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November 2020

Sport-Informations-Dienst (SID)

München (SID) Der Deutsche Behindertensportverband hat seine Para Sportler des Jahrzehnts gekürt. DBS-Präsident Friedhelm-Julius Beucher blickt zufrieden auf eine „Erfolgsgeschichte“ zurück, sieht aber ebenso wie seine Vorzeigeathleten weiterhin einige Herausforderungen.

Friedhelm Julius Beucher gerät beim Blick auf die vergangenen zehn Jahre regelrecht ins Schwärmen. Dies sei ein „gigantisches Jahrzehnt“ für den deutschen Para Sport gewesen, eine „tolle Erfolgsgeschichte“, sagt der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) im SID-Gespräch mit Stolz.

Es habe eine „unglaubliche Entwicklung“ gegeben, ergänzt der 74-Jährige: „Viele konnten Paralympics nicht buchstabieren – und heute kennt man viele Athletinnen und Athleten mit Namen und Sportart.“

Namen wie etwa Anna Schaffelhuber oder Markus Rehm, die in dieser Woche zu den Para Sportlern des Jahrzehnts gekürt wurden. Auch die beiden Vorzeigesportler blicken zufrieden zurück. Monoskifahrerin Schaffelhuber sieht den Para Sport „auf einem guten Weg“.

Rehm spricht von einem „ganz neuen Niveau. Die steigenden Leistungen haben natürlich auch dafür gesorgt, dass das öffentliche Interesse immer größer wurde und die Leistungen immer mehr respektiert werden“, sagt der Weitsprung-Weltrekordler.

Doch Beucher wie auch Schaffelhuber und Rehm sehen bei all den Fortschritten jede Menge Potenzial für den Behindertensport. Schaffelhuber fordert eine noch größere Gleichstellung zum olympischen Sport in Sachen Förderung, Strukturen oder Qualifikationskriterien.

Entscheidend ist für die siebenmalige Paralympicssiegerin außerdem „der Punkt Barrierefreiheit. Auch da ging es einen Schritt nach vorne, aber es ist immer noch so, dass viele Sportstätten nicht genutzt werden können“, sagte die 27-Jährige. Dann sei es „schwierig, das Training normal in den Alltag zu integrieren. In vielen anderen Ländern funktioniert das schon sehr gut. Da müssen wir in Deutschland aufpassen, dass wir den Anschluss nicht verlieren.“

Rehms „großes Ziel“ ist es weiterhin, „dass sich olympische und paralympische Athleten immer näher kommen, dass der Fokus ein bisschen mehr auf die Gemeinsamkeiten gelegt wird. Davon profitieren letztendlich alle“, betont der Athlet von Bayer Leverkusen.

Deshalb dürfe der DBS, so Beucher, „die Hände nicht in den Schoß legen. Wir können mit dem Erreichten zufrieden sein, aber wir müssen immer weiter ackern, um in der Gesellschaft und in der Politik noch mehr Aufmerksamkeit zu erzielen“. Als „größte Herausforderung“ sieht der Verbandschef „die Gewinnung von Nachwuchs und den Ausbau der Strukturen“.

Beucher verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass in vielen anderen Ländern im Behindertensport „ungeheuer investiert wird. Wir treffen immer mehr auf Berufssportler.“ Der DBS setzt bei seinen Athletinnen und Athleten dagegen auf das Modell der dualen Karriere. Ein Weg, der in den letzten Jahren von Erfolg gekrönt war.

Verena Bentele, Gerd Schönfelder, Martin Braxenthaler, Schaffelhuber, Rehm, Niko Kappel, Martin Fleig oder Andrea Eskau sorgten für zahlreiche Triumphe. Gerade die 13 Goldmedaillen bei den Winter-Paralympics 2010 in Vancouver seien „das Maß aller Dinge“ gewesen, betont Beucher: Diese Erfolge hätten „die Entwicklung des Para Sports in Deutschland stark beeinflusst“.