sid

Januar 2022

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Der deutsche Fußball trauert um seinen letzten Helden von 1954: Horst Eckel ist am 3. Dezember im Alter von 89 Jahren gestorben. Er war der zuletzt einzige noch lebende Weltmeister der legendären Mannschaft, die 1954 in Bern den ersten WM-Titel für Deutschland errungen hatte. Eckel spielte zwischen 1952 und 1958 insgesamt 32-mal für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Mit dem 1. FC Kaiserslautern wurde der in Vogelbach geborene Außenläufer mit dem Spitznamen „Windhund“ zweimal deutscher Meister (1951 und 1953).

Die Helden von Bern

Toni Turek (Fortuna Düsseldorf): In Düsseldorf zu leben und dem Jahrhundert-Torwart aus dem Weg zu gehen, ist nicht einfach. Eine Straßenbahn trägt den berühmten „Teufelskerl“-Ausruf aus dem WM-Finale, als Statue vor dem Stadion lehnt der gelernte Bäcker lässig am Pfosten. Eine Schule ist auch nach ihm benannt. Gestorben am 11. Mai 1984 in Neuss.

Josef Posipal (Hamburger SV): „Er war einmalig und herzensgut“, sagte einst Uwe Seeler – welch Lob des noch größeren Hamburgers. „Jupp“ war aber der Sohn eines Donauschwaben, geboren und aufgewachsen in Rumänien. Nach der Karriere zog er als Teppich- und Möbelverkäufer durchs Land. Gestorben am 21. Februar 1997 in Hamburg.  

Werner Liebrich (1. FC Kaiserslautern): Nach der Verhaftung des kommunistischen Vaters durch die Nazis in Armut aufgewachsen. Später war „de Rod“ (der Rote) Postbeamter mit eigenem Lotto-Toto-Laden in der Eisenbahnstraße 48 – und der Stopper im deutschen WM-System. Gestorben am 20. März 1995 in Kaiserslautern. 

Werner Kohlmeyer (1. FC Kaiserslautern): Spielte für die Reichsbahner und seinen FCK, hatte aber auch großes Talent für die Leichtathletik und war virtuos an der Geige. Laut WM-Enzyklopädie rettete er „in höchster Not und war allein zweimal auf der Linie zur Stelle war, als Turek längst geschlagen war“. Verfiel dem Alkohol. Gestorben am 26. März 1974 in Mainz. 

Karl Mai (SpVgg Fürth): Ende 1946 aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen, das WM-Finale von Bern war erst „Charlys“ achtes Länderspiel. Schloss eine Konditorlehre ab und spielte später noch drei Jahre lang für Bayern München. Gestorben am 15. Mai 1993 in Fürth.

Horst Eckel (1. FC Kaiserslautern): Der „Windhund“ der Roten Teufel. Schnell, zielstrebig, gewandt. Abseits des Platzes ein Vorbild in Bescheidenheit und Freundlichkeit. Rechter Außenläufer, gelernter Werkzeugmacher, später Lehrer an der Realschule. „Jetzt bin ich der letzte der Mannschaft, und ich vermiss‘ meine Kameraden“, sagte er 2017. Gestorben am 3. Dezember 2021 in Kaiserslautern. 

Helmut Rahn (Rot-Weiss Essen): Der Boss. Schoss aus dem Hintergrund, Gyula Grosics im Tor der Ungarn streckte sich vergebens. „Helmut, erzähl mich dat Tor“, so wurde Rahn nach der Karriere immer wieder angesprochen, der flinke Flügelstürmer von einst antwortete meist: „Ich die Kirsche auf’n linken Schlappen, dann zieh ich ab. Was dann passiert is, wisst ihr ja.“ Traf auch zum 2:2 im Finale. Als die Zeit als Fußballer vorbei war, erfolglos als Geschäftsmann. Stammgast in der Kneipe „Friesenstube“ in Essen. Gestorben am 14. August 2003 in Essen. 

Ottmar Walter (1. FC Kaiserslautern): War stets der kleine Bruder des großen Kapitäns, vom „alten Fritz“, hatte aber mehr Zug zum Tor. Wollte in der 84. Minute im Finale eigentlich den Ball von Rahn, bekam ihn aber nicht. Fand sich im Leben danach erst spät zurecht, überlebte einen Selbstmordversuch. Gestorben am 16. Juni 2013 in Kaiserslautern.

Fritz Walter (1. FC Kaiserslautern): Der Kapitän, der erste Rockstar des deutschen Fußballs. Abwechselnd der „große Fritz“ oder der „alte Fritz“ genannt. Bodenständig, bescheiden, ein Pfälzer durch und durch. Es gibt wohl keinen Orden oder Titel, der ihm nicht verliehen wurde. Selbst ein Wetter wurde nach Walter benannt, noch heute für viele ein Held. „Der Fritz wurde nicht entdeckt – sein Talent drängte sich von selbst auf“, sagte einmal Sepp Herberger über seinen Vertrauten. Gestorben am 17. Juni 2002 in Enkenbach-Alsenborn.

Max Morlock (1. FC Nürnberg): Hatte 1954 mit seiner Frau Inge schon einen Italien-Urlaub gebucht, weil er mit einem Aus nach dem Viertelfinale gerechnet hatte. Kam dann anders, traf im Endspiel zum 1:2-Anschluss. Klubs aus dem Ausland lockten mit Koffern voller Bargeld, doch Morlock blieb dem „Club“ treu. Kümmerte sich nach der Karriere liebevoll um seinen Lotto-Toto-Laden, Dackel Hexi und die Familie. Gestorben am 10. September 1994 in Nürnberg.

Hans Schäfer (1. FC Köln): Hieß eigentlich Johann, in Köln aber nur unter „De Knoll“ bekannt. Eroberte den Ball und flankte vor Rahns Siegtreffer. War ein begnadeter Linksfuß, dribbelstark und torgefährlich. Punktete bei den Frauen mit seinem guten Aussehen, stand aber ungern in der Öffentlichkeit. Gestorben am 7. November 2017 in Köln.

Sepp Herberger (Trainer): Aufgewachsen in der Mannheimer Spiegelkolonie, Hilfsarbeiter, diente noch im Ersten Weltkrieg. Dann selbst Fußballer, ab 1936 Reichstrainer. Legendäre Vaterfigur der Helden von Bern: „Elf Freunde müsst ihr sein.“ Gestorben am 28. April 1977 in Mannheim.