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November 2021

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Jung-Vater Karl Geiger startet am Freitag als deutscher „Vorflieger“ in den Olympia-Winter. Auch mit neuem Schuh will der Skispringer an alte Erfolge anknüpfen.

Die kleine Luisa spielt bei Karl Geigers großen Plänen schon voll mit. „Sie schläft ziemlich gut – ich bin also ganz ausgeruht“, sagt der stolze Papa vor dem Start in den prall gefüllten Olympia-Winter, in dem er wie im Vorjahr die Schanzen rocken will. Und das dank Luisa mit voller Kraft. „Wenn ich mich ein wenig umhöre, habe ich da ziemlich Glück“, sagt der Oberstdorfer und lächelt.

Die Geburt der heute elf Monate alte Luisa ist Geigers wohl schönste Erinnerung an einen Skisprung-Winter voller Emotionen. Hochzeit, Nachwuchs, Corona-Erkrankung, Heim-WM mit vier Medaillen und zum krönenden Abschluss der Titel bei der Skiflug-WM. „Manchmal wäre es mir etwas lieber gewesen, es wäre etwas ruhiger verlaufen“, sagt der 28-Jährige im Rückblick: „Aber heute kann ich nur sagen: Besser geht’s nicht.“

Oder vielleicht doch? Denn wenn Geiger am Wochenende im russischen Nischni Tagil als deutscher Hoffnungsträger Nummer eins in die Weltcup-Saison startet, sind am Horizont schon neue Ziele zu sehen. Ende Dezember beginnt die Vierschanzentournee. „Irgendwann wird Skisprung-Deutschland hoffentlich wieder einen Gesamtsieger haben“, sagt Geiger über jenen Klassiker, den seit Sven Hannawalds legendärem „Grand Slam“ 2001/02 kein DSV-Adler mehr gewonnen hat.

Und dann sind da ja auch noch die Olympischen Spiele in Peking und die Skiflug-WM auf dem „Monster-Bakken“ im norwegischen Vikersund. Geiger steckt schon jetzt voller Tatendrang. „Ich bin voll motiviert und werde alles geben. Wenn es ansatzweise so wird wie zuletzt, kann ich nur sagen: Habe die Ehre, das war genial.“

Abschied nehmen hieß es für Geiger dagegen beim Material. Zwei Jahre lang sprang er unfreiwillig mit denselben Schuhen, im Skispringen eine halbe Ewigkeit. Zuletzt riss sogar die Lasche ab und musste notdürftig geflickt werden. Aber: „Das war der beste Schuh, den ich hatte“, so Geiger: „Jetzt kann ich ihn in den Ruhestand schicken.“

Dass es auch mit neuem Schuhwerk klappt, bewies Geiger Ende Oktober, als er den DM-Titel holte. „Karls aktueller Stand ist besser als der im letzten Jahr“, sagt Bundestrainer Stefan Horngacher: „Er hat sich sein Familienleben gut zurechtgelegt, er trainiert super, ist auf einem sehr guten Weg. Ich glaube, dass er wieder gereift ist. Wenn er gesund bleibt, hat er richtig große Chancen.“

Vielleicht schon am ersten Wochenende? Vor einem Jahr hatten Markus Eisenbichler und Geiger zum Weltcup-Auftakt für einen deutschen Doppelsieg gesorgt, allerdings im polnischen Wisla. Doch auch in Nischni Tagil, wo erstmals der Winter eröffnet wird, haben die DSV-Adler mit Siegen 2014 und 2015 (jeweils Severin Freund) sowie zweimal 2017 (Andreas Wellinger und Richard Freitag) eine starke Bilanz vorzuweisen.

Geiger wiederum hat auf dem „Trampolin Stork“ bislang einen zweiten Platz (2019) als bestes Resultat stehen. Vergangenen Winter verzichtete er auf die Reise nach Russland, weil der Nachwuchs auf dem Weg war. Nun ist Töchterchen Luisa zumindest als Edelfan am Fernseher dabei