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Dezember 2022

Landessportbünde

Ende 2021 wurde Jens Jakob zum Vorsitzenden der Baden-Württembergischen Sportjugend (BWSJ) gewählt. In einem Interview sprach der 41-Jährige über seinen ehrenamtlichen Einsatz sowie aktuelle und zukünftige Themen bei der BWSJ.

Herr Jakob, Ende November wurden Sie zum Vorsitzenden der BWSJ gewählt. Sie sind jedoch schon deutlich länger aktiv. Seit wann engagieren Sie sich ehrenamtlich im Sport? Wo hat ihr Engagement begonnen?

Jakob: Mein Engagement begann als Jugendlicher in meinem Judoverein. Dort war ich im Vorstand als Beisitzer, als Übungsleiter und später als Vorsitzender tätig. Im Badischen Judo-Verband wurde ich in dieser Zeit Bezirks-Jugendleiter für Südbaden. Durch die Teilnahme an der Jugendleiter-Ausbildung der Badischen Sportjugend Freiburg (bsj) kam ich in Kontakt mit der Sportjugend. Hier war ich Sportmobil-Fahrer, Teamer bei verschiedenen Freizeiten und im Vorstand der bsj im Laufe der Zeit Vertreter der Sportfachverbände, stellvertretender Vorsitzender und die letzten Jahre Vorsitzender.

Für welche Sportart schlägt Ihr Herz am meisten? Betreiben Sie diese weiterhin aktiv?

Jakob: Judo ist die Sportart, für die mein Herz schlägt. Als Kontaktsportart ist die Ausführung unter Pandemiebedingungen eine besondere Herausforderung. Insofern hoffe ich mit allen auf ein Ende der Pandemiebedingungen und auf die Möglichkeit, wieder sicher und unter normalen Bedingungen meinem Sport nachgehen zu können.

Bereits vor Ihrer Wahl waren Sie stellvertretender Vorsitzender der BWSJ als Vertreter der Sportjugend Freiburg. Wie unterscheidet, wo gleicht sich die Arbeit dort mit der im Vorstand der BWSJ?

Jakob: Die Gremienarbeit und die Zusammenarbeit mit Ehren- und Hauptamt ist in der bsj und der BWSJ vergleichbar. Die Themen und die Ausrichtung sind allerdings unterschiedlich. Die regionalen Sportjugenden bearbeiten die Bildungsthemen und führen Programme und Projekte durch, die sich an die Endverbraucher richten. Das sind die jungen Menschen und Multiplikatoren in den Vereinen und Verbänden. In der BWSJ ist die Ausrichtung anders: Mit dem Ziel, die Rahmenbedingungen für die Jugendarbeit im Sport zu verbessern, richtet sich die Kommunikation hier deutlich in die Richtung derer, die zu dieser Verbesserung etwas beitragen können. Letztlich ist dies die Politik im Land.

Sie sprechen es an: Das übergeordnete Thema ist die Verbesserung der Bedingungen für Kinder und Jugendliche. Warum engagieren Sie sich in der sportlichen Kinder- und Jugendarbeit? Was wollen Sie bewegen?

Jakob: Der Erfahrungsraum, den Vereine für junge Menschen bieten, besteht aus mehr als Sport. Vielmehr sollen die Angebote der Jugendarbeit von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden. Sie sollen die jungen Menschen zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen. Dabei sollen sich die Angebote der Sportvereine und -verbände an alle jungen Menschen richten und damit die Vielfältigkeit der Bevölkerung berücksichtigen und widerspiegeln.

Und was bedarf es hierfür?

Jakob: Damit die Vereine bei den Themen, die dieses „Mehr als Sport“ ausmachen, unterstützt werden, braucht es eine Stärkung der Jugendsportstrukturen. Diese müssen zum Beispiel durch Schaffung von mehr Jugend-Bildungsreferent:innen-Stellen handlungsfähiger gemacht werden. Die vielfältigen Themen der Jugendarbeit im Sport sollen so nachhaltiger in Vereinen und Verbänden verbreitet und unterstützt werden.

„Jugendliche wieder in Begwegung bringen“ – Umsetzung der Ehrenamtskarte

Das neue Jahr hat gerade begonnen. Was sind die Themen und Aufgaben für 2022?

Jakob: Wir werden uns gemeinsam mit den Sportjugenden (wsj, BSJ Nord, bsj Freiburg) insbesondere damit beschäftigen, Kinder und Jugendliche wieder in Bewegung zu bringen. Dabei werden mehrere Ziele in den Blick genommen: die Förderung von gesundem und bewegtem Aufwachsen und das Aufholen von Rückständen. Dazu sollen niederschwellige Angebote für Bewegung, Spiel und Sport für Kinder und Jugendliche geschaffen werden. Gleichzeitig sollen auch weitere wichtige Aspekte der Jugendarbeit im Sport gestärkt werden, die in den letzten zwei Jahren zu kurz kamen. Das sind zum Beispiel Erfahrungen junger Menschen bei der Mitgestaltung der eigenen Lebenswelt. Beteiligungs- und Engagement-Möglichkeiten in den Sportvereinen haben viele junge Menschen in den letzten zwei Jahren vermisst oder noch gar nicht kennenlernen können. Der aktuell gestellte Projektantrag „Bewegung bewegt was!“ soll die genannten Punkte gemeinsam mit den Sportjugenden in einem Projekt etablieren. Es handelt sich hierbei um ein Projekt der BWSJ im Rahmen des Aktionsprogramms „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“, das Folgen der Einschränkungen während der Corona-Pandemie begegnet.

Daneben gibt es ein weiteres Thema, das wir in den kommenden Monaten angehen wollen. Die Umsetzung der Ehrenamtskarte in BW. In anderen Bundesländern gibt es derartige Modelle schon, in BW steht es nun zumindest auch im Grün-Schwarzen Koalitionsvertrag. Hier wird die Politik zeigen können, wie weit die Wertschätzung ehrenamtlicher Arbeit tatsächlich geht. Die BWSJ möchte diesen Prozess aktiv begleiten und gute Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement, die klar über freie Museumsbesuche hinausgehen müssen, einfordern.

Wenn Sie einen Blick in Richtung Jahresende werfen: Welche Ziele will die BWSJ bis dahin erreicht haben, um eine positive Jahresbilanz ziehen zu können?

Jakob: Die im Projekt „Bewegung bewegt was!“ beantragten Mittel und Stellen müssen bis dahin längst bewilligt worden sein, das steht nach aktuellem Stand noch aus, und das auch für einen Zeitraum, der eine Umsetzung erlaubt. Das bedeutet mindestens ein Jahr, besser länger. Im Idealfall werden die in diesem Projekt enthaltenen Inhalte in eine Dauerförderung überführt, so dass eine nachhaltige Entwicklung erzielt werden kann.

Weniger ein Ziel als ein Wunsch ist eine positive Entwicklung der Corona-Lage und der damit in Zusammenhang stehenden Einschränkungen, die dann wieder ein sicheres Sporttreiben und Vereinsaktivitäten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zulässt.

Quelle: www.lsvbw.de