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April 2024

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Berlin (SID) Nachdem die Bundesregierung grünes Licht für die Impfung aller Tokio-Fahrer*innen gegeben hat, ist die Erleichterung im deutschen Olympia-Lager groß. Auch Sportmediziner haben keine Einwände.

Impfung gesichert – Olympia gerettet? Nach Wochen des Wartens haben deutsche Athletinnen und Athleten eine große Sorge weniger. Laut Bundesinnenministerium (BMI) soll das Impfprogramm für alle Teilnehmer der Olympischen Spiele in Tokio am 3. Mai starten und zwei Wochen dauern. Die Erleichterung ist groß, die Kritik aber auch.

„Diese Entscheidung macht Olympia realistisch“, sagte Speerwerfer und Gold-Kandidat Johannes Vetter dem SID. Der 2017er Weltmeister forderte aber auch, dass die Bemühungen um Impfungen von Athlet*innen in anderen Ländern fortgesetzt werden müssten. Die Impfungen bedeuten „mehr Sicherheit“ für Vorbereitung und Teilnahme, urteilte der Verein Athleten Deutschland.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann nahm die Entscheidung mit Genugtuung auf. „Damit erhalten unsere Team-D-Mitglieder nun wertvolle Klarheit und Sicherheit“, sagte Hörmann mit Blick auf die Olympischen Spiele (23. Juli bis 8. August) und die Paralympics (24. August bis 5. September), deren Austragungen wegen der Pandemie nach wie vor gefährdet sind.

Hörmanns gutes Verhältnis zum BMI – genauer zu Parteifreund und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) – dürfte nicht unerheblich für den Coup gewesen sein, der erstaunlich geräuschlos über die Bühne gegangen war. Nach langem Hoffen hatte das BMI am 23. April plötzlich erklärt, dass man alle Tokio-Fahrer impfen werde.

Das lange Warten hat sich gelohnt. Nachdem das Impfen im Lande in den letzten Tagen Fahrt aufgenommen hat und einige Bundesländer die Priorisierung aufgehoben haben, ist kaum noch Protest aus der Bevölkerung zu erwarten, auch wenn sich die Sportler weiter etwas bevorteilt fühlen. Athlet*innen hätten mit der Teilnahme an den Spielen „einen persönlichen Nutzen“, betonte Vetter, deshalb sei die Impfung „ein Privileg.“

Auch Dagmar Freitag, Vorsitzende im Sportausschuss des Deutschen Bundestages, schlug in diese Kerbe. Viele Olympiafahrer hätten klar gesagt, dass sie erst eine Impfung wollten, wenn die Priorisierungsgruppen 1 bis 3 durch seien. „Ich sehe allerdings nicht, dass das bereits in der ersten Maiwoche der Fall sein wird“, meinte Freitag, die mit Diskussionen rechnet.

„Ich finde es auf jeden Fall eine super Sache und werde mich impfen lassen“, sagte die viermalige Straßenrad-Weltmeisterin Lisa Brennauer dem SID. Ihr sei bewusst, „dass es mir ein paar Tage nicht so gut geht“, so Brennauer, sie habe aber „die Entscheidung getroffen, das zu machen.“

1400 Personen in zwei Wochen zu impfen, ist auch eine logistische Meisterleistung, alle Athleten sollen mit Pfizer/Biontech versorgt werden. Womöglich werden die Impfstoffe über die Olympiastützpunkte verteilt.

Sportmediziner haben keine Einwände. Dass die Athleten „ein bis drei Tage“ mit Nachwirkungen sowie mit Trainingsreduktion oder -ausfall zu tun haben, könne durchaus sein, sagte der Mediziner Wilhelm Bloch von der Sporthochschule Köln. „Aber das ist sicher steuerbar und sollte dann nicht zu negativen Auswirkungen auf die Leistungen bei Olympia führen“, so Bloch.

