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November 2022

Landessportbünde

Übungsleiter*innen sind eine rare Ressource. Hat man sie, sollte man sich bemühen, sie zu halten. Fehlen sie, muss man sich etwas einfallen lassen, um sie zu finden.

Nils Hayn hat Grund zum Seufzen. Der kleine Breitensportverein TV Horst-Eiberg, dem er vorsitzt, kämpft. 110 Mitglieder verteilen sich auf fünf Abteilungen, Badminton und Tischtennis sind traditionell stark. Doch nur zwei Übungsleitungen (ÜL) mit Lizenz sind verblieben. „Unser Badminton-Jugendtrainer studiert jetzt in einer anderen Stadt. Er hinterlässt eine Abteilung mit 20 Mitgliedern – und gerade die bräuchten einen starken ÜL, um die Arbeit voranzutreiben.“ Als Interimslösung sind zwei engagierte Väter eingesprungen. Hayn würde die beiden gerne langfristig ins Team holen. Doch beide sind voll in ihren Job eingebunden, wissen nicht, wo sie die Zeit hernehmen sollten, um die C-Lizenz zu erwerben, und fühlen sich ohne Qualifizierung schlecht gerüstet. Eine kurzfristige, dennoch nachhaltige Lösung ist nicht in Sicht.

Entwicklung von Vereinen in Gefahr

Ein kleines Drama, das sich in vielen NRWVereinen abspielt. „Wenn ein Verein keine Übungsleitungen mehr bekommen kann, ist das Problem groß“, sagt Ehrenamtsberaterin Claudia von Parzotka-Lipinski. „Scheiden langjährig tätige Übungsleiter*innen aus, geht das im schlimmsten Fall auf Kosten des Sportangebotes. Oder findet ein Verein für ein geplantes Angebot keine ÜL, hemmt ihn das in seiner Entwicklung.“ Nils Hayn würde das bestätigen: Er konnte das Kinderturnen U3 nicht mehr anbieten, die Abteilung wurde zum Leidwesen der Familien im Stadtteil aufgelöst.

Anreize schaffen für Übungsleitungen

Gründe für fehlende Übungsleiter*innen gibt es viele. Angefangen bei den persönlichen Lebensentwürfen, in die vermeintlich oder tatsächlich kein verbindliches Ehrenamt hineinpasst, bis hin zu den Rahmenbedingungen, die ein Verein seinen Engagierten bieten kann. „Die Rahmenbedingungen sind die Stellschraube, die der Verein drehen kann“, weiß die Ehrenamtsberaterin. „Vereine sind erfolgreich, wenn sie Ehrenamtliche selbst ausbilden und ihnen Anreize zum Dabeibleiben bieten.“ Etwa Unterstützung bei ihrer Tätigkeit und der Fort- und Weiterbildung, einen Engagementnachweis, der auch im Beruf von Nutzen ist. Klare Zuständigkeiten, klare Kommunikationswege. „Fragt ein potenzieller Mitarbeiter, was er oder sie dafür kriegen kann, muss der Verein wissen, was er bieten kann!“

Finden in den eigenen Reihen

Burghard Kretschmer von der Concordia Ossenberg hat das Angebot seines Vereins in jahrelanger Arbeit geschärft. Der Verein, der auf gesundheitsorientierte Bewegungsangebote spezialisiert ist, setzt auf vorausschauende Planung. So holt er frühzeitig die Jugend ins Boot: „Möchte jemand etwas anbieten, zum Beispiel Street Dance, stellen wir die Räumlichkeiten zur Verfügung, bilden sie oder ihn zum Sporthelfer aus und geben später die Möglichkeit, beim KSB oder LSB eine Ausbildung zu machen, die wir finanzieren.“ Oder der Verein spricht Mütter in den Mutter-Kind-Kursen an. Manchmal hat er Glück und findet eine Frau, die aus dem Turn- oder Tanzbereich kommt und in kleinem Umfang einsteigen möchte. „Uns ist wichtig, nicht erst die Pilatesringe zu kaufen und dann die Übungsleitung zu suchen. Sondern offen zu sein und zu fragen: Was kannst du gut, was ist dein Hobby, was hast du früher gemacht? Das bedeutet Flexibilität des Vereins hinsichtlich des Sportangebots. Man geht natürlich Risiken ein, etwa, dass man eine Abteilung auch mal verliert, wenn wir niemand passenden finden.“ Alles schon geschehen: Früher hatte der Vereine eine Badminton-Abteilung mit 100 Spieler*innen. Jetzt sind es noch 30, die sich einfach nur zum Spielen in der Halle treffen. Günstiger als ein Badminton-Court, meinen sie – aber eben ohne Anleitung.

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Quelle: lsb.nrw