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November 2022

Sport-Informations-Dienst (SID)

Berlin (SID) Die Energiekrise trifft den Sport immer stärker. Besonders die Vereine an der Basis merken die Auswirkungen der angespannten Lage.

Das Gas ist teuer, der Winter wird kalt und so mancher Verein bangt um das Überleben: Die Energiekrise hält den Sport schwer in Atem und die steigenden Kosten lasten besonders auf der Basis. Wie eine neue Umfrage des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und der 16 Landessportbünde zeigt, geht vielerorts bereits Existenzangst um.

Die Zahlen aus der Umfrage, welche vom Institut für Sportstättenentwicklung (ISE) unter 5.696 Vereinen durchgeführt wurde, sind durchaus alarmierend. Demnach erwarten 41,8 Prozent der befragten Organisationen „starke Auswirkungen“ durch die Krise. 42,7 Prozent befürchten „leichte Auswirkungen“ und 5,6 Prozent gar eine „akute Existenzbedrohung“.

Zwar hätten die Sportvereine bereits während der Pandemie Durchhaltevermögen bewiesen, so DOSB-Präsident Thomas Weikert: „Aber die Reserven sind so gut wie aufgebraucht und spätestens mit den zu erwartenden, deutlich erhöhten Abschlagszahlungen stehen insbesondere die vielen tausend Vereine mit eigenen Sportanlagen vor teilweise existenzbedrohenden finanziellen Belastungen.“

Zum Vergleich: Während der Corona-Pandemie gaben nur 26 Prozent an, unter starken Auswirkungen gelitten zu haben, knapp zwei Prozent sprachen von einer existenziellen Bedrohung. Und schon jetzt hat die Krise konkrete Folgen. 26,9 Prozent der Vereine klagen über einen Mitgliederrückgang, 25,6 Prozent können geplante Maßnahmen nicht umsetzen und 23,2 Prozent müssen den Trainingsbetrieb anpassen oder einschränken. 5,7 Prozent mussten gar die Sportstätten schließen.

Der DOSB hatte seine Mitglieder schon im September dazu aufgerufen, 20 Prozent an Energie einzusparen, und erstellte einen Leitfaden hierfür. Dies wird jedoch voraussichtlich nicht reichen, um hohe finanzielle Belastungen zu verhindern. Denn die Abhängigkeit vom Erdgas ist groß. 55,1 Prozent der Vereine, dies ergab die Umfrage, heizen auf diese Art.

Michaela Röhrbein, DOSB-Vorständin Sportentwicklung, forderte daher Investitionen in die Zukunft. „Spätestens jetzt dürfen die Vereine nicht mehr allein gelassen werden und brauchen Unterstützung bei der Umstellung auf erneuerbare Energien“, sagte sie: „Sportstätten in Deutschland sind zudem dringend sanierungsbedürftig – es müssen umfassende Modernisierungs- und Dekarbonisierungsmaßnahmen durchgeführt werden.“

Auf Bund, Länder und Kommunen verlassen sich die Vereine, welche die Kosten auch über Rücklagen abfangen, in Sachen kurzfristige Entlastung. Mit Hilfen von Bund (41,1 Prozent) und Land (35,7 Prozent), wenn denn möglich, planen viele von ihnen, wobei 37,9 Prozent notfalls die Mitgliedsbeiträge erhöhen würden, um die Mehrkosten abzufangen.

Auch Weikert hofft zur Bewältigung der Herausforderungen auf politische Unterstützung. „Damit die Sportvereine gut durch den Winter kommen, braucht es so schnell wie möglich Hilfe aus der Politik, von Bund und Ländern. Wir gehen davon aus, dass die Sportvereine durch die vorgeschlagenen Maßnahmen der Gaspreiskommission entlastet werden. Zudem sollten sie für den ebenfalls diskutierten Härtefallfonds antragsberechtigt sein“, sagte der 60-Jährige, den die bisherigen Signale aus der Politik „positiv“ stimmen.

Graphik: @DOSB