Recht klar definiert wurde, wer alles das Vakzin erhalten soll. Wie eine Sprecherin des BMI mitteilte, handele es sich um Sportlerinnen und Sportler, die auf der sogenannten Longlist des DOSB stehen. Dies sind Athlet*innen, „die eine realistische Chance auf eine Qualifikation für Tokio bzw. sich bereits qualifiziert haben.“ Dazu zählen auch Trainer und Betreuer, während Funktionäre nur im Einzelfall und Gäste überhaupt nicht berücksichtigt werden.

Fragen und Antworten zum Impfplan für deutsche Olympia-Athleten

Was ist passiert?

Das Bundesinnenministerium (BMI) hat die Eckdaten des Impfplanes für deutsche Athlet*innen vor den Olympischen Spielen (23. Juli bis 8. August) und den Paralympics (26. August bis 5. September) in Tokio veröffentlicht. Vom 3. Mai an sollen 1400 Personen in den Kalenderwochen 18 und 19 geimpft werden.

Wer zählt alles dazu?

Bei den Impflingen handelt es sich laut einer Sprecherin des BMI um Sportlerinnen und Sportler, „die eine realistische Chance auf eine Qualifikation für Tokio bzw. sich bereits qualifiziert haben“ sowie deren Betreuer und Trainer, die mit nach Tokio fliegen. Die Anzahl der Funktionäre soll wegen der Pandemie gering gehalten werden.

Was wird verimpft?

Verimpft wird gemäß der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Personen unter 60 Jahren ein sogenanntes mRNA-Vakzin, voraussichtlich von Biontech/Pfizer. Aus logistischen Gründen werde nur ein Impfstoff verteilt, der in größeren Mengen zur Verfügung steht, hieß es.

Welche Reaktionen gibt es?

Bei den Sportlern und im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) als den zuständigen Dachverband herrschte große Erleichterung. Tenor: Das Impfprogramm sei ein großer Schritt hin zu mehr Sicherheit bei den Spielen. „Diese Entscheidung macht Olympia realistisch“, meinte Speerwerfer und Gold-Kandidat Johannes Vetter.

Wurde auch Kritik laut?

Ja, Dagmar Freitag, Vorsitzende im Sportausschuss des Deutschen Bundestages, erinnerte daran, dass viele Olympiafahrer gesagt hätten, dass sie erst eine Impfung wollten, wenn die Priorisierungsgruppen 1 bis 3 berücksichtigt worden seien. Das sei in der ersten Maiwoche allerdings noch nicht der Fall, deshalb erwartet Freitag eine heftige Debatte in der Öffentlichkeit.

Wie soll geimpft werden?

Womöglich werden die Impfstoffe über die Olympiastützpunkte verteilt, dort sind auch Ärzte im Einsatz, zudem ist jeder Kaderathlet Teil eines Stützpunktes. Vielleicht werden aber auch Verbands- oder Hausärzte ins Boot geholt – der für den Spitzensport im DOSB zuständige Dirk Schimmelpfennig arbeitet derzeit an einem Konzept.

Wie ist die Lage weltweit?

In vielen Ländern kümmern sich gerade die Nationalen Olympischen Komitees (NOKs) darum, dass ihre Athlet*innen mit Impfstoff versorgt werden. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte angekündigt, chinesischen Impfstoff zu kaufen und diesen an Länder zu verteilen, in denen das Vakzin aus dem Reich der Mitte zugelassen ist.

Wie wichtig ist das Impfen für Olympia?

Enorm. Sind am Ende nahezu alle Teilnehmer der Spiele in Tokio geimpft, dürften auch die Zweifel der Gastgeber geringer werden. In jüngsten Umfragen sprachen sich immer noch 72 Prozent der Japaner für eine erneute Verlegung der Spiele oder eine Absage aus. Auch der olympische Fackellauf durch Japan, der wegen der Ansteckungsgefahr immer wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden muss und am Donnerstag einen ersten Corona-Fall vermeldete, konnte bislang nicht zum Stimmungsumschwung im Land beitragen.