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September 2022

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln/Leipzig (SID) Erstmals werden Bundesliga-Partien unterbrochen, um Spielern das Fastenbrechen zu ermöglichen. Vereine und Spieler begrüßen das Novum.

Bastian Dankert bat zur Trinkpause – und auf den ersten Blick war das ziemlich ungewöhnlich. Nicht mal eine halbe Stunde hatten die Profis von RB Leipzig und der TSG Hoffenheim den Ball gejagt, überhaupt war es kühl in der Arena, auf den Sitzschalen fröstelten die Fans vor sich hin. Ein Abend im April eben – genau hier fand sich dann aber doch die Erklärung für die Entscheidung des Schiedsrichters.

Denn der Ramadan hat begonnen. Und die Fußball-Bundesliga fängt gerade damit an, Rücksicht auf den muslimischen Fastenmonat zu nehmen. „Danke an den Schiedsrichter und an die Spieler“, schrieb Leipzigs Verteidiger Mohamed Simakan nach dem 3:0 seiner Mannschaft bei Twitter, „sie haben mir ein paar Minuten gegeben, um mein Fasten zu brechen.“

Vom 1. April bis zum 1. Mai dürfen gläubige Muslime tagsüber keine Nahrung oder Flüssigkeit zu sich nehmen. Erst mit Sonnenuntergang ist ihnen das gestattet, am Sonntag in Leipzig war es um 19.58 Uhr so weit. Schiedsrichter Dankert unterbrach also die Partie, Simakan konnte sich die nötige Energie holen. Nach zwei Minuten ging es weiter.

Dankert ist damit einer der Pioniere unter den deutschen Referees. Am vorherigen Mittwoch hatte Matthias Jöllenbeck das Nachholspiel zwischen Augsburg und Mainz auf Bitte des ebenfalls fastenden Mainzer Spielers Moussa Niakhate unterbrochen. Als erster Schiedsrichter der Bundesligageschichte.

Bei den Vereinen trifft diese neuartige Spielunterbrechung auf große Zustimmung: „Da das Fasten einen direkten Einfluss auf die körperliche und mentale Belastbarkeit haben kann, begrüßen wir es sehr, dass den Spielern eine entsprechende Pause eingeräumt wird“, sagte Dr. Robert Percy Marshall, Mannschaftsarzt von RB Leipzig, auf SID-Anfrage. Sobald möglich, versorge man die entsprechenden Athleten dann mit isotonischen Getränken oder Proteinshakes.

Für die Vereine ist die Situation nichts Neues. „Wir stehen mit dem Sportler in ständigem Austausch, was die subjektive Belastbarkeit betrifft“, erklärt Marshall. Auch RB-Trainer Domenico Tedesco berücksichtigt bei Spielern wie Simakan die Fastenzeit: „Wenn dann ein intensives Training anstehen würde, dann wird er da halt teilgesteuert.“

Allerdings stünde es den Spielern frei, an Spieltagen und in der Vorbereitung auch tagsüber ihr Fasten zu brechen, wie Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, dem Deutschlandfunk sagte. So könnten die Profis wie gewöhnlich Nahrung zu sich nehmen und die entsprechenden Tage dann nachholen. Wie Simakan gebe es jedoch einige Spieler, die diese Ausnahmeregelung nicht in Anspruch nehmen möchten.

Auch in der Bundesliga könnte es in den kommenden Wochen und in den nächsten Jahren häufiger zu derartigen Unterbrechungen kommen, eine Trinkpause an kühlen Aprilabenden zur Gewohnheit werden. Der deutsche Fußball würde damit aufholen. In der englischen Premier League etwa ist das Thema schon weitaus präsenter.