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Oktober 2021

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Novak Djokovic stört die Benachteiligung Ungeimpfter in der Gesellschaft. Den Medien wirft er Panikmache vor. Seinen Start bei den Australian Open lässt er offen.

Die Botschaft vom anderen Ende der Welt klingt eindeutig, und sie dürfte speziell für den Größten der Tenniszunft formuliert worden sein. „Ich denke nicht, dass ein ungeimpfter Spieler ein Visum für dieses Land bekommt. Dem Virus ist es egal, wo du in der Weltrangliste stehst oder wie viele Grand Slams du gewonnen hast“, sagte Dan Andrews, Premierminister im Bundesstaat Victoria, in dem im Januar die Australian Open stattfinden werden.

In der Weltrangliste ganz oben steht Novak Djokovic. 20 Grand-Slam-Titel hat der Serbe gewonnen, neun davon in Melbourne. Ob er nun geimpft ist oder nicht, will er nicht verraten, das sei privat und jede Antwort würde ohnehin gegen ihn verwendet werden, sagte Djokovic der Boulevardzeitung Blic. Offensichtlich rechnet er jedoch mit Hindernissen bei der Einreise und lässt seine Titelverteidigung daher offen: „Ich weiß nicht, ob ich nach Australien fliegen werde.“

Es wäre ein Einschnitt in Djokovics Karriere, 17-mal, Jahr für Jahr seit 2005, hat er im Melbourne Park aufgeschlagen. Die Anlage am Yarra-River ist für ihn das, was für Roger Federer Wimbledon und für Rafael Nadal das Stade Roland Garros ist: sein Lieblingsplatz in der Tenniswelt. Dennoch ist er bereit, ein Opfer zu bringen, um sich Gehör zu verschaffen, denn Djokovic meint, Missstände entdeckt zu haben.

„Nicht nur im Sport, sondern auch allgemein in der Welt bin ich enttäuscht über die Zwietracht, die zwischen Geimpften und Ungeimpften gesät wird“, sagte Djokovic. Es sei „schrecklich“, wenn jemand diskriminiert werde, weil er eine Entscheidung für sich selbst treffe. Schuld an diesem Zustand seien vor allem die Medien, die Druck aufbauen und „Angst und Panik“ verbreiten. Auch deshalb werde er seinen Impfstatus nicht verraten, lieber verzichtet er auf sein Lieblingsturnier.

Das wird er wohl müssen, denn Djokovics Einfluss ist begrenzt. Schon vor den US Open im September 2020 hatte er sich überschätzt, wollte bei New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo gegen die Corona-Maßnahmen intervenieren, drang aber nicht vor. In Australien wird seine Drohung, auf das Turnier zu verzichten, die Entscheidungsträger ebenso wenig beeinflussen. „Selbst wenn es ein Visum geben sollte, müssten betroffene Spieler wahrscheinlich mehrere Wochen in Quarantäne“, sagte Premier Andrews.

Australien gehört seit Beginn der Coronakrise zu den Ländern mit den rigidesten Einreiseregeln und ist weiterhin fast völlig abgeschottet. 2021 fanden die Australian Open unter großen Sicherheitsmaßnahmen statt, sämtliche Spielerinnen und Spieler mussten für zwei Wochen in Quarantäne. In Indian Wells berichtete Alexander Zverev vor Kurzem, dass die Impfungen unter den Spielern mit Blick auf Australien ein großes Thema seien, die Impfquote ist jedoch (noch) verhältnismäßig klein.

Zwar gibt es keine genauen Zahlen, weil neben Djokovic auch andere Spieler wie der Grieche Stefanos Tsitsipas ihren Status verbergen, doch laut Spielervereinigung ATP waren bei den Männern zuletzt nicht mehr als 65 Prozent geimpft. Einige Spieler wie Dominic Thiem werden sich in der Winterpause impfen lassen, wer skeptisch bleibt, muss eher fliegen, oder: bei den Australian Open zuschauen.