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Oktober 2022

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München (SID) Olympia in Deutschland ist eine Vision, erst mal muss „Mini-Olympia“ reichen: Ab diesem Donnerstag ist München 50 Jahre nach den Sommerspielen Gastgeber der Multi-EM European Championships.

Ja, sie hätten in München gerne Olympische Spiele gehabt, Winterspiele. Aber: 2018 wollten die Herren der Ringe lieber das südkoreanische Pyeongchang – und 2022 lehnte die Bevölkerung eine Bewerbung der Stadt und ihrer Partnergemeinden von vornherein ab. Während der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) dennoch vorsichtig vom größten Sportfest der Welt träumt, richtet München nun ab diesem Donnerstag immerhin „Mini-Olympia“ aus.

50 Jahre nach den Olympischen Sommerspielen ist Bayerns Landeshauptstadt Schauplatz der European Championships. Es ist die zweite Auflage dieser Multi-EM – Premiere war 2018 in Glasgow und Berlin. „Das passt wunderbar zusammen: eine Multisportveranstaltung 50 Jahre nach den Olympischen Spielen„, betont Marion Schöne, die Chefin des Olympiaparks und des Organisationskomitees der „EC“, im Interview mit dem SID.

Leicht war es nicht, das größte Sportfest in Deutschland seit eben jenen Sommerspielen 1972 zu bekommen, es war, berichtet Schöne, „eine zähe Angelegenheit„. Nicht zuletzt wegen der Finanzierung, aber auch, weil es Bedenken vom Innenministerium, vom DOSB und Verbänden gab. „Erst hieß es, wir sollen in ein paar Jahren wiederkommen„, sagt Schöne, „dann aber wäre das 50-Jährige ja vorbei gewesen. Am Ende haben sich alle durchgerungen.“

Tatsächlich ist dieses „Mini-Olympia“ mit erwarteten 4700 Teilnehmern und 177 Entscheidungen in neun olympischen Sommersportarten größer als Olympische Winterspiele: In Peking, das dem Traum von München als erster Gastgeber von Sommer- und Winter-Olympia zuvorkam, nahmen knapp 2900 Athleten an 109 Wettbewerben teil. Die Kosten der „EC“ in München von 100 Millionen Euro teilen sich der Bund, das Land Bayern und die Stadt.

Von München soll auch ein Signal ausgehen, vor allem auch an die olympia-skeptische oder eher IOC-skeptische deutsche Bevölkerung. „Man muss Vertrauen schaffen, und das muss erst wiedergewonnen werden, und das ist auch ein bisschen unsere Mission„, sagt Schöne: „Wir versuchen zu zeigen, dass Sportgroßveranstaltungen mit Unterstützung der Bevölkerung möglich sind, dass sie nachhaltig sind, dass sie nachhaltig positiv in Erinnerung bleiben.

München legt sich gewaltig ins Zeug, unter anderem mit einem Rahmenprogramm, das Olympischer Spiele würdig wäre. Punkten können die Gastgeber beim Thema Nachhaltigkeit: Mit dem Olympiapark als Zentrum werden die Sportstätten von 1972 genutzt – mit einer Ausnahme: Beachvolleyball und Klettern finden auf dem Königsplatz in der Stadtmitte statt, ein spektakuläres Ambiente. Die Veranstaltungen dort sind auch Publikumsrenner.

Das Interesse an Kaufkarten könnte freilich größer sein. Insgesamt 450.000 Tickets wollen die Münchner loswerden, der Vorverkauf verläuft erst seit zwei Wochen einigermaßen gut. Vielleicht auch, weil im Gegensatz zur „EC“-Premiere vor vier Jahren diesmal Schwimmen nicht im Programm ist: Die renovierte Olympia-Schwimmhalle kann nicht die vorgeschriebenen zehn Bahnen bieten, der Bau einer temporären Anlage hätte die Kosten gesprengt.

Wenig hilfreich wäre auch, wenn die zuletzt mit Corona infizierte Weitsprung-Olympiasiegerin und -Weltmeisterin Malaika Mihamo noch absagen müsste. Immerhin: Das Wetter soll gut werden, was für Besucher des Olympiaparks beste Voraussetzung ist, kostenlos die Radsport-Wettbewerbe im BMX und Mountain Bike oder die Triathlon-Entscheidungen zu verfolgen. Insgesamt sollen die „EC“ eine Million Zuschauer anlocken.

Geht es nach Schöne, dann wäre „Mini-Olympia“ in München auch ein Antrieb, es nochmal mit einer Bewerbung um die Olympischen (Winter)Spiele zu versuchen. „Für mich und viele andere, die im Sport tätig sind, wäre das sicher ein großer Traum„, sagt sie. Und „wenn der Rückhalt in der Bevölkerung da ist, wenn man das gemeinsam trägt wie bei den European Championships, haben wir gute Chancen, hier auch nochmal Olympische Spiele zu bekommen„.