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Februar 2023

Sport-Informations-Dienst (SID)

Köln/Val di Fiemme (SID) Erster Weltcupsieg seit 2009, Fünfte der Tour de Ski: Katharina Hennig schrieb in Val di Fiemme Langlauf-Geschichte.

Sie ertrug noch einmal „höllische Schmerzen“, doch die Schinderei zum Ende eines traumhaften Wochenendes nahm sie gerne in Kauf: Mit dem ersten deutschen Weltcupsieg seit 2009 und Rang fünf in der Gesamtwertung der Tour de Ski erlebte die Sächsin in Val di Fiemme ihr ganz persönliches Wintermärchen. „Ich bin überglücklich. Das hätte ich nicht zu Träumen gewagt“, sagte die Olympiasiegerin mit einem Lächeln im Gesicht.

Entkräftet von einem historischen Tag reichte es für Hennig beim knüppelharten „Final Climb“ auf die Alpe Cermis zwar nur noch zu Platz 19. Doch das war Nebensache: Gesamtrang fünf bedeutete das beste Ergebnis einer deutschen Langläuferin bei dem mehrtägigen Klassiker, überstrahlt wurde das Abschneiden aber von ihrem furiosen Triumph über 15 Kilometer am Samstag.

„Endlich! Ich bin glückselig, dass es geklappt hat“, sagte Hennig nach dem ersten Weltcupsieg ihrer Karriere, der eine fast 14 Jahre dauernde Durststrecke beendete. Seit dem Triumph von Claudia Nystad im März 2009 in Falun hatte keine deutsche Langläuferin mehr für einen Einzelsieg gesorgt.

„Das geht in die deutsche Langlauf-Geschichte ein“, sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder und meinte auch Friedrich Moch. Der 22-Jährige verpasste als Vierter des Berganstiegs nur knapp den zweiten Podestplatz seiner Karriere. In der Gesamtwertung verbesserte Moch sich auf den achten Platz und sorgte für das beste deutsche Männer-Ergebnis seit 2009/10.

Hennig bestimmte ihr „Lieblingsrennen“ im klassischen Stil von Beginn an, auf der Zielgeraden ließ sie dann scheinbar mühelos die neue Tour-Siegerin Frida Karlsson (Schweden) und die Olympia-Zweite Kerttu Niskanen (Finnland) stehen. „Was Katharina heute gezeigt hat, war schon einmalig“, sagte Schlickenrieder.

Hennig hatte zu Beginn des Winters mit zwei Podestplätzen schon angedeutet, dass der erste Sieg nur noch eine Frage der Zeit ist. Nun platzte der Knoten, und von den Großeltern über die Geschwister bis hin zu den Nachbarn waren alle dabei. „Ich bin sprachlos und glücklich, besonders, weil meine Familie und mein Freund an der Strecke waren und das zu einem ganz besonderen Tag gemacht haben“, sagte sie.

Am Sonntag musste Hennig dann noch einmal leiden. „Es war einfach nur anstrengend“, sagte sie nach der letzten von sieben Etappen: „Ich habe mich gestern schon gefühlt, als würde ich ein bisschen krank werden. Aber ich wollte das nicht herschenken und habe alles riskiert.“ Siegerin Karlsson brach im Ziel sogar zusammen, wurde minutenlang behandelt und fehlte bei der Siegerehrung. Wenig später ging es der Schwedin dann besser.

In der Gesamtwertung verlor Hennig zwar noch einen Rang, aber das war nur noch eine Randnotiz. „Das war ein toller Abschluss mit dem fünften Gesamtplatz, den sie über die Ziellinie gerettet hat. Das ist das beste Tour-Ergebnis einer deutschen Frau und damit ein weiterer Höhepunkt“, sagte Schlickenrieder nach einem auch für ihn denkwürdigen Wochenende.