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November 2022

Sport und Verein

Miami/Köln (SID) Nach dem Ausfall des Dolphins-Quarterbacks Tua Tagovailoa gibt es in der NFL erneut Debatten um den Umgang mit Gehirnerschütterungen.

Tua Tagovailoa lag flach auf dem Rücken, seine verkrampften Finger zeigten in alle Richtungen, und die Teamkollegen von den Miami Dolphins gingen auf die Knie. Nie ein gutes Zeichen, wenn ein Footballprofi auf dem Feld behandelt wird. Später wurde beim Quarterback im Krankenhaus eine Gehirnerschütterung festgestellt, doch es ist keine wie jede andere in der NFL, denn es gab eine Vorgeschichte.

Tagovailoa verletzte sich im Spiel gegen die Cincinnati Bengals, als er nach einem Tackle mit dem Hinterkopf hart auf den Boden krachte, so wie eine Woche zuvor gegen die Buffalo Bills. Damals hatte der 24-Jährige nach dem Treffer ziemlich weiche Knie, wurde durchgecheckt und kehrte zurück. Und genau hier beginnt die Diskussion.

Nach Klubangaben verursachte eine Rückenverletzung die wackligen Beine, damit war die Spielergewerkschaft NFLPA nicht einverstanden und mischte sich ein. Daraufhin wurde laut Medienberichten der Neurotrauma-Spezialist, der Tagovailoa während des Spiels untersuchte, wegen „mehrerer Fehler“ gefeuert. NFLPA und NFL veröffentlichten ein Statement, wonach es nun weitere Anpassungen beim sogenanntem „concussion protocol“ geben soll.

Darin stehen Vorgaben zur Rückkehr ins Spiel, sie sind wichtig, denn der Umgang mit Gehirnerschütterungen ist in der Liga ein Dauerthema – die Folgen sind teils enorm. So tritt die degenerative Gehirnerkrankung CTE nach häufigen Kopftraumata auf, sie wurde (postmortal) bereits bei über 30 ehemaligen NFL-Profis nachgewiesen.

Tagovailoa durchläuft derzeit das Protokoll. Er wird am Sonntag gegen die New York Jets nicht zum Einsatz kommen, es gibt laut Dolphins-Headcoach Mike McDaniel noch „keinen Zeitplan“ für das Comeback: „Er hatte ein paar gute Tage und versucht, das Protokoll durchzuziehen, damit er sich wieder zu 100 Prozent gut fühlt.“

Derweil betonte NFL-Chefmediziner Dr. Allen Sills, dass Tagovailoa zwischen den beiden folgenschweren Hits „täglich“ getestet worden sei. Laut McDaniel hat ein unabhängiger Neurologe in dieser Zeit eine Kopfverletzung ausgeschlossen.

Und Tuanigamanuolepola „Tua“ Tagovailoa? Der bedankte sich bei den Dolphins für die Unterstützung. Der Hawaiianer bedankte sich auch für die Gebete, etwa bei seinen Quarterback-Kollegen Patrick Mahomes und Russell Wilson. „Ich fühle mich viel besser und bin auf meine Erholung fokussiert, damit ich zurück auf das Spielfeld kann“, schrieb Tagovailoa bei Instagram. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.