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Februar 2023

Sport-Informations-Dienst (SID)

Was steht an?

Die 28. Handball-Weltmeisterschaft in Polen und Schweden (11. bis 29. Januar) findet als zweite Endrunde in der 85-jährigen WM-Geschichte mit 32 Teams statt. Ebenfalls zum zweiten Mal gibt es zwei Co-Gastgeber (erstmals Deutschland und Dänemark 2019). Für Polen ist es eine Premiere, Schweden richtet zum fünften Mal eine Weltmeisterschaft aus. Größte bisherige Erfolge der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) sind die WM-Titel 1938, 1978 und 2007. Silber gab es 1954 und 2003, der dritte Platz gelang 1958. Rekordweltmeister ist Frankreich mit sechs Titeln. Als Titelverteidiger geht Dänemark an den Start.

Wer sind die Favoriten?

Titelverteidiger Dänemark und Olympiasieger Frankreich. Aber auch Europameister und Vizeweltmeister Schweden sowie die erfahrenen Spanier wollen im Kampf um die WM-Krone ein Wörtchen mitreden. Deutschland ist nach dem Umbruch im Anschluss an die Olympischen Spiele 2021 maximal ein Geheimfavorit. Zumindest die Auslosung meinte es gut mit dem Team von Bundestrainer Alfred Gislason: In der Vorrundengruppe E ist Deutschland gegen Asienmeister Katar (13. Januar/18.00 Uhr/ZDF), Serbien (15. Januar/18.00 Uhr/ARD) und Algerien (17. Januar/18.00/ZDF) favorisiert. In der Hauptrunde, die das DHB-Team wie die Vorrunde in Kattowitz bestreitet, warten wohl Norwegen und Nordmazedonien als größte Hürden. In einem möglichen Viertelfinale in Danzig könnte Deutschland unter anderem auf Spanien oder Frankreich treffen. Die Viertelfinal-Verlierer spielen die Plätze fünf bis acht aus, die für die Olympia-Qualifikation 2024 relevant sind. Der neue Weltmeister krönt sich nach insgesamt neun Spielen.

Was spricht für Deutschland?

Auf dem Papier nicht allzu viel. Die Mannschaft wurde mit Blick auf die Heim-EM im kommenden Jahr stark verjüngt, Spieler von Weltklasseformat sind einzig Kapitän Johannes Golla und Torhüter Andreas Wolff. Bei der vergangenen Weltmeisterschaft stand mit Platz 12 das schlechteste Ergebnis der deutschen WM-Historie, bei der von Corona-Chaos begleiteten EM im Vorjahr wurde Deutschland nur Siebter. Mut macht der Blick zum letzten Turnier auf polnischem Boden: Auch bei der EM 2016 ging Deutschland unter Dagur Sigurdsson mit reichlich Personalsorgen und als klarer Außenseiter in das Turnier, am Ende stand der EM-Titel. Fünf Europameister von damals sind in diesem Jahr noch dabei. In den WM-Härtetests gegen Island (ein Sieg, eine Niederlage) überzeugte Deutschland – allerdings nur mit dem „ersten Anzug“. Ein Problem könnte werden, wenn Gislason seinen Stammspielern eine Pause gönnen muss oder sich ein Leistungsträger verletzt.

Wer ist der Star im deutschen Team?

Für Bundestrainer Gislason lautet die Antwort auf diese Frage: die Mannschaft. Aushängeschilder wie Uwe Gensheimer oder Patrick Wiencek haben sich mittlerweile aus der Mannschaft verabschiedet. Nun stehen vor allem Golla und Wolff im Fokus. Die Fans dürfen aber auch auf Großtaten des formstarken Spielmachers Juri Knorr, der nach seinem coronabedingten Fehlen bei der EM im Vorjahr seine zweite WM spielt, oder des erfrischenden Youngsters Julian Köster hoffen. International gilt das Hauptaugenmerk den dänischen Stars Mikkel Hansen, Mathias Gidsel oder Niklas Landin sowie dem 39-jährige Nikola Karabatic aus Frankreich. Auch auf die Bundesligaprofis Jim Gottfridsson (Flensburg/Schweden) und Sander Sagosen (Kiel/Norwegen) sollte geachtet werden.

Wie stark beeinflusst die Corona-Pandemie die WM?

Weniger als vor zwei Jahren, Einschränkungen existieren aber weiterhin. In Polen und Schweden ist eine PCR-Testung vor Anreise notwendig, Deutschland absolviert diese am Dienstag. Alle Spieler müssen als vollständig geimpft oder genesen gelten. Zudem müssen sich die Teams vor der Hauptrunde sowie vor dem Viertelfinale einem weiteren Schnelltest unterziehen, außerdem ist eine mindestens fünftägige Isolationspflicht bei einem positiven Test vorgeschrieben. Das stößt einigen Teilnehmern übel auf. „Die Turnierregeln sind strenger als die bestehenden Gesetze der jeweiligen Länder“, motzte Islands Nationaltorhüter Björgvin Pall Gustavsson in einem offenen Brief an die IHF. Diese blieb aber bei ihren strengen Regularien.

Ist die WM im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen?

Ja. Dank eines vor vier Jahren abgeschlossenen Deals, der die Übertragung aller Welt- und Europameisterschaften bis 2025 beinhaltet, werden sämtliche deutschen Spiele von ARD und ZDF übertragen. Eurosport zeigt bis zu 15 Begegnungen ohne deutsche Beteiligung kostenfrei live. Zudem streamt die Online-Plattform Sportdeutschland.tv alle 112 Partien, dazu ist die Buchung eines Turniertickets nötig.

Was noch zu sagen wäre?

„Wir haben sehr viele gute Spieler, aber vielleicht noch nicht DEN Superstar. Wir haben aber viele Leute, die das Potenzial dazu haben.“ (Bundestrainer Alfred Gislason im SID-Interview über seine verjüngte Mannschaft)