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Juni 2022

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln (SID) Die zweimalige Olympiasiegerin Katarina Witt sieht die beschlossene Anhebung des Mindestalters im Eiskunstlauf von 15 auf 17 Jahre als beispielgebend für andere Sportarten. „Ob das Turnen ist, ob es Turmspringen sein könnte oder die Rhythmische Sportgymnastik – das sind alles Sportarten, wo es vor allem die Mädchen sind, die stärker geschützt werden sollten“, sagte Witt dem SID am 8. Juni.

Die 56-Jährige weist auf den „großen Unterschied“ bei heranwachsenden männlichen und weiblichen Sportlern hin. „Da ist mit Gleichberechtigung leider kein Blumentopf zu gewinnen“, so Witt. Mädchen würden zwischen 15 und 18 Jahren „einfach einen Sprung zur Fraulichkeit“ machen, „der dir in diesen Sportarten mit fortschreitendem Alter eher im Weg ist.“ Bei den Jungs sei es hingegen andersherum. „Die sind mit 15, 16 schmächtiger und werden dann kräftiger und bekommen mehr Muskeln“, sagte Witt: „Das sind Dinge, die für sie zum Vorteil werden.“

Witt, die von einer „guten und modernen“ und „ein bisschen revolutionären“ Entscheidung im Eiskunstlauf sprach, rechnet durch die vom Weltverband verabschiedete schrittweise Regeländerung allerdings nicht zwangsläufig mit größeren Erfolgen der deutschen Athletinnen und Athleten. „Ich glaube, ob das Mindestalter bei uns im deutschen Eiskunstlauf bei 15, 17, 18 oder 19 liegt, das ist nicht wirklich relevant“, so die Olympiasiegerin von 1984 und 1988: „Wir haben in Deutschland zum einen nicht die optimalsten Trainingsbedingungen. Zum anderen ist auch dieser ‚Ich will unbedingt gewinnen‘-Wille nicht immer vorhanden.“

Die Russen seien auch aufgrund ihrer Geschichte und ihren Trainingsmöglichkeiten „einfach dominierend. Es ist alles auf den Leistungssport ausgerichtet, da haben wir in Deutschland eine andere Philosophie. Dieses Niveau ist nur zu schaffen mit mehr Training, mit mehr Fleiß, mit mehr Ausdauer, mit mehr Ehrgeiz. Das kann man nicht bloß aufs Alter reduzieren.“