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November 2021

Sport-Informations-Dienst (SID)

Austin/Köln (SID) Konstanze Klosterhalfen versucht sich zum Start ins Olympia-Jahr erstmals an den 10.000 Metern – und bricht gleich den deutschen Rekord. Die große Laufhoffnung zeigt starke Frühform.

Sie konnte es selbst nicht so recht erklären, aber das war dann auch egal. Das erste Rennen des Olympia-Jahres, das persönliche Debüt über 10.000 Meter – und dann musste gleich der deutsche Rekord dran glauben. Diese 30 Jahre alte Bestmarke habe sie zuvor „gar nicht“ im Kopf gehabt, sagte Konstanze Klosterhalfen lachend, es ging eher ums Durchhalten: „Ich war nervös wegen der Länge des Rennens.“

Doch die war dann überhaupt kein Problem. Die WM-Dritte über 5000 Meter hielt ihr Tempo beim Freiluft-Meeting in Austin/Texas, überrundete jede Gegnerin, die Uhr stoppte nach 31:01,71 Minuten – und nun weckt Deutschlands Topläuferin mit ihrer Frühform Hoffnungen mit Blick auf die Sommerspiele in Tokio (23. Juli bis 8. August).

„Sehr glücklich“ sei sie jetzt erstmal über ihre Leistung, „ich kann es noch nicht glauben.“ Im Freien hielt Klosterhalfen zuvor bereits die deutschen Rekorde über eine Meile, über 3000 und 5000 Meter. Nun war sie knapp zwei Sekunden schneller als Kathrin Ullrich (31:03,62) im Jahr 1991.

Dabei war der Start in Texas über die 10.000 Meter eine recht spontane Idee gewesen. Die Leverkusenerin, die seit einigen Jahren in den USA bei Coach Pete Julian trainiert, wollte dort „mit Blick auf die Olympia-Norm“ laufen, und dieser Plan ging auf: Klosterhalfen unterbot die Marke locker um gut 23 Sekunden, obwohl bei erstaunlich schwülen 23 Grad die Bedingungen schwierig waren. „Ich konnte gar nicht glauben, dass noch Februar ist“, sagte sie.

Ob Klosterhalfen in Tokio nun aber tatsächlich neben den 5000 Metern auch über die längere Distanz startet, ließ sie noch offen. „Bis zu den Spielen ist es noch ein weiter Weg“, sagte die 24-Jährige: „Ich will gut in den Sommer kommen und dann schauen, was Olympia bringt. Das war ein erster Schritt.“

Die Vorsicht hängt wohl auch mit den jüngsten Erfahrungen zusammen. Denn über den gesamten vergangenen Sommer plagte Klosterhalfen sich mit einer Überlastungsreaktion in der Beckenregion herum und musste zahlreiche große Rennen absagen. Anfang des Jahres kehrte sie zum Training nach Portland zurück, die Form stimmt nun offenbar wieder.

Künftig, so Klosterhalfen, hoffe sie über die lange Strecke auf Zeiten unter 31 Minuten – „aber noch bin ich keine 10-km-Läuferin“. Ihre Gegnerinnen in Austin sehen das wohl anders.