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September 2021

Sport-Informations-Dienst (SID)

München (SID) Die Forderungen nach einem Start von Paralympics-Star Markus Rehm bei den Olympischen Spielen in Tokio werden lauter. Die Zeit drängt.

Die Weltjahresbestenliste im Weitsprung führt der Grieche Miltiadis Tentoglou mit 8,60 m an. Bei den Para-Leichtathleten verbesserte Markus Rehm zuletzt seinen Weltrekord auf 8,62 m. Bei den Olympischen Spielen hätte der 32 Jahre alte Behindertensportler glänzende Goldchancen – doch darum geht es dem Unterschenkel-amputierten Rehm nicht: Er will mit einem Start in Tokio in einer gesonderten Wertung ein Zeichen setzen.

Es könne „olympisch-paralympische Sportgeschichte geschrieben werden“, sagte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS). Es sei „ein Quantensprung. Es würde weltweit über die Paralympics hinaus deutlich machen, zu welchen enormen Leistungen Menschen mit Behinderung im Leistungssport in der Lage sind. Das sind Botschaften, die wir brauchen“, ergänzte er bei Sportradio Deutschland. Doch die Entscheidung liegt beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) – und die Zeit drängt. In 17 Tagen findet die Eröffnungsfeier statt.

Für Beucher gibt es jedoch längst „keine Argumente mehr, eine Olympia-Teilnahme von Markus Rehm zu verwehren. Jetzt hat das IOC die große Chance, am Beispiel Markus Rehm das praktisch umzusetzen, was auch mit Blick auf die Inklusion verkündet wurde.“

Sein Ziel sei es, sagte Rehm zuletzt, „eine nachhaltige Veränderung anzustoßen. Und aus diesem Grund geht es mir nicht um eine Medaille, sondern um die Botschaft.“ Es gehe um „Werbung für den Para Sport und ein Zeichen für Inklusion“. Kinder auf der ganzen Welt sollten vor dem Fernseher sitzen und sehen, so Rehms Wunsch, „dass alles möglich ist, egal welches Schicksal sie erfahren“.

Der Athlet von Bayer Leverkusen ist vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) für einen Olympia-Start in gesonderter Wertung bereits vorgeschlagen worden. Die Grundlage dafür sehen Rehm und der DLV in einem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes (CAS) in Bezug auf Sportler mit Prothesen.

Rehm wolle bei seinem Olympia-Start ja auch „niemandem etwas wegnehmen“, betonte Beucher. Es wolle nur „stellvertretend die beeindruckende Leistungsfähigkeit des Para Sports und von Menschen mit Behinderung auf einer Weltbühne präsentieren“. Schon bei der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaft war Rehm außer Konkurrenz gestartet.

Die große Frage in der seit Jahren andauernden Diskussion lautet: Wie stark wirkt sich die Prothese auf die Leistung aus? Der CAS hatte im November 2020 die Beweispflicht umgekehrt. „Das heißt“, erklärt Rehm: „Wenn Zweifel bestehen sollten, dann muss der Verband einen Vorteil nachweisen. Es gibt eine Studie aus 2016, die das nicht abschließend klären konnte.“

Klar ist bislang nur: Bei den Paralympics in Tokio einen Monat später wird Rehm so oder so starten. Eine Absage stehe „nicht zur Debatte. Ich bin paralympischer Athlet.“ Einer, der ein Zeichen setzen will.