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August 2022

Sport-Informations-Dienst (SID)

Berlin (SID) Patrick Hausding macht Schluss. Deutschlands bester Wasserspringer hat bis zuletzt Höchstleistungen gebracht, doch der Weg dorthin wurde immer beschwerlicher.

Im Hintergrund wummerten die Sprungbretter vor sich hin, die dumpfen Klänge hallten durch die riesige Schwimmhalle in Berlin. 25 Jahre lang war das so etwas wie der Soundtrack zu Patrick Hausdings Leben, doch jetzt ist Schluss damit. Deutschlands erfolgreichster Wasserspringer beendet seine Karriere, das gab er am 04. Mai am Rande der Deutschen Meisterschaften bekannt.

„Für mich ist die Zeit gekommen“, sagte Hausding, mit 33 Jahren hat das vor allem körperliche Gründe. Er werde einiges vermissen an seinem Sport, „die Schmerzen aber nicht“, sagte er lachend: „Über die Jahre ist es immer schwieriger geworden, den inneren Schweinehund zu überwinden, dahin zu gehen, wo es wehtut. Und das ist es ja, was den Leistungssport ausmacht.“

Diese Grenze hat der Berliner in seiner Karriere sehr häufig erfolgreich überwunden. Viermal war er bei Olympia, 2008 in Peking gewann er Silber im Synchronspringen vom Turm, 2016 in Rio Bronze vom Dreimeter-Brett. Und 2021 in Tokio kam noch einmal Bronze im Synchronspringen vom Dreier dazu, zudem durfte er in Japan die deutsche Fahne ins Olympiastadion tragen. Diese Sommerspiele, so Hausding, „waren ein Highlight zum Abschluss. Ich bin froh darüber, wie meine Karriere verlaufen ist, und froh darüber, wie sie zu Ende ging.“

Beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV) hätte man den Ex-Weltmeister gerne gehalten. Er sei eine Persönlichkeit und ein „wesentlicher Leistungsträger, der dem deutschen Team und dem Wasserspringen fehlen wird“, sagte Bundestrainer Lutz Buschkow, „junge Sportler werden lange arbeiten müssen, um in seine Nähe zu kommen.“ Hausding allerdings peilt den Beruf des Trainers „erstmal“ nicht an.

Er will sich nun auf seine Familie konzentrieren und auf sein Lehramtsstudium in den Fächern Englisch und Sport. „Ich möchte auch die Vorteile dieses Studentendaseins mitnehmen, in dem ich mir die Zeit flexibler einteilen kann, bevor es danach ja im neuen Arbeitsalltag wieder weitergeht“, sagte er.

Wie genau die kommenden Monate aussehen werden, vermag er noch gar nicht zu sagen. „Ich habe das hier 25 Jahre lang gemacht, mein ganzes Leben hat sich ums Wasserspringen gedreht“, sagte er. In das andere Leben müsse er jetzt erstmal „reinwachsen. In der Hinsicht bin ich wieder ein kleines Kind.“

Gedanklich hat Hausding sich eine Weile auf diesen Schritt vorbereitet, schon nach den Sommerspielen in Tokio habe er ihn geplant. Vom Brett und Turm will er künftig nur noch in seiner Freizeit springen, allein, um mit den Kollegen Kontakt zu halten.

Und der Sport, so Hausding, fasziniert ihn ja noch immer. „Fußballspielen kann jeder“, sagt er grinsend, aber die „Vielfalt, die Ästhetik, das Gefühl von freiem Flug, von extremer Körperkontrolle“ – das würde er sonst vermissen.