stellt sich immer mehr die Frage nach dem Sinn des Turniers. Finanziell wird am Ende ein dickes Minus in der Rechnung stehen, der sportliche Mehrwert – zumal ohne den Bundestrainer an der Bande – dürfte sich ebenfalls in Grenzen halten. Eine Absage kommt für den DEB dennoch nicht infrage.

„Wenn wir nicht spielen würden“, sagte Organisationschef Mario Hilble in der Eishockey News, wären „sowohl der wirtschaftliche als auch der sportpolitische Schaden größer“. Es sei „wichtig, präsent zu sein und Eishockey präsentieren zu können“. Seit dem ersten Lockdown im Frühjahr ruht der Puck, die Klubs und auch der DEB haben mit massiven wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Der Deutschland Cup und der anschließende MagentaSport Cup (11. November bis 13. Dezember) mit acht teilnehmenden DEL-Klubs bringt zwar kein Geld, aber etwas Aufmerksamkeit, Spielpraxis und auch Hoffnung.

Söderholm forderte daher alle Beteiligten im deutschen Eishockey auf, aus dem Corona-Schlaf aufzuwachen. „Es ist wichtig, dass wir einen mentalen Switch machen“, sagte der Finne. Er wolle auch aus der Quarantäne heraus das Beste aus der Situation herauszuholen. Mit U18-Bundestrainer Steffen Ziesche sowie den dazu geholten Thomas Popiesch (Fischtown Pinguins Bremerhaven) und Ville Peltonen werde er „jeden Tag zwei bis vier Mal in Kontakt sein und die Abläufe und Inhalte besprechen“, erklärte der Bundestrainer. Er bekommt die Trainings-Einheiten auf Video, und bei den Spielen wird Söderholm in der Drittelpause digital mit dem Team in Verbindung stehen.

Damit das Turnier durch weitere Coronafälle nicht mehr in Gefahr gerät, leben die drei Teams in einer Blase ohne Kontakt zur Außenwelt. Dies ist auch für die lettische Mannschaft vorgeschrieben, die am Mittwoch nach Krefeld reist. Die Spieler bekommen zudem sogenannte „Tracker“, die den Mindestabstand kontrollieren und die Kontaktzeiten festhalten.

Söderholm braucht diesen Tracker nicht, er sitzt zu Hause fest. Wann er als Eishockey-Bundestrainer wieder bei einem Spiel an der Bande stehen kann, ist derzeit ungewiss.