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Oktober 2021

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Auch zwei Jahre nach seinem Karriereende hat Dirk Nowitzki noch keine beruflichen Zukunftspläne. „Ich glaube, das hat für mich noch ein bisschen Zeit“, sagte der frühere NBA-Superstar in Berlin am Rande der Auslosung für die Basketball-EM 2022.

Nowitzki hatte seine Karriere im April 2019 nach 21 Jahren bei den Dallas Mavericks beendet. Ein Job bei der Franchise, die er 2011 zum Titel führte, ist weiter ein Thema. „Klar liegt es auf der Hand, dass ich den Mavericks irgendwie helfen kann in der Zukunft“, so Nowitzki: „Aber da ist bis jetzt noch nicht viel passiert.“

Er habe „schon versucht, ein bisschen Abstand zu gewinnen zum Sport und zu den Mavericks“, sagte der 42-Jährige, „das ist natürlich schwer, weil ich da so viel Herzblut reingesteckt habe für zwei Jahrzehnte.“

Nowitzki steht zwar „hier und da“ in Kontakt mit Klubbesitzer Mark Cuban und General Manager Donnie Nelson. „Aber ich glaube, das hat für mich noch ein bisschen Zeit. Im Moment macht mir das Spaß, mit den Kids jeden Tag zu verbringen, da dabei zu sein.“ Nowitzki und seine Ehefrau Jessica haben eine Tochter und zwei Söhne.

„Wenn die Zeiten sich bessern“, so Nowitzki, wolle er mit den Kindern herumreisen. „Auf die Zeit freue ich mich schon. Und dann kann man sich mit Sicherheit in ein paar Jährchen mal wieder zusammensetzen und schauen, was für beide Seiten Sinn macht“, sagte der Würzburger mit Blick auf ein mögliches Engagement bei den Mavs.

Halbe Sachen kommen für Nowitzki nicht infrage: „Ich habe schon immer gesagt: Wenn ich was mache, dann will ich es voll machen und mit 100 Prozent“, stellte der langjährige Nationalspieler klar: „Wenn ich dann was anfange, will ich auch voll dabei sein und versuchen, den Unterschied zu machen.“

Der Nationalmannschaft hat Nowitzki eine schwere EM-Gruppe zugelost. Für die nahe Zukunft des deutschen Basketballs ist er aber optimistisch.

Erst Kugel-Fauxpas, dann Hammergruppe: Nowitzki-Show bei EM-Auslosung in Berlin

 „Losfee“ Dirk Nowitzki begann die Show mit einem Lacher. Belustigt kämpfte die Basketball-Ikone mit den klemmenden Kugeln, später war die deutsche EM-Hammergruppe perfekt – doch die meiste Aufmerksamkeit galt dem NBA-Champion von 2011. „Ich dachte, dass man die nur aufklappen muss“, sagte er grinsend nach der Auslosung der Heim-EM über seinen Kugel-Fauxpas: „Dass man die drehen muss, hatte ich gar nicht so richtig gecheckt.“

Sehr wohl verstand Nowitzki, welch schwere Aufgabe er der deutschen Nationalmannschaft für die Europameisterschaft (1. bis 18. September 2022) beschert hatte. Mit Titelverteidiger Slowenien, dem WM-Dritten Frankreich und der Basketball-Nation Litauen lesen sich die Gegner angsteinflößend.

„Es ist ein schweres Los, eine sehr gute Gruppe“, sagte EM-Botschafter Nowitzki nach der Prozedur Ende April in Berlin: „Frankreich haben wir irgendwie immer. Dass dann noch Slowenien hinzu kommt und Litauen – es ist eine wirklich schwere Gruppe. Man kann nur hoffen, dass das Heimpublikum die Jungs pusht und sie es nach Berlin schaffen.“ 

Ungarn sowie Bosnien und Herzegowina komplettieren die Sechsergruppe B, die in Köln ausgespielt wird. Auch in Mailand, Tiflis und Prag werden Partien ausgetragen, die besten vier jeder Gruppe schaffen es in die Finalphase vom 9. bis 18. September in Berlin. Platz vier würde für das Team von Bundestrainer Henrik Rödl jedoch ziemlich sicher einen weiteren Kracher im Achtelfinale bedeuten.

Er selbst, so Nowitzki, sei extra für die Auslosung aus Dallas nach Deutschland gekommen und bleibe ein paar Tage, bevor es zurück in die Wahlheimat USA geht. Zwei Jahre nach seinem Rücktritt genießt der 43-Jährige die Zeit mit der Familie, eine Entscheidung über eine mögliche Trainerkarriere ist noch nicht gefallen. Aktuell sucht er ganz bewusst etwas Distanz zum Basketball-Zirkus.

Das Olympia-Qualifikationsturnier der deutschen Mannschaft im kroatischen Split (29. Juni bis 4. Juli) wird er sich aber nicht entgehen lassen. Nur der Gewinner qualifiziert sich für die Tokio-Spiele. Russland und Mexiko sind als Gruppengegner fix, danach könnte es gegen Tunesien, Gastgeber Kroatien oder Brasilien gehen, bevor das Finale ansteht. „Das ist natürlich eine große Aufgabe, sagte Nowitzki, der selbst 2008 in Peking bei Olympia dabei war.

Eine Olympia-Teilnahme, so Nowitzki, könne für die Nationalmannschaft „eine unglaubliche Erfahrung“ sein. Der wichtigste Mann wäre selbstverständlich Spielmacher Dennis Schröder, der in Split aber fehlen könnte, wenn seine Los Angeles Lakers ins NBA-Finale kommen. „So explosiv, wie der Dennis ist – so einen Aufbau hatten wir in Deutschland noch nie“, sagte Nowitzki: „Das ist beeindruckend und deswegen hoffen wir, dass er dabei ist.“ Die Herausforderung sei es vor allem, „als Mannschaft aufzutreten“, sagte er: „Die Chemie und die Rollen müssen gefunden werden.“