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Januar 2021

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Als die frisch gekürten Champions-League-Sieger des THW Kiel ins Teamhotel in Köln-Deutz zurückgekehrt waren, sicherte sich Sander Sagosen den begehrten „Arm mit dem goldenen Ball“, die Trophäe der Königsklasse, für einen Schnappschuss. „Hallo, du“, schrieb der norwegische Ausnahmespieler auf Instagram zu einem Foto, das den begehrten Pokal auf einer weißen Matratze zeigte. Dazu postete er einen Emoji mit Kussmund.

Eines war klar: Der deutsche Rekordmeister wollte nach seinem Sturm auf Europas Handball-Thron feiern. Aber wie konnte das in Corona-Zeiten aussehen? „Ich weiß leider nicht, was erlaubt ist“, sagte der überragende THW-Keeper Niklas Landin nach dem 33:28 (19:16) gegen den FC Barcelona, durch das der THW zum vierten Mal in der Königsklasse triumphiert hatte.

Steffen Weinhold klang da weitaus optimistischer. Kurz vor der Abfahrt ins Hotel versprach der Nationalspieler eine kleine Party. „Ich mache mir keine Sorgen, dass wir eine schöne Nacht haben werden“, sagte der bärenstarke Routinier nach dem überraschend eindeutigen Finale in der leeren Kölner Arena am 29. Dezember.

Mit großer Leidenschaft rangen die Kieler den Favoriten Barca nieder. Der THW feierte den wohl überraschendsten seiner nun vier Triumphe in der Champions League. Vor dem verspätet ausgetragenen „Final4“ der Saison 2019/20 galt die Mannschaft von Trainer Filip Jicha eher als Außenseiter. Ersatzgeschwächt, dazu weitaus stärker belastet als die formstarken Katalanen. Doch Köln, so sagte es Jicha, „hat eben seine eigenen Gesetze“.

Tatsächlich. Kiel kämpfte, es brannte – und zog dem Gegner vor allem mit einer starken Deckung und dank Torwart Landin den Zahn. „Keine Ahnung, wo wir das hergezaubert haben. Man kriegt einfach einen extra Push, wenn man ein Finale spielt“, sagte Landin mit Blick auf die große Belastung seines Teams, das am Vortag nach einem Halbfinal-Thriller mit Überlänge gegen das ungarische Topteam Veszprem HC ins Endspiel eingezogen war.

Jicha sagte: „Barca war es nicht gewohnt, zwei Tage nacheinander solche Spiele zu spielen. Wir schon.“ Bereits 2010 und 2012 hatte der heutige THW-Coach mit den Zebras als Spieler im wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb triumphiert, nun feierte er den größten Erfolg seiner jungen Trainerkarriere. „Der Sieg fühlt sich unglaublich an“, sagte der 38-jährige Tscheche. Er ist der erste Handballer, der als Spieler und Trainer mit demselben Verein die Königsklasse gewinnen konnte